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Gehälter : Commerzbank führt neues Bonus-System ein

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Sein Einkommen ist schon begrenzt: Vorstandschef Martin Blessing Bild: dpa

Topmanager und Investmentbanker der Commerzbank sollen künftig Fehler mit empfindlichen Einkommensverlusten büßen. Die Bank will mit einem neuen Vergütungssystem Anreize setzen, für den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu arbeiten.

          Ein Jahr nach dem Einstieg des Staates schiebt die Commerzbank der Jagd von Topmanagern nach kurzfristigen Erfolgen und Bonus-Zahlungen einen Riegel vor. Ab Januar 2010 sollen führende Banker nur noch eine Prämie bekommen, wenn sich ihre Geschäfte mittelfristig auszahlen. Zudem gehen Bonus-Ansprüche verloren, wenn Ziele nicht erreicht werden, wie die Commerzbank am Dienstag mitteilte.

          Vor allem im Investmentbanking, in dem in den vergangenen Jahren nach Ansicht von Kritikern teils überzogene Boni gezahlt wurden, soll sich das Gehalt künftig stärker an langfristig erzielten Ergebnissen ausrichten. Zudem werden die Boni zum Teil zeitlich verzögert ausgezahlt.

          Die neue Regelung betrifft rund 2000 Investmentbanker sowie 500 Manager. Für den Vorstand unter Martin Blessing gilt sie nicht: Die Gehälter der Vorstände waren bereits beim Einstieg des Staates auf 500.000 Euro begrenzt und Bonuszahlungen gestrichen worden.

          Das Festgehalt wird laut Mitteilung in zwölf monatlichen Beträgen gezahlt. Bisher als Sonderzahlung geleistete feste Bestandteile würden dabei verrechnet. Mit diesem Schritt werde die unterschiedliche Zahlungsweise des Festgehalts bei Commerzbank und Dresdner Bank harmonisiert. Insgesamt ändere sich die Höhe des Festgehalts nicht.

          Ansprüche können auch verfallen

          Einen Teil ihrer variablen Bezüge sollen insbesondere Mitarbeiter der ersten und zweiten Führungsebene in Form von sogenannten Share Awards erhalten, die erst nach drei Jahren zur Auszahlung kommen. Bei Share-Awards handelt es sich nicht um Aktien oder Optionsscheine, wie ein Sprecherin der Commerzbank auf Nachfrage erklärte. Vielmehr handele es sich dabei um ein Konstrukt, das den Kursverlauf der Aktie nachempfindet. Die Höhe der Zahlung hänge schließlich von der mittelfristigen Entwicklung des Aktienkurses ab. Die Vergütung unterliege damit einem Bonus-Malus-System.

          Mit der Vorstellung des neuen Systems kommt die Bank mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) getroffenen Vereinbarungen nach. Die Einführung hatte Blessing erstmals auf einer Konferenz Mitte September angekündigt.

          Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte ebenfalls ein Bonus-Malus-System für Mitarbeiter angekündigt. Die zum italienischen Finanzriesen Unicredit gehörende HypoVereinsbank hat ein Vergütungssystem eingeführt, bei dem Boni nur noch gezahlt werden, wenn sich die jeweiligen Geschäftsbereiche positiv entwickeln.

          Streit über Boni vor Gericht

          Die Commerzbank streitet sich derzeit mit zahlreichen Investmentbankern vor Gericht um nicht gezahlte Boni (Dresdner-Investmentbanker scheitern mit Bonus-Klage). Darunter ist auch der Ex-Kapitalmarktchef der von der Commerzbank übernommenen Dresdner Bank, Jens-Peter Neumann, dem kürzlich vom Arbeitsgericht Frankfurt 4,5 Millionen Euro zugesprochen wurden (Der 4,5-Millionen-Euro-Banker). Die Vorstände der Dresdner Bank und ihrer früheren Mutter Allianz hatten einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro bereitgestellt, damit die Bank nicht schon vor dem Verkauf an die Commerzbank absprangen. Commerzbank-Chef Blessing hatte diese Zusage nach einem Verlust von über sechs Milliarden Euro im vergangenen Jahr jedoch nachträglich platzen lassen.

          Eine Debatte um zu hohe Boni für Banker ist seit Monaten in vielen Ländern im Gang. Exzesse bei deren Bezahlung gelten als eine Ursache der Krise.

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