https://www.faz.net/-gqe-x0vy

Gasprom : Führende Stellung auf allen Kontinenten angestrebt

  • -Aktualisiert am

Alexei Miller kündigte ehrgeizige Expansionsziele an Bild: AP

Eine Billion Dollar soll das Unternehmen in zehn Jahren Wert sein. Der russische Erdgaskonzern Gasprom will bis dahin nicht nur in Russland führender Gasanbieter sein, sondern auch in Europa, Asien, Nordamerika und Afrika.

          5 Min.

          1.000.000.000.000 (eine Billion) Dollar: So viel soll der russische Erdgaskonzern Gasprom in sieben bis zehn Jahren wert sein, wenn es nach den Plänen des Managements geht. Zurzeit wird das staatlich kontrollierte Unternehmen an der Börse mit rund 340 Milliarden bewertet - also ziemlich genau einem Drittel des angestrebten Wertes.

          Damit zählt Gasprom, das zu gut 51 Prozent im Staatsbesitz ist, aber schon heute bereits zu den Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung auf der Welt. Und dennoch ist Alexei Miller, der Vorstandsvorsitzende von Gasprom, überzeugt, dass die Aktien des Erdgaskonzerns noch unterbewertet sind.

          16 Prozent der Weltreserven an Erdgas

          Mit dem quantitativen Anspruch kommt auch ein qualitativer Anspruch: Der zunehmende Wettbewerb um die Kontrolle von Rohstoffvorkommen würde zu einem bedeutenden Vorteil für staatliche Energiekonzerne bei der Erlangung einer dominanten Position an internationalen Märkten führen, sagte Miller auf der Hauptversammlung am vergangenen Freitag. Das Unternehmen, das wie kein anderes für die Verschränkung zwischen Politik und Wirtschaft in Russland steht, ist in diesem Spiel tatsächlich gut positioniert.

          Gasprom ist zu gut 51 Prozent im Staatsbesitz

          Gasprom hält gut 16 Prozent der Weltreserven an Erdgas, der Anteil an der weltweiten Erdgasproduktion im Jahr 2007 lag bei mehr als 17 Prozent. Die Unterstützung durch die Politik ist dem Konzern, der aus dem sowjetischen Ministerium für die Erdgaswirtschaft entstanden ist, gewiss. Von den Anteilseignern wurde am Freitag Wiktor Subkow, ein erster stellvertretender russischer Ministerpräsident, zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt, er ist der Nachfolger des jetzigen Präsidenten Dmitrij Medwedjew in dieser Position.

          Zugang von ausländischen Unternehmen beschränkt

          Die Hilfe der Politik ist sehr handfest: Vor kurzem hatte der Konzern ohne vorherige Ausschreibungen Lizenzen für die Ausbeutung großer Erdgasfelder erhalten.

          Die Entschädigungen dafür waren laut Analysten äußerst gering. Mit Hilfe des Staates drängte sich Gasprom in der vergangenen Zeit in Projekte in- und ausländischer Gesellschaften. Gesetze zu „strategisch“ wichtigen Rohstoffvorkommen beschränken den Zugang von ausländischen Unternehmen zum russischen Energiereichtum. Die westlichen Konzerne, die mit dem russischen Unternehmen eine Partnerschaft eingehen und so zu Reserven kommen wollen, stehen daher Schlange.

          Monopol über die Gasflüsse

          Der wichtigste Aktivposten für Gasprom ist aber das staatlich bewilligte Exportmonopol für Erdgas und die Kontrolle über die Pipelines im Inland. Die wahre Schönheit von Gasprom, so schwärmen Analysten der schweizerischen Bank UBS, liege nicht in den riesigen Erdgasreserven, sondern in der Infrastruktur und im Monopol über die Gasflüsse zwischen dem Pazifik und Westeuropa, zwischen Zentralasien und dem Nordpol.

          Gasprom konnte zudem auf einem weiteren Politikfeld punkten: Die bis ins Jahr 2011 angestrebte Liberalisierung des heimischen Erdgasmarktes für Großhandelspreise wird Gasprom vermehrte Einnahmen im Inland bringen. Die Preise sollen an ein „europäisches“ Niveau herangeführt werden. Zurzeit subventioniert Gasprom die russische Wirtschaft in erheblichem Maße. Mit der Preissteigerung wird der Heimatmarkt zum Konkurrenten für die Konsumenten in Europa.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am schnellsten wächst die Bevölkerung in Afrika: Straßenszene in Lagos, Nigeria

          Bevölkerungswachstum : „Ein politisch heikles Thema“

          Die Demographie-Forscherin Alisa Kaps über die Weltbevölkerungskonferenz, schwierige Gespräche mit afrikanischen Regierungschefs, Gegenwind von Abtreibungsgegnern und darüber, wie Rechtspopulisten das Thema Bevölkerungswachstum besetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.