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Generali-Chef Dieter Meister im Gespräch : „Der Ergo-Skandal hat negative Folgen“

  • Aktualisiert am

Dietmar Meister, Sprecher des Vorstands der Generali Deutschland, sieht einen Imageschaden für die Versicherungsbranche Bild: dpa

Die Ergo-Versicherung macht mit Sexreisen Schlagzeilen und zockt Kunden ab. Im F.A.Z.-Interview spricht Dietmar Meister, Chef der Generali Deutschland, über den Imageschaden für die gesamte Versicherungsbranche.

          Herr Meister, die Skandale um die Ergo haben Ihre gesamte Versicherungsbranche sehr erschüttert. Wie stark hat sie darunter zu leiden?

          Schadenfreude werden Sie bei mir nicht sehen. Das Ganze hat negative Folgen für unsere Branche. So etwas kratzt am Image von uns allen. Die Ergo ist aber sicher stärker betroffen als die Assekuranz insgesamt. Lassen wir mal den Sexskandal in Budapest außen vor. Ansonsten gilt: Fehler können jedem Unternehmen passieren.

          Die Branche hat sich einen Vertriebskodex gegeben. Warum bekommt sie die Probleme trotzdem nicht in den Griff?

          Es geht ja um Dinge aus der Vergangenheit. Die Probleme mit den Riesterverträgen waren ein Fehler, der nicht passieren sollte, aber passieren kann. Wir stehen hinter dem Kodex. Nie aber kann man in einem großen Konzern ganz ausschließen, dass irgendwo etwas schief läuft. Unsere Compliance-Regeln sind längst schärfer geworden.

          Von welchen Kundenreaktionen berichten Ihre Vertriebe?

          Es kommt vereinzelt zu Nachfragen. Aber nicht alle Kunden verfolgen die Enthüllungen über die Ergo in den überregionalen Medien so detailliert. Irgendwann über die Zeit aber kratzt das am Image. Der Versicherungsvermittler zählt schon jetzt zu den unbeliebtesten Berufen. Dabei sind die meisten Kunden mit ihrem Vertreter zufrieden. Die Branche insgesamt aber wird kritisch gesehen.

          Werden im Vertrieb systematisch falsche Anreize gesetzt, wenn Neuabschlüsse mit Provisionen belohnt werden?

          Dass man denjenigen, der mehr Umsatz bringt, auch besser belohnt, halte ich für normal...

          ... aber häufig werden Kunden überredet, Verträge zu kündigen und neue abzuschließen. Vertreter kassieren eine Provision, der Kunde hat oft das Nachsehen.

          Es gibt häufig Gründe für Vertragsänderungen: Jemand hat geheiratet oder sich scheiden lassen. Das kann man nicht immer im Vorfeld vorausahnen. Ich wehre mich dagegen, dass die umsatzstarken Vermittler die Bösen sind. Zunächst einmal sind sie die Fleißigen. Einige haben die gesamte Palette an Policen besser drauf als andere. Vor guten Vermittlern habe ich den höchsten Respekt. Ihre Leistung wird nicht ausreichend anerkannt.

          Reicht der Vertriebskodex aus?

          Bei uns sind mir keine Auswüchse im Vertrieb bekannt. Wir müssen trotzdem selbstkritisch diskutieren, ob der Kodex erweitert werden muss.

          Hat in dem schwierigen Umfeld - auch makroökonomisch - die Lebensversicherung noch eine Zukunft?

          Es gibt noch immer eine große Verunsicherung, die durch die Finanzkrise und die Euro-Schuldenkrise ausgelöst wurde. Die Generali Deutschland hat aber im Geschäft gegen laufende Beiträge keine Rückgänge und erreicht im Einmalbeitragsgeschäft noch immer das Niveau des Vorjahres.

          Sind Einmalbeiträge, die eher einem Bankkonto als einer Police gleichen, gefährlich?

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