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Genpflanzen : Monsanto verabschiedet sich von Europa als Markt

  • -Aktualisiert am

„Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa“ Bild: REUTERS

Der Saatguthersteller Monsanto lässt Lobbyarbeit ruhen. Grund ist die andauernden Kritik von Umwelt- und Naturschutzaktivisten. Es sei kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen, teilte das Unternehmen mit.

          Angesichts der andauernden Kritik von Umwelt- und Naturschutzaktivisten hat der größte Saatguthersteller der Welt Monsanto signalisiert, Europa als Markt für gentechnisch veränderte Pflanzensaaten (GVO) aufgegeben zu haben. „Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa“, sagte am Freitag der Sprecher von Monsanto Europa, Brandon Mitchener, der „Tageszeitung“. Nach seinen Angaben will Monsanto auch auf neue Feldversuche verzichten und keine Neuzulassungen mehr beantragen.

          „Es ist kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen“, ergänzte eine Sprecherin von Monsanto Deutschland. Aus den Aussagen geht nicht hervor, dass Monsanto kein gentechnisch verändertes Saatgut mehr in Europa verkaufen wolle. Allerdings ist der Kontinent für dieses Saatgut ohnehin ein relativ unbedeutender Markt, einzig in wenigen Staaten wie Spanien bauen Landwirte in geringem Umfang einzelne GVO-Sorten an.

          Von den rund 13,5 Milliarden Dollar Konzernumsatz erwirtschaftete Monsanto lediglich 1,7 Milliarden in der Region Europa und Afrika; davon entfallen große Teile auf Agrarchemikalien und konventionelles Saatgut. Global hatte Monsanto im vergangenen Geschäftsjahr Umsatz und Gewinn deutlich steigern können - vor allem dank des schnell steigenden Absatzes von gentechnisch verändertem Saatgut und komplementären Pestiziden wie Roundup in Nord- und Südamerika, besonders in den Vereinigten Staaten und Brasilien. Der amerikanische Konzern ist seit Jahren Gegenstand von Protesten vieler Anti-GVO-Gruppen. Erst vor wenigen Tagen waren Hunderttausende Menschen in Städten wie Rio de Janeiro oder Buenos Aires gegen Monsanto auf die Straße gegangen.

          In Berlin äußerte am Freitag aufgrund der Aussagen der Monsanto-Führung zu Europa einzig die FDP Bedauern. Deren Agrarpolitikerin Christel Happach-Kasan sprach von einem „Verlust für Deutschland“. Es gingen wohl weiteres Wissen und Arbeitsplätze verloren. In den vergangenen Jahren hatten auch die Konzerne BASF und Bayer Crop Science ihre GVO-Forschungsstandorte aus Deutschland nach Amerika verlagert.

          Kritiker hingegen sehen Risiken

          Die Aussaat von GVO ist seit mehr als zehn Jahren vor allem in Amerika und Teilen Asiens Praxis. Gesundheitsgefährdungen durch den Verzehr konnten bislang laut Bundesamt für Verbraucherschutz nicht nachgewiesen werden. In Amerika säen Landwirte erst seit wenigen Jahren großflächig sogenannte GVOI der zweiten Generation aus, etwa trockenheitstoleranten Mais, den Monsanto mit BASF entwickelt hatte. Monsanto verspricht, dass der Einsatz die Erträge erhöhe und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln senke - etwa, weil Landwirte weniger Insektizide versprühen müssten.

          Kritiker hingegen sehen Risiken durch Resistenzbildung und unkontrollierte Vermehrung. Außerdem befürchten sie eine Machtkonzentration durch Technikvorsprung oder GVO-Patente in Händen weniger Konzerne. Infolge der Proteste hatte die Bundesregierung schon vor Jahren verboten, dass Monsanto den Mais MON810 in Deutschland anbaut.

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