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Frankfurt : Geldwäsche-Razzia in der Deutschen Bank dauert an

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Öfter mal zu Gast: Fahrzeuge der Bundespolizei stehen an der Zentrale der Deutschen Bank. Bild: Frank Röth

Wenn’s mal wieder länger dauert: Am Donnerstag um kurz nach 10 Uhr begannen Polizisten, die Deutsche Bank in Frankfurt zu durchsuchen. Am Freitagmorgen nun heißt es: Die Beamten machen unverdrossen weiter.

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          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt setzt ihre Razzia bei der Deutschen Bank auch an diesem am Freitag noch fort. Wegen des Umfangs des Materials konnten die Durchsuchungen wegen des Verdachts der Geldwäsche am Donnerstag nicht abgeschlossen werden, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Dass eine Razzia so lange dauere sei „bei Objekten dieser Größe gar nicht so ungewöhnlich“, sagte sie FAZ.NET. Die Beamten durchsuchten schließlich mehrere Gebäude gleichzeitig, und außerdem seien die Doppeltürme der Deutschen Bank sehr hoch und beinhalteten damit viel Fläche. Darüber hinaus würden viele Computer und Aktenordner vor Ort gesichtet um nicht alles in Kartons verpacken und mitnehmen zu müssen, sondern nur das, was notwendig sei. Ob die Beamten die Bank in mehreren Dienst-Schichten durchsuchen und die Razzia somit auch über Nacht weiterlief, konnte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Sie erwarte allerdings, dass die Durchsuchung an diesem Freitag beendet werde.

          Bereits seit Donnerstagvormittag hatten etwa 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts, der Steuerfahndung und der Bundespolizei sechs Gebäude in Frankfurt und Umgebung durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ und beziehen sich auf Vorfälle zwischen 2013 und 2018.

          Die Ermittlungen richten sich gegen zwei Mitarbeiter im Alter von 46 und 50 Jahren sowie andere Verantwortliche des Unternehmens. Mindestens einer davon soll in der Compliance-Abteilung arbeiten, die für den Kampf gegen unlautere Geschäfte wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zuständig ist.

          Auch die Vorstandsetage wird durchkämmt

          Die Durchsuchung erstreckt sich auch auf Vorstandsetagen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung exklusiv berichtet hatte und die Staatsanwaltschaft inzwischen bestätigt hat. Unter anderem sei das Büro von Regulierungs-Vorständin Sylvie Matherat durchsucht worden, sagte ein Eingeweihter. Matherat steht nicht erst seit diesem Fall in der Kritik.

          Nach einer Auswertung des beim Bundeskriminalamts vorliegenden Datenbestandes der sogenannten „Offshore-Leaks“ und „Panama Papers“ habe sich der Verdacht ergeben, dass die Deutsche Bank Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich war, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Dabei sei Geld aus Straftaten auf Konten der Deutsche Bank transferiert worden, ohne dass die Bank Geldwäscheverdachtsanzeigen erstattet hatte. Über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sollen allein im Jahr 2016 mehr als 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein.

          „Wir werden eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren“

          Die Razzia beschädigt das ohnehin schwer angeschlagene Image der Bank, die in den vergangenen Jahren wiederholt im Fokus der Ermittler stand. Ausgerechnet während der Durchsuchung am Donnerstag war der Vizechef der amerikanischen Notenbank Fed, Randal Quarles, zu Besuch bei Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

          Die Deutsche Bank wollte sich am Freitag nicht zu der andauernden Durchsuchung äußern. Am Donnerstag hatte ein Banksprecher gesagt, das Institut sei der Ansicht gewesen, dass den Behörden längst alle relevanten Informationen zu den „Panama Papers“ bereitgestellt worden seien. „Selbstverständlich werden wir eng mit der Staatsanwaltschaft in Frankfurt kooperieren, da auch uns daran gelegen ist, alle Verdachtsmomente aufzuklären.“

          Die Deutsche-Bank-Aktie setzte am Freitag ihre Talfahrt fort. Kurz nach Handelsstart notierte sie knapp 3 Prozent im Minus.

          DT. BANK

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