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Genting Werften : Lim bringt sich und seine Milliarden in Sicherheit

Seine Gläubiger lässt er im Regen stehen, seine Milliarden bringt er in Sicherheit: Der Malaysier Lim Kok Thay lässt seinen Reederei-Konzern untergehen. Bild: dpa

Lim Kok Thay ist als Chef der insolventen Reederei Genting Hongkong zurückgetreten. Wo der malaysische Milliardär kann, taucht er weg. Und investiert an anderer Stelle kräftig. Gläubiger und Werftarbeiter haben das Nachsehen.

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          Wie ein Kartenhaus bricht das Reich nun zusammen: Wer am Wochenende in Singapur eine „Reise ins Nirgendwo“ über die Internetseite der Hongkonger Genting-Reederei Dream Cruises buchen wollte, wurde vertröstet: „Keine Ergebnisse“. Unterdessen trat der Vorsitzende des Verwaltungsrates von Genting Hong Kong am Montag zurück. Der malaysische Milliardär Lim Kok Thay nahm seinen Hut, während sein Kreuzfahrt- Unternehmen in die Insolvenz geschickt wird. In Amerika bemühen sich Staatsanwälte schon, eines der Flaggschiffe an die Kette zu legen. Und in Singapur bleibt ein Lieferant auf seinen Rechnungen sitzen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Während sich die Superreichen in Hongkong zurückziehen, bangen in Deutschland knapp 2000 Menschen im MV Werftenverbund weiter um ihre Arbeitsplätze. Die „Global One“, auch „Global Dream“ genannt, haben sie für die Reederei von Genting Hong Kong zu drei Viertel fertig gebaut. Wer aber will das Riesenschiff für rund zehntausend Kreuzfahrer jetzt? Obwohl es extra für den asiatischen Bedarf von Dream Cruises ausgelegt wurde, sollen sich erste Interessenten gemeldet haben, sagte Christoph Morgen, der Insolvenzverwalter der MV-Werften, Mitte vergangener Woche.

          In der staatlichen Presse Singapurs, wo Lim massiv investiert ist, werden derweil Bankmanager zitiert, die deutschen Politikern die Schuld an der Krise geben: „Der Grund für das Scheitern war, dass die Deutschen von (Lim) Kok Thay eine persönliche Bürgschaft für die Darlehen verlangten, was nicht Teil des ursprünglichen Plans war“, wird ein „hochrangiger Private-Equity-Manager, der mit der Situation vertraut ist“ am Montag in der Singapurer The Straits Times zitiert.

          Folgeschäden in Milliardenhöhe

          Obwohl hier ein Lebenswerk schmilzt, klingt die Mitteilung an die Börse in Hongkong, wo die Aktie von Genting weiter ausgesetzt bleibt, kühl – die Sprecher des Familienoberhaupts nutzen für seinen Rückzug denselben Satz, den sie schon für den Rückzug seines Sohnes Lim Keong Hui Ende August 2020 verwendeten: „Es gibt keine Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat.“

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          Zeitgleich zieht sich auch Lims rechte Hand Au Fook Yew von seiner Rolle als Stellvertretender Vorstandschef von Genting Hong Kong zurück. Mit einem Anteil von 76 Prozent ist Lim Kok Thay der größte Aktionär des Reederei-Unternehmens, zu dem die Linien Dream Cruises, Star Cruises und die in Miami beheimatete Crystal Cruises zählen. Durch den Zusammenbruch der Hongkonger Dachgesellschaft sollen 2,7 Milliarden Dollar Folgeschäden drohen, ließ Lim schon warnen. Insgesamt soll Genting Hong Kong derzeit einen Schuldenberg von 3,4 Milliarden Dollar aufgetürmt haben – Geld, das anderen Firmen fehlt, um ihr eigenes Überleben in schweren Zeiten zu sichern.

          Deshalb wollen die Amerikaner die schneeweiße Crystal Symphony an die Kette legen, sobald sie am Kreuzfahrt-Kai in Miami festmacht. So wollen sie Treibstoffrechnungen in Höhe von 1,2 Millionen Dollar allein gegen dieses Schiff sichern. Der 27 Jahre alte Luxuskreuzer wurde für Samstagabend zurück in Florida erwartet; Schiffstracker allerdings zeigen, dass das Luxusschiff mit 1040 Gästen an Bord rechtzeitig Bimini auf den Bahamas vor der Küste ansteuerte, wo die amerikanische Justiz keinen Zugriff hat.

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