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Gaspromneft : Der Turmbau zu Petersburg

  • -Aktualisiert am

Die Spitze des Anstoßes: Das geplante Hauptquartier von Gaspromneft Bild: Gasprom

Gasprom will in Sankt Petersburg einen 400 Meter hohen Turm bauen. Der Widerstand der Bürger war heftig. Nun bröckelt er dank professioneller Öffentlichkeitsarbeit.

          Gasprom versteckt sich. Kein Blick dringt hinter die Kulissen an der 4 Hektar großen Baustelle in Sankt Petersburg, wo das neue Hauptquartier der Tochtergesellschaft Gaspromneft entstehen soll. Gut 20 Meter ragen die Wände aus Wellblech in die Höhe - kein kleines Loch in der Mauer, nirgends. Dabei hatte Tatjana Jurjewa, die freundliche Pressesprecherin des Konzerns, noch versichert, Gaspromneft habe seine Öffentlichkeitsarbeit verstärkt.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das war notwendig, denn der Plan des Unternehmens, am Rand des historischen Zentrums von Petersburg einen 396 Meter hohen Wolkenkratzer zu errichten, hatte heftigen Widerstand provoziert. Den Wettbewerb im Jahr 2006, an dem unter anderen so renommierte Architekten wie Herzog & de Meuron, Daniel Liebeskind, Jean Nouvel und Rem Koolhaas beteiligt waren, hatte das Büro RMJM aus London für sich entschieden. Sein Entwurf - ein in sich gedrehter, nach oben spitz zulaufender Bau aus Glas und Stahl - gefiel den Auftraggebern. Nicht aber den diversen Bürgerinitiativen, Künstlern und Architekten, die argwöhnten, ein so hoher Turm würde die Silhouette der historischen Altstadt Petersburgs zerstören.

          „Wenn Gasprom anfängt, werden andere nachziehen“

          Seit 1990 trägt Sankt Petersburg den Weltkulturerbe-Titel der Unesco. Die vielen barocken und klassizistischen Paläste sind meist einheitlich in einer Höhe gebaut und haben der Stadt den Beinamen "Venedig des Nordens" eingebracht. Aus ihnen ragen nur der vergoldete Turm der Peter-und-Paul-Festung, die Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Spitze der Admiralität heraus. Jedes Jahr strömen rund 4,5 Millionen Touristen in die Stadt, davon etwa 2,5 Millionen aus dem Ausland.

          Die Aktivisten der Bürgerinitiative "Schiwoj Gorod" (Lebendige Stadt) fürchten daher nicht nur, dass durch den Wolkenkratzer der Weltkulturerbe-Titel verlorengehen und der Besucherstrom verebben könnte. Sie glauben, der Turm könnte zu einem Präzedenzfall werden. "Wenn Gasprom anfängt, werden andere nachziehen", sagt der 33 Jahre alte Dmitrij Worobjew. Schon heute gebe es Pläne, ein weiteres Hochhaus in der Nähe der Altstadt zu errichten. "Noch vor zwei Jahren wäre das undenkbar gewesen", sagt er. Mit einigen Gleichgesinnten hat er Proteste organisiert: Mit Gasmasken vor dem Gesicht sind sie zur Baustelle von Gaspromneft gezogen, haben sich mit historischen Kostümen verkleidet und so an Katharina die Große erinnert. Sie hatte während ihrer Regierungszeit verfügt, kein Gebäude der Stadt dürfe höher sein als die Eremitage - also 48 Meter.

          Gesetz geändert

          Dieses Gesetz galt bis zum vergangenen Dezember. Damals hat es die Stadtverordnetenversammlung geändert und entschieden, dass für verschiedene Bezirke unterschiedliche Maximalhöhen gelten sollen. Rund 6 Kilometer vom Zentrum entfernt - dort, wo Gaspromneft bauen will - dürfen 48 Meter nun überschritten werden.

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