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General Motors : Opel-Arbeiter erhalten Kündigungsschutz bis 2018

  • Aktualisiert am

Beruhigende Aussichten für die Arbeitnehmer im Opel-Werk Rüsselsheim Bild: Eilmes, Wolfgang

Nach harten Verhandlungen mit der IG Metall hat der amerikanische Autokonzern General Motors präzise Investitionszusagen für die drei deutschen Standorte gemacht. In Rüsselsheim werden bald auch Autos der Marken Holden oder Buick gebaut.

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          Die Comeback-Geschichte von Opel bekommt kurz nach dem Besuch der neuen General-Motors-Chefin Mary Barra in Rüsselsheim ein neues Kapitel. Der amerikanische Autokonzern und Opel-Chef Karl-Thomas Neumann haben sich jetzt nach harten Verhandlungen mit den Gewerkschaftern der IG Metall auf präzise Investitionszusagen für die drei verbleibenden deutschen Standorte in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern geeinigt. Zu den Ergebnissen zählt der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für alle Beschäftigten für weitere zwei Jahre bis Ende 2018. Außerdem soll „eine weitere GM-Marke“ auf der Basis der Limousine Insignia in Rüsselsheim produziert werden, wie es in einem IG-Metall-Papier heißt, das dieser Zeitung vorliegt. Beides wurde auf einer Opel-Betriebsversammlung am Freitag bekanntgegeben.

          Wie darüber hinaus aus Gewerkschafterkreisen zu erfahren ist, sollen in Rüsselsheim Autos der GM-Marken Holden oder Buick mit Rechtslenker produziert werden - insbesondere für den Export nach Australien. Dabei könne es um „einige Zehntausend Stück“ gehen. Anders als andere GM-Fabriken müsste der Standort Rüsselsheim nicht eigens umgerüstet werden, um Autos für Länder mit Linksverkehr zu fertigen. Denn in Rüsselsheim laufen ohnehin schon die für den Markt in England bestimmten Insignia-Limousinen vom Band, die in England unter der Marke Vauxhall verkauft werden. In Australien will GM die Produktion der Marke Holden im Jahr 2017 aus Kostengründen einstellen. Endgültig entschieden wird über die Produktion der weiteren GM-Marke in Rüsselsheim im März 2014.

          Mindestbeschäftigungszahlen vereinbart

          Weiterer Bestandteil der Verhandlungsergebnisse ist die Weichenstellung für die Produktion eines zweiten Modells in Rüsselsheim. Wenn die Produktion des Astra, die nach England und Polen verlagert wird, im Stammwerk ausgelaufen ist, soll für Ersatz gesorgt werden. Im März 2014 werde der Aufsichtsrat verbindliche Investitionsentscheidungen für das zweite Modell neben dem Insignia treffen, hieß es auf der Betriebsversammlung. Aus Konzernkreisen verlautet über dieses Modell, es werde „SUV-artig“ sein, also einem Stadtgeländewagen ähneln, aber neue Elemente enthalten.

          Zusätzlich zu den Modellzusagen wurden für alle drei - nach der Schließung von Bochum - verbleibenden deutschen Opel-Standorte Mindestbeschäftigungszahlen für die Jahre bis 2020 vereinbart. In Eisenach werden auch weiterhin die beiden Modelle Corsa und Adam produziert, was die langfristige Auslastung des ansonsten ebenfalls von der Schließung bedrohten Werks sichert. In Kaiserslautern wird der aktuelle Personalbestand sogar bis Ende 2020 festgeschrieben. Der Standort soll nach den Konzernplänen ein Kompetenzzentrum für neuartige Verformungstechniken werden. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz begrüßte die Unterzeichnung der zweiten Stufe des Tarifvertrages. „Die Zusicherung von mindestens 1 800 Vollzeitstellen in Kaiserslautern bis Ende 2020, die beim Ausscheiden von Beschäftigten auch wiederbesetzt werden, ist ein weiteres wichtiges Signal für den Standort“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Entscheidung sei von großer Bedeutung für die in Rheinland-Pfalz starke Autozulieferindustrie.

          Mit den Zusagen des GM-Konzerns wurde der Tarifvertrag vom März 2013 präzisiert, der nun bis zum Jahr 2020 gelten soll. Insgesamt scheint die am Freitag verkündete Einigung auch eine schnelle Folge des Besuchs der neuen GM-Chefin Mary Barra am Montag dieser Woche zu sein. Barra hat ihre erste Auslandsreise als neue starke Frau bei GM ausgerechnet zum Sorgenkind Opel gemacht. Sie legte einen Treueschwur für die deutsche Tochtergesellschaft ab und gab das Versprechen, die seit rund einem Jahrzehnt Verlust machende Marke zu sanieren. „Für mich war es sehr wichtig, das Bekenntnis von GM zu Opel zu unterstreichen - ebenso wie den Stellenwert von Opel für den Gesamtkonzern“, sagte die erste Frau an der Spitze eines Autokonzerns. „Wir müssen unsere Fortschritte beschleunigen.“Spätestens 2016 soll Opel die Gewinnschwelle erreichen.

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