https://www.faz.net/-gqe-6ziok

Gehaltsdebatte : Bittere Lektion für das Barclays-Management

  • -Aktualisiert am

Geld, Geld, Geld: Proteste gegen Barclays in London Bild: AFP

Nur knapp und nicht ohne Gegenleistung haben die Aktionäre der britischen Bank Barclays die Vergütungen der Mitarbeiter abgesegnet. Sie kritisieren mehr als bloß die Bonus-Kultur.

          Wäre es nach künftigen Vorschlägen der britischen Regierung gegangen, wäre die Hauptversammlung von Barclays ein Desaster gewesen. Am Freitag stimmten 26,9 Prozent der Aktionäre gegen die für das Jahr 2011 von der Bank vorgesehene Vergütung ihrer Mitarbeiter, 4,6 Prozent enthielten sich der Stimme - auch das ein Zeichen des Protestes. Damit hätte die Bank die qualifizierte Mehrheit der Aktionäre von 75 Prozent nicht erreicht, die Vorschläge über künftiges Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen enthalten, über welche die Regierung befinden soll.

          So aber wurde der Vergütungsplan abgesegnet, der zahlreichen Mitarbeitern deftige Bonuszahlungen beschert und dem Vorstandsvorsitzenden Bob Diamond und dem Finanzvorstand Chris Lucas jeweils ein Vergütungspaket zusichert, das knapp an dem Spitzenverdienst liegt, das die Regeln der Bank zulassen. George Dallas, kritischer Großaktionär und Chef für Corporate Governance des Vermögensverwalters Foreign & Colonial (F&C) Investments, ist wenig begeistert: „Und dies bei einem sinkenden Aktienkurs, einer schwachen Dividende und einem ökonomischen Verlust der Bank. Schließlich liegen die Eigenkapitalkosten über der Eigenkapitalrendite.“ Der Fondsmanager verwaltet mehr als 100 Milliarden Pfund für mehr als 3 Millionen Kunden und nimmt seine Aufgabe der Stimmabgabe auf Hauptversammlungen sehr ernst.

          Deutsche Unternehmen und Banken mit Fortschritten

          F&C stimmte schon im vergangenen Jahr in 20 Prozent der Hauptversammlungsanträge zu Vergütungsmodellen gegen das Management - der Fondsmanager hat insgesamt in mehr als 5000 Unternehmen investiert. So hat F&C auch gegen die Vergütungspläne der Banken HSBC, der Citigroup, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley und der US Bancorp gestimmt und auch gegen die Entlastung des Aufsichtsrates der Deutschen Bank, weil die Deutsche Bank ihren Vergütungsplan nicht einmal zur Abstimmung vorlegte.

          Ansonsten machen gerade deutsche Unternehmen und Banken Fortschritte, zeigen im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eine größere Transparenz ihrer Vergütungsmodelle, so dass der Zuspruch von F&C bei den Deutschen innerhalb eines Jahres von 53 auf 85 Prozent stieg.

          Aber Dallas warnt die Bankenbranche: „Der Proporz stimmt nicht mehr, die Aufteilung des Gewinns zwischen Aktionären, Mitarbeitern und der Bank in Form von einbehaltenen Gewinnen muss sich ändern. Im Jahr 2001 zahlte Barclays zum Beispiel an seine Mitarbeiter eine Gesamtvergütung von 3,7 Milliarden Pfund und eine Dividende von 1,1 Milliarden Pfund. Für das vergangenen Jahr aber wird nur eine Dividende von 708 Millionen Pfund ausgeschüttet, an die Mitarbeiter fließen aber 11,4 Milliarden Pfund.“ Die Banken müssten ihre Vergütung nach der Finanzkrise an die jetzt neuen Verhältnisse anpassen, nämlich an Geschäftsmodelle, die mit weniger Risiken arbeiten müssen, daher aber auch geringere Renditen abwerfen würden.

          Dallas selbst war auf der Hauptversammlung von Barclays in London, auf der fast 1000 Kleinaktionäre ihrem Ärger Luft machten, nicht anwesend. Institutionelle Investoren wie er klären ihre Vorbehalte vorher mit dem Management auf höchster Ebene ab. Deshalb würde sich Dallas auch eine bessere Kommunikation mit deutschen Aufsichtsratsmitgliedern wünschen.

          Weitere Themen

          Auch nach dem Abstieg ein Kellerkind

          Commerzbank : Auch nach dem Abstieg ein Kellerkind

          Die Aktie der Commerzbank befindet sich auch nach dem Abstieg in den M-Dax im freien Fall: Die 2016 ausgegebenen Ziele für das Jahr 2020 wackeln bereits. Mitarbeiter treibt zudem die Angst vor ausufernden IT-Kosten um.

          Stillstand beim BVG Video-Seite öffnen

          Warnstreiks im Berufsverkehr : Stillstand beim BVG

          Wegen der laufenden Tarifverhandlungen kommt es zu Warnstreiks der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Menschen in der Hauptstadt mussten deswegen im morgendlichen Berufsverkehr auf U-Bahn, Straßenbahn und die meisten Busse verzichten.

          Topmeldungen

          Juan Guaidó im Interview : Keiner wird sich für Maduro opfern

          Venezuelas selbsternannter Interimspräsident ist zuversichtlich, dass er sich im Konflikt mit Präsident Maduro durchsetzen wird. „Er hat keinen Führungsanspruch, das Volk folgt ihm nicht mehr“, sagt Juan Guaidó im F.A.Z.-Interview.

          AfD-Chef : Gauland will den Verfassungsschutz abschaffen

          Die AfD-Parteijugend zieht Konsequenzen aus der Einstufung als „Verdachtsfall“ durch den Verfassungsschutz und ändert ihre Satzung. Und AfD-Chef Gauland spricht sich für die Abschaffung der Behörde aus – wegen ihres Gutachtens über seine Partei.
          Alain Finkielkraut, der französische Philosoph, wird in Paris von den „Gelbwesten“ rassistisch beschimpft

          Antisemitismus bei „Gelbwesten“ : „Ich habe einen absoluten Hass gespürt“

          Demonstranten der „Gelbwesten“-Bewegung beschimpften in Paris den Philosophen Alain Finkielkraut unter anderem als „Drecksjuden“. Bei der Gruppe sei Antisemitismus sehr verbreitet, sagte der Intellektuelle im Nachhinein. Nicht alle verurteilten die Übergriffe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.