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Biotechgesellschaft Curevac : Gates steigt in deutsche Arzneiforschung ein

Der Arzneimittelforscher Curevac aus Tübingen. Bild: dpa

Noch kein Produkt am Markt, aber mit gut einer Milliarde Euro bewertet: die Tübinger Biotechgesellschaft Curevac. Jetzt steigt Bill Gates über seine Stiftung dort ein.

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          Die künftig von Bill Gates unterstützte deutsche Biotechgesellschaft Curevac rechnet damit, ein erstes Produkt Anfang des kommenden Jahrzehnts zur Zulassung zu bringen. „Wir erwarten, dass es Anfang der 20er Jahre soweit sein wird“, sagte Vorstandsvorsitzender Ingmar Hoerr im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Tübinger Gesellschaft ist auf die Entwicklung von Krebstherapien und Impfstoffen unter anderem gegen Grippe und Tollwut spezialisiert. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt – eine Therapie gegen Prostatakrebs – durchläuft gerade die zweite von drei Testphasen an Menschen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Curevac erlangt Aufmerksamkeit durch das Engagement zweier Stars der IT-Branche. SAP-Gründer Dietmar Hopp ist seit längerem über seine Dievini Hopp BioTech in dem Unternehmen investiert. Nun steigt auch die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates dort ein. Die Bill & Melinda Gates Stiftung beteiligt sich mit 52 Millionen Dollar (46 Millionen Euro) an Curevac. Im Zuge einer Kapitalerhöhung erhält sie damit einen Anteil von vier Prozent. Daraus errechnet sich eine Unternehmensbewertung von gut einer Milliarde Euro. Darüber hinaus stellt die Stiftung Mittel zu Verfügung, um eine industrielle Produktionsanlage mit zu finanzieren.

          Die Dievini Hopp BioTech beteiligt sich mit 21 Millionen Euro an dieser Kapitalerhöhung. Hopp ist der bekannteste private Förderer der deutschen Biotechnologie neben den Gebrüdern Thomas und Andreas Strüngmann, die einst den Arzneimittelhersteller Hexal gründeten. Hopp habe in mehreren Tranchen bereits 145 Millionen Euro an Eigenkapital zur Verfügung gestellt, sagte Hoerr.

          Der Körper soll seine eigene Medizin herstellen

          Mit der neuen Tranche ergeben sich 166 Millionen Euro, entsprechend einem Paket von mehr als einem Sechstel. Die restlichen Anteile liegen bei fünf Unternehmensgründern einschließlich Hoerr. Einen späteren Börsengang schloss er nicht aus. Erst einmal müsse Curevac jetzt aber seine medizinischen Ziele erreichen. „Danach ist alles offen“, sagte Hoerr. Als Beispiel nannte er eine private Plazierung von Anteilen. „Oder einen Börsengang, vielleicht in den Vereinigten Staaten, vielleicht auch hier“.

          Die 2000 gegründete Curevac befasst sich mit medizinisch angewandter Boten-RNA (Messenger-RNA, mRNA). Das Unternehmen verwendet diese natürlichen Moleküle in chemisch unveränderter Form als Informationsträger, die den Bau von Proteinen anleiten. Die Hoffnung ist, dass der Körper damit in der Lage ist, seine eigene maßgeschneiderte Medizin gegen unterschiedliche Krankheiten herzustellen. Wichtig dabei: Medikamente auf Basis von mRNA sollen schnell und kostengünstig produziert werden. Das ist der Aspekt, der Gates vor allem interessiert, wie Hoerr sagte.

          Denn weil die resultierenden Impfstoffe, so die Erwartung, bezahlbar sind und beim Transport nicht gekühlt werden müssen, sollen sie sich gerade für den Einsatz in Entwicklungsländern eignen. Seit 2006 betreibt Curevac eine Anlage zur Herstellung von mRNA für Forschungszwecke. Sie soll in großem Stil ausgebaut werden, damit die Arzneien rechtzeitig zum erhofften Marktstart lieferbar sind. „Die Produktionseinheit soll 2018/2019 stehen“, sagte Hoerr.

          Die öffentlich wenig bekannte Curavec ist auch Partner von Pharmagroßkonzernen: In der Krebsmittelentwicklung kooperiert sie mit dem zweitgrößten deutschen Arzneiunternehmen Boehringer Ingelheim und dem französischen Marktführer Sanofi, bei einem Grippeimpfstoff arbeitet sie mit Johnson&Johnson aus Amerika.

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