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Geldwäsche : Niederländische Banken büßen für sündige Kunden

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ABN Bild: dpa

Geldwäsche in den Niederlanden geht in die Milliarden. ING und ABN Amro kommt die Überwachung von Konten teuer zu stehen.

          3 Min.

          Fachleute für Regeltreue haben es gerade gut in den Niederlanden: Besser, weil edler klingend, nennen sie sich natürlich Compliance-Experten – und wer sich auf diesem Gebiet auskennt, stößt in den Geldhäusern in Amsterdam und anderswo reihenweise auf offene Stellen. KYC, CDD, AML: So heißen die Kürzel der Programme, in welchen die künftigen Finanzdetektive mitarbeiten können; die Stellenanzeigen sind voll davon.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Zentrum der Kürzellandschaft steht das Anti-Money-Laundering (Anti-Geldwäsche); dafür haben die Banken Einheiten wie Know Your Customer (Kenne deinen Kunden) und Customer Due Diligence (Kundenidentifizierung) eingerichtet. Denn die Behörden klopfen den Finanzhäusern gehörig auf die Finger, weil die nicht ausreichend das Treiben ihrer Kunden überwacht hätten. Die Banken müssen das nun schnell angehen – und das kostet, wie sich immer deutlicher herausstellt. Der Blick richtet sich vor allem auf den größten niederländischen Branchenvertreter ING und auf die Nummer drei, ABN Amro, welche diese Woche über wachsende Kosten für die Überwachung ihrer Kunden berichtete.

          Höchste Vergleichszahlung in Holland

          Am spektakulärsten trifft es bisher ING, die in Deutschland über ihre bis vor kurzem „Diba“ genannte Tochtergesellschaft bekannt ist. Die Staatsanwaltschaft machte geltend, Kunden hätten „nahezu ungestört“ jahrelang ihre Konten in den Niederlanden missbraucht und zwischen 2010 und 2016 Hunderte Millionen Euro gewaschen. Das Institut einigte sich im vergangenen Jahr mit der Justiz auf eine Vergleichszahlung von 775 Millionen Euro – sie gilt als die höchste, die ein niederländisches Unternehmen je geleistet hat. Das halbierte im betreffenden Quartal schlankweg den Nettogewinn – wobei manche das aus einer anderen Perspektive betrachteten: Die linksliberale Tageszeitung „de Volkskrant“ befand umgekehrt, die „Gewinnmaschine“ ING habe die Summe in ganzen eineinhalb Monaten wettgemacht.

          ING räumte ernsthafte Versäumnisse ein, Vorstandsvorsitzender Ralph Hamers gab sich reuig, Finanzvorstand Koos Timmermans trat zurück. Mit der Einmalzahlung war es aber nicht getan. Die Bank zahlt auch ordentlich im laufenden Geschäft. Um ihre Kunden zu kontrollieren, hat sie ein KYC-Programm aufgelegt, und das umfasst inzwischen mehr als 3000 Vollzeitstellen.

          Vorschriften zu erfüllen kostet viel Geld

          Die behördlichen Vorgaben zu erfüllen kostet generell immer mehr, das ist aus einer frischen Präsentation für Analysten zu erkennen: Demnach gab ING für regulatorische Aufgaben insgesamt in jedem der drei Quartale dieses Jahres mehr aus als in der jeweiligen Vergleichsperiode des Vorjahres. In der jüngsten Dreimonatsperiode Juli bis September zum Beispiel stiegen auf 106 Millionen Euro, von 91 Millionen Euro im Vorjahr.

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