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Geldrangliste des Fußballs : Die Wachstumsformel der Superklubs

Fast jeder Schuss ein Treffer: Real Madrids Cristiano Ronaldo feiert ein Tor. Bild: firo Sportphoto

Neue Zahlen zeigen, mit welcher Dynamik die Branchenführer im Fußball sich zu globalen Marken entwickeln. Der Machtkampf mit Verbänden wie der Fifa wird sich zuspitzen.

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          Die wirtschaftlich erfolgreichsten und beliebtesten Fußballklubs aus Europa entwickeln sich unaufhaltsam zu Marken einer weltumspannenden Unterhaltungsindustrie. Starspieler, Auftritte rund um den Erdball und globale Marketingstrategien sorgen für eine einzigartige Dynamik. Die steigende ökonomische Macht bringt auf der anderen Seite die durch Korruptionsskandale, Missmanagement und amateurhafte Führungen belasteten Großverbände wie die Weltorganisation Fifa oder deren europäisches Pendant Uefa weiter unter Druck.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem aktuellen Report der Beratungsgesellschaft KPMG zu den aktuellen Champions in den wichtigsten europäischen Ligen wird zugleich die hohe Professionalisierung der inzwischen konzernartig aufgebauten Fußballunternehmen als wichtiges Kriterium für die stete Expansion hervorgehoben. Die Topvereine, zu denen der FC Bayern gehört, wachsen im zweistelligen Prozentbereich und sind profitabel. Die Münchner machten in der vergangenen Saison bei einem Umsatz von 592 Euro (627 Millionen mit Transfererlösen) 33 Millionen Gewinn nach Steuern. In der Relation des Personalaufwands zum Umsatz liegen die Bayern mit 44 Prozent unter den Topklubs ebenso vorne.

          Aber nicht nur in München gibt es effektiv arbeitendes Management: Ein Branchenschwergewicht wie der FC Barcelona konnte trotz des exquisiten Mannschaftskaders mit einem jährlichen Gehaltsaufwand von 372 Millionen Euro die Personalkostenquote auf 60 Prozent herunterbringen. Der FC Bayern gibt hier mehr als 110 Millionen Euro weniger aus. Laut KPMG lagen bei den Münchnern so die Personalkosten je gewonnenem Punkt in der abgelaufenen Saison bei 3,1 Millionen Euro, der spanische Meister Barcelona kam auf 4,1 Millionen und Italiens Fußball-Champion Juventus Turin auf 2,4 Millionen.

          Wechsel an der Spitze

          Der neueste Bericht der Wirtschaftsberatung Deloitte zu den europäischen Topklubs bestätigt den anhaltenden Wachstumstrend – und den Kampf an der Spitze um Marktanteile. Danach führt erstmals nach elf Jahren Real Madrid nicht mehr die Rangliste der einnahmestärksten und reichsten Fußballklubs an. Vorne steht jetzt Manchester United mit einem Jahresumsatz von 689 Millionen Euro (ohne Transfererlöse). Dahinter folgen der FC Barcelona und Real Madrid mit je 620 Millionen. Der FC Bayern München liegt mit 592 Millionen auf Platz vier vor Manchester City (525 Millionen), Paris Saint-Germain (481 Millionen) und Arsenal London (436 Millionen). Aus deutscher Sicht liegen Borussia Dortmund (284 Millionen) und Schalke 04 (220 Millionen) noch auf den Plätzen elf und 14.

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          Die Vermarktungsmaschine läuft auf vollen Touren. Die umsatzstärksten 20 Klubs in Europa sind laut Deloitte um 12 Prozent gewachsen. Dies liegt nicht nur an höheren Fernseheinnahmen wie auf dem englischen Markt. Fast die Hälfte der Mehreinnahmen resultieren aus höheren Werbe- und Fanartikeleinnahmen. Umsatztreiber beim FC Bayern waren zuletzt vor allem die Einkünfte durch die Sponsoren, die um 49 Prozent gesteigert werden konnten. Die ambitioniertesten Vereine verfolgen längst internationale Strategien auf Auslandsmärkten und verfügen über wachsende Anhängerschaften in China, Indien, Südostasien oder den Vereinigten Staaten.

          Es ist ein lukratives Geschäft vor allem der Branchenführer: Nach einem aktuellen Report des europäischen Fußballverbandes Uefa haben die 15 wirtschaftsstärksten Klubs seit 2009 ein Plus von anderthalb Milliarden Euro aus ihrer Vermarktung mit Sponsoren und im Merchandising generiert – der Rest der 700 anderen professionellen Vereine in Europa erreichte im Vergleich dazu innerhalb von fünf Jahren Mehreinnahmen von nur 500 Millionen Euro.

          Immer mehr Investoren im europäischen Fußball

          Investoren befeuern zudem den Klubfußball. 44 Vereine in den fünf stärksten Ligen Europas sind laut Uefa-Studie in ausländischer Hand. 39 Prozent der Besitzer kommen aus Asien, vornehmlich China. In England gehört die Hälfte aller Vereine in der ersten und zweiten Liga einem Eigner, der nicht von der Insel kommt. Aufgrund des Wachstumsdrucks ist es deshalb nur noch eine Frage der Zeit, wann in Deutschland die Regel fällt, dass Investoren nur eine Minderheitsbeteiligung an Fußball-Kapitalgesellschaften halten dürfen und die jeweiligen Mitgliedervereine (e.V.) die Mehrheit beherrschen müssen.

          Die finanzielle Potenz der Großklubs bringt die Verbände in die Defensive. Die fünf erfolgreichsten Vereine aus der Deloitte-Rangliste übertreffen allein den gesamten Jahresumsatz von Fifa und Uefa. Es wäre ein Leichtes für die Klubs und Ligen, ihren Einfluss gegenüber amateurhaften Fußballfunktionären noch stärker zur Geltung zu bringen. Bei der Reform der Champions League, die von 2018 gilt, ist dies schon passiert. Hier hat die Uefa keine Hoheit mehr über strategische Entscheidungen. Die Klubs, welche die Stars bezahlen, könnten theoretisch keine Spieler mehr zu WM- oder EM-Turnieren abstellen und eigene Wettbewerbe kreieren. Es gibt immer wieder Spekulationen, dass Investoren aus China und den Vereinigten Staaten versuchen, neue Geschäftsmodelle zusammen mit Großklubs zu entwickeln. Die Verbände antworten mit einer fragwürdigen Erweiterung ihrer Turniere. Der Machtkampf ist entbrannt.

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