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Gemeinschaftsunternehmen : Leidvolle Liaisons

Deutsch-finnisches Debakel Bild: dpa

Gemeinschaftsunternehmen sind nicht selten zum Scheitern verurteilt. Das zeigt nicht zuletzt der Kahlschlag bei Nokia Siemens Networks. Doch es gibt auch positive Beispiele.

          Partnerschaften funktionieren, wenn sich die Partner verstehen. Probleme treten auf, wenn ganz unterschiedliche Beweggründe zur Partnerschaft führen. Beispiel Nokia Siemens Network (NSN): Deutsche und Finnen verfolgten andere Ziele, als sie 2007 ihre Netzwerksparten zusammenlegten. Siemens wollte aus dem Geschäft aussteigen, Nokia wollte es stärken. Das Resultat ist nun ein Stellenabbau von mehr als 2900 Arbeitsplätzen in Deutschland.

          Lange Fehlerliste

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Nicht selten scheitern Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures). Die Fehlerliste ist lang: ein fehlbesetztes und nach Proporz aufgestelltes Management; Verteidigen von Positionen der Partner; zögerliches Handeln; mangelnde Durchschlagskraft; mit verdeckten Karten spielen; unterschiedliche Unternehmenskulturen, die Argwohn schüren.

          NSN ist seit Gründung nie profitabel gewesen; ein Déjà-vu für Siemens. Das Joint-Venture Fujitsu Siemens Computer (FSC) ist ebenso fehlgeschlagen. Die 1999 gegründete Kooperation hat partout nicht klappen wollen. Fast systematisch mutete der jahrelange Ruin einer einstigen europäischen Marktführerschaft im Computergeschäft an. Die Trennung im April 2009 und die Komplettübernahme durch die Japaner war ein Heil für das Geschäft, dass sich seitdem sichtlich erholt; eine Option, die sich angesichts der schweren Krise für die Partner von NSN zunehmend ausschließt - wie ein Verkauf oder ein Börsengang. Es gibt nicht wenige Beobachter, die von einem Überlebenskampf sprechen.

          Investitionen und Risiken teilen

          Siemens mag ein markantes Beispiel sein. Fehlschläge haben auch andere erlitten. Die im Jahr 2001 von Sony und Ericsson gegründete Kooperation in der Handy-Produktion fand im Herbst vergangenen Jahres ein Ende. Die Japaner haben den Anteil der Schweden gekauft. Nach langer Zeit reifte schließlich die Erkenntnis, dass es so mit Sony Ericsson nicht weitergehen konnte. Von Apple und Samsung in die Zange genommen, schrumpfte der Weltmarktanteil von 9 Prozent (2007) auf zuletzt 1,7 Prozent zur irrelevanten Größe. Beherzt hat Sony auch mit Milliardenbeträgen den Medienkonzern Bertelsmann aus dem Musik-Joint-Venture Sony BMG im Herbst 2008 herausgekauft, um den Bedeutungsverlust in einem hartumkämpften Markt zu stoppen. Es scheint kein Zufall, dass alle Beispiele paritätische Kooperationen mit je 50 Prozent Anteil sind oder waren.

          Japanisch-deutsches Abenteuer

          Die Motivationen für strategische Allianzen sind zahlreich. Für Siemens ist es nicht selten die Absicht gewesen, den Einstieg in den Ausstieg vorzubereiten, was bei FSC länger als erwartet dauerte und bei NSN nicht klappen will. Die Bündelung von Aktivitäten kann angesichts erzielter Mengeneffekte die Kosten- und somit auch die Wettbewerbsposition verbessern. Richtig positioniert, erhöht sich die Schlagkraft gegenüber der Konkurrenz. Neben sich ergänzenden Expertisen, technischem Wissen und Patenten ist ein Gemeinschaftsunternehmen auch ein probates Mittel, um hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Sachanlagen zu teilen, damit die Risiken für den Einzelnen schrumpfen.

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