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Generationswechsel bei SAP : Charmeur mit Härte

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Leo Apotheker Bild:

Im neuen Job von Leo Apotheker sind klare Worte gefragt. Dass der künftige SAP-Chef dies kann, hat er bereits gezeigt. Zuckerbrot und Peitsche gelten als bevorzugte Anreizmechanismen des Vertriebsexperten, der fünf Sprachen fließend beherrscht.

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          Manchmal ist es gar nicht so einfach, Léo Apotheker zu verstehen – und das auf zweierlei Art. Auf Fragen antwortet der bisherige Vertriebsvorstand und künftige Vorstandssprecher von SAP in einem französisch angehauchten Nuschel-Singsang. Inhaltlich bleibt er ebenfalls oft schwer verständlich. Wenn man meint, jetzt hat er etwas Verwertbares gesagt, relativiert er die gerade gemachte Aussage schon im nächsten Satz. Nur Unverfängliches wie Marktanteilszahlen, die jedes Softwareunternehmen sowieso nach eigenen Methoden berechnet, kommen ihm ohne weichspülende Nebensätze über die Lippen.

          In seinem künftigen Job, als neuer SAP-Chef, wird Apotheker mit seinen eloquent und charmant vorgetragenen, allerdings sehr marketinglastigen Aussagen nicht allzu weit kommen. Dann sind klare Worte gefragt. Dass Apotheker auch diese beherrscht, zeigt er vor allem im Konzern. Intern gilt er als fordernd und auch recht deutlich, etwa wenn es um Zielvorgaben geht. Zuckerbrot und Peitsche gelten im Unternehmen als bevorzugte Anreizmechanismen von Apotheker.

          Erstmals Vertriebsexperte an der Spitze

          Der Manager Apotheker hat immer geliefert, was von ihm verlangt wurde, heißt es über ihn in Walldorf. Nach dem schnellen Abgang des einstigen Kronprinzen Shai Agassi im vergangenen Jahr rückte Apotheker auf Platz eins der Nachfolgerliste für Kagermann, dessen aktueller Vertrag 2009 ausläuft. Sich selbst beschrieb Apotheker einmal als „etwas emotionaler und vielleicht auch ein bisschen ungeduldiger als der Henning“.

          Mit Kagermann und Apotheker kehrt SAP für einige Monate zur Doppelspitze zurück, die es auch schon früher gab, damals mit Kagermann und dem heutigen Aufsichtsratschef und Großaktionär Hasso Plattner. Mit Apotheker rückt zum ersten Mal in der jetzt 35 Jahre dauernden Unternehmensgeschichte ein Vertriebsexperte an die Konzernspitze. Der nächste Chef muss nicht mehr aus der Entwicklung kommen, sagte Plattner schon vor Jahren.

          Die Softwareentwickler bei SAP, die bisher die Unternehmenskultur prägten, wissen noch nicht so recht, was sie unter dem Vertriebsmann Apotheker erwartet. Der denke zu sehr in Quartalen, wird ihm bei den Softwaretüftlern nachgesagt. Die wiederum haben bei SAP den Ruf, nicht immer streng zielgerichtet zu forschen. Aber Apotheker wäre ein schlechter Vertriebsmann, wenn er sich nicht auch auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen SAP-Mitarbeitergruppen einstellen könnte, was ihm schon öfters gelungen sein soll.

          Der Ritter der Ehrenlegion spricht fünf Sprachen fließend

          Der 54 Jahre alte Apotheker, der in Aachen geboren wurde, beherrscht fünf Sprachen fließend. Seit 2002 ist er im SAP-Vorstand. Davor war er im Konzern für das Geschäft in Europa, den Nahen Osten und Afrika verantwortlich. Apotheker, der internationale Beziehungen und Volkswirtschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem absolviert hat, hat sein gesamtes Berufsleben in der IT-Branche verbracht, zwischenzeitlich auch bei anderen Firmen.

          Für SAP arbeitet der welt- und redegewandte Apotheker heute in seiner Wahlheimat Frankreich, in Paris. Das hat dem Freund eines guten Essens und eines guten Weines bereits einen Warnschuss des Betriebsrats aus der SAP-Zentrale in Walldorf eingebracht. Auch der zweite Chef solle doch bitte in Walldorf sitzen, forderten die Arbeitnehmervertreter in Regionalpresse noch vor Apothekers Ernennung. In typischer SAP-Konsensmanier wurde eine Lösung gefunden. Apotheker hat künftig zwei Hauptbüros, eines in Paris und eines in Walldorf. Apotheker wäre es auch schwergefallen, sein geliebtes Paris zu verlassen. Dort hat der zweifache Vater und Ritter der Ehrenlegion mitten im eleganten 17. Arrondissement eine Wohnung. Er könne sich gar nicht vorstellen, einmal woanders zu leben, „ich bin ein Großstadtmensch“, sagte er einmal. Nach Walldorf kommt er ja auch zum Arbeiten.

          Und dort gibt es in nächster Zeit eine Menge zu tun. Eine neue Mittelstandssoftware, mit der SAP zum wiederholten Mal den großen Durchbruch in dem Marktsegment anstrebt, läuft eher schleppend an. Daneben muss sich Apotheker auch noch mit um die Integration der Milliardenübernahme Business Objects kümmern, von der zuletzt wenig zu hören war. Und als wäre das noch nicht genug, hat Kagermann schon mal ein neues Renditeziel vorgegeben. 35 Prozent soll die Marge vom kommenden Jahr an betragen, letztes Jahr lag die Kennzahl bei 27,3 Prozent.

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