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Übernahme steht : GM erhält 2,2 Milliarden Euro für Opel

Der Löwe bekommt den Blitz. Bild: AFP

Der Autohersteller PSA hat nun offiziell verkündet, dass er Opel übernimmt. Die F.A.Z. hat erfahren, was die Franzosen für den Kaufpreis erhalten. Und um welches wichtige Thema sich General Motors kümmern wird.

          Seit fast 90 Jahren gehört der deutsche Autohersteller Opel zum amerikanischen Konzern General Motors – nun ist das Ende dieser Symbiose besiegelt. Der französische Autokonstrukteur PSA Peugeot Citroën hat den Kauf der GM-Tochtergesellschaft Opel verkündet. PSA-Chef Carlos Tavares und die GM-Vorstandsvorsitzende Mary Barra werden in wenigen Stunden während einer Pressekonferenz in Paris die Übernahme erläutern, bei der auch der Opel-Chef Karl-Thomas Neumann anwesend sein soll.

          Martin Gropp
          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Transaktion einschließlich der Opel-Bank umfasst insgesamt 2,2 Milliarden Euro. Davon entfallen 1,3 Milliarden Euro auf das Opel-Autogeschäft und 900 Millionen Euro auf den Finanzteil. Damit bestätigen sich Informationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Unternehmenskreisen. Diese Summe besteht neben Barmitteln unter anderem auch aus Wertpapieren wie Optionsscheinen, die es GM ermöglichen, einen kleineren Teil am PSA-Kapital zu erwerben. Die Synergieeffekte sollen 1,7 Milliarden Euro im Jahr erreichen, wenn die Unternehmen zusammengewachsen sind, heißt es. Für den Betrieb der Opel-Bank hat Peugeot wiederum auch die französische Großbank BNP Paribas mit ins Boot geholt, die ihrerseits die Hälfte des Kaufpreises übernehmen wird, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens (hier, auf Englisch).

          Das heikle Thema der Pensionsverpflichtungen für die Opel-Mitarbeiter soll ebenfalls geregelt worden sein, weil GM sich zur Übernahme eines erheblichen Lastenanteils verpflichtet habe. PSA werde zudem erlaubt, das Opel-Elektroauto Ampera-e weiter zu bauen und muss dafür Lizenzgebühren an General Motors überweisen. Der Ampera-e soll im Sommer auf den Markt kommen und beruht auf dem Chevrolet Bolt, einem Modell aus der General-Motors-Produktpalette. In geographischer Hinsicht könnten PSA und Opel aber einigen Einschränkungen unterliegen, weil GM scharfe Konkurrenz durch ehemalige Autos aus dem eigenen Haus vermeiden will.

          PSA will gültige Tarifverträge achten

          Weniger als drei Wochen nach dem ersten Bekanntwerden der Verkaufsgespräche dürfte somit mehr Klarheit für Zehntausende Opel-Mitarbeiter einziehen. Der Konzern beschäftigt in Europa gut 38.000 Mitarbeiter, davon die Hälfte in Deutschland. Am Stammsitz in Rüsselsheim arbeiten etwa 15.000 Menschen. Weitere Standorte gibt es im thüringischen Eisenach und in Kaiserslautern.

          Mitte Februar war bekannt geworden, dass General Motors und PSA Peugeot Citroën über Opel verhandeln. In der vergangenen Woche berichtete diese Zeitung, dass die Verhandlungen in der ersten Märzwoche abgeschlossen werden könnten, also noch vor dem Genfer Autosalon. Die Automesse beginnt für Pressevertreter mit ersten Terminen schon an diesem Montag, für Besucher am Donnerstag.

          Die Verhandlungen verunsicherten die Mitarbeiter des traditionsreichen deutschen Herstellers. Allerdings gab der PSA-Chef Tavares im Verlauf der Gespräche und nach einem Austausch mit der deutschen Bundesregierung bekannt, dass PSA bei einem Kauf die gültigen Tarifverträge der deutschen Mitarbeiter achten werde. Diese Verträge laufen bis ins Jahr 2020 und schließen betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember nächsten Jahres aus. Für Standorte in anderen europäischen Ländern gibt es ebenfalls konkrete Zusagen, teilweise auf Ebene einzelner Produkte, weitere Details nennt Opel dazu aber nicht. Außer in Deutschland unterhält das Unternehmen Fahrzeugwerke in Großbritannien, wo es seine Autos unter der Marke Vauxhall verkauft, in Spanien oder in Ungarn.

          Opel ist seit dem Jahr 1929 Teil des General-Motors-Konzerns, hat seiner amerikanischen Muttergesellschaft aber in den vergangenen Jahren nur noch Verluste beschert. Der letzte Jahresgewinn liegt nun schon mehr als 17 Jahre zurück. Unter der Führung des vor rund vier Jahren angetretenen Chefs Karl-Thomas Neumann verbesserte sich die Lage. Doch vor allem durch den Austritt Großbritanniens aus der EU verschlechterten sich die Aussichten wieder.Der PSA-Aufsichtsrat hat dem Kauf am vergangenen Freitag zugestimmt. Seit Bekanntwerden der Gespräche gewannen die PSA-Aktie an der Börse um gut 6 Prozent und der GM-Titel knapp 8 Prozent.

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