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Genossenschaftsbanken : "Die Zentralisierung geht nicht zu Lasten der Ortsbanken"

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Hört man in die genossenschaftliche Bankengruppe hinein, sind diffuse Ängste vor einer Zentralisierung, gar Konzernierung allgegenwärtig. Christopher Pleister mahnt zur Besonnenheit. Es sei gut, daß die Verbundunternehmen und die noch acht Prüferverbände einen Druck zur Zentralisierung spürten.

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          Hört man in die genossenschaftliche Bankengruppe hinein, sind diffuse Ängste vor einer Zentralisierung, gar Konzernierung allgegenwärtig. Christopher Pleister mahnt zur Besonnenheit. Es sei gut, daß die Verbundunternehmen und die noch acht Prüferverbände einen Druck zur Zentralisierung spürten. "Die neunziger Jahre waren verlorene Jahre für unsere Gruppe. Mit der Fusion von DG Bank und GZ-Bank zur DZ Bank konnte endlich der unproduktive Wettbewerb der Zentralbanken beendet werden", sagt der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) im Gespräch mit dieser Zeitung. Wird es dann im kommenden Jahr eine Initiative geben, die Düsseldorfer WGZ mit der Frankfurter DZ zu fusionieren? "Fusionen kommen erfahrungsgemäß dann, wenn niemand mit ihnen rechnet", antwortet Pleister, der Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank ist. Und so fährt er hintersinnig fort: "Das könnte auch hier der Fall sein."

          Im angesprochenen Fall hänge es stärker an den Eigentümern der WGZ als an denen der DZ. "Die Vorstände der beiden Banken verstehen sich gut, stellen ihre Institute ergänzend auf und sind bereit, durch gemeinsame Kooperationen Synergien zu heben. Anders als in den neunziger Jahren geht man anständig miteinander um", schildert der BVR-Präsident seine Eindrücke. Grundsätzlich gelte, daß Verbände, Verbundunternehmen wie etwa die R+V Versicherungsgruppe und Zentralbanken dienende Funktion hätten. Ziel der Zentralisierung der Verbände, Verbundunternehmen und Zentralbanken sei, die Leistungsfähigkeit der Volks- und Raiffeisenbanken zu stärken. "Das Schreckgespenst ist keines. Es wird keine Zentralisierung zu Lasten der Selbständigkeit der Ortsbanken geben." Das in der Strategie des BVR verankerte Ziel, die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken von derzeit 1408 bis zum Jahr 2007 auf 800 Institute zu drücken, will Pleister vor allem durch Fusionen unter Genossenschaftsbanken erreicht sehen, die mit ihren Filialen im selben Geschäftsgebiet tätig sind. 400 Marktgebiete mit Überlappungen hat er ausgemacht.

          Die Überschneidungen werden allerdings gerade mit einem Schlag größer, da die DZ Bank zum 30. September die Norisbank mit 100 Filialen von der Hypo-Vereinsbank gekauft hat. Der Vorstand der Norisbank hat kürzlich den Ausbau des Filialnetzes nicht ausgeschlossen. "Der Vorstand der Muttergesellschaft DZ Bank hat sich hier gegenüber dem Aufsichtsrat glaubwürdig positioniert", läßt sich Pleister dazu lediglich entlocken, obwohl er von den Ängsten der Ortsbanken weiß, die Norisbank und damit die DZ Bank werde ihnen mit einer möglicherweise identischen Produktpalette künftig Konkurrenz machen. Die Norisbank sei überwiegend Lieferant von Ratenkrediten, hält er dagegen. "Für den Ratenkredit Easy-Credit braucht man Vertriebs-Know-how." Die Norisbank sei auch nicht das einzige Verbundunternehmen mit Vertriebsaktivitäten, spielt Pleister auf den mobilen Vertrieb der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der Versicherung R+V an. Nun müßten Konzepte entwickelt werden, um aus dem Filialnetz der Norisbank Nutzen für die gesamte Gruppe zu ziehen. "Neben dem Geschäftsmodell der Volksbanken und Raiffeisenbanken gibt es in unserem Verbund noch andere Geschäftsmodelle. Schon bisher haben wir es geschafft, Institute wie die Badische Beamtenbank, die Apotheker- und Ärztebank oder auch die Sparda-Banken so zu integrieren, daß es eher produktive Reibungen aus den Überschneidungen gibt als eine Beeinträchtigung unserer Leistungsfähigkeit. Bei 20 Prozent Marktanteil können viele derartige Aktivitäten zu zusätzlichen Kundenverbindungen für den Sektor führen", geht Pleister das kontroverse Thema offensiv an.

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