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Gasprom : Führende Stellung auf allen Kontinenten angestrebt

  • -Aktualisiert am

Noch abhängiger vom russischen Erdgas

In Nordamerika wird ein weiteres Projekt, die Beteiligung an einer Alaska-Pipeline, erwogen. Der Bau einer Pipeline nach China hängt noch von den Preisverhandlungen der Chinesen ab. In Europa sorgen aber die Pipeline-Projekte Nord- und South-Stream für Schlagzeilen; je nach Betrachtungsweise sichern die neuen Gasleitungen die europäische Versorgung mit Erdgas oder machen die importierenden Länder noch abhängiger vom russischen Erdgas.

Manche europäische Staaten wähnen sich denn auch im russischen Zangengriff, zumal Gasprom auch in Afrika wie beispielsweise in Libyen, Algerien und Nigeria immer aktiver wird und Partnerschaften ausbaut. Algerien ist für Europa neben Russland der wichtigste Erdgaslieferant, der nicht aus Westeuropa kommt.

Produktionsrückgang im Jahr 2007

Kritiker sprechen zudem von einer Verzettelung. Es wird vor allem vor einer Versorgungslücke mit Erdgas gewarnt, weil Gasprom zu wenig in die Produktion und zu viel in andere Projekte investiere. Den Produktionsrückgang im Jahr 2007 im Vergleich mit dem Vorjahr um 1,3 Prozent auf 548,6 Milliarden Kubikmeter führen Gasprom-Manager aber nicht auf Probleme bei der Förderung, sondern auf den milden Winter zurück.

Es werde nur so viel produziert, wie auch konsumiert werde. Die Produktion verlief jedoch schon in den vergangenen Jahren flach, und die riesigen Felder in Westsibirien, die alle zu Sowjetzeiten erschlossen worden sind, haben ihre beste Zeit schon hinter sich.

Investitionsvolumen von bis zu 10 Billionen Rubel

Bei Gasprom verweist man darauf, dass im vergangenen Jahr beispielsweise die Produktion am Erdgasfeld Juschno Russkoje gestartet worden sei. Große Hoffnung wird auf die Vorkommen auf der Halbinsel Jamal gesetzt. Das Feld Bowanenkowo soll von 2011 an in Betrieb genommen werden.

Die entscheidende Frage wird sein, ob die neuen Felder fristgerecht den Rückgang bei den alten, reifen Vorkommen auffangen können. Die Produktionskosten nehmen aufgrund der exponierten Lagen der neuen Felder aber sicherlich zu. Im Jahr 2020 will Gasprom zwischen 650 und 670 Milliarden Kubikmeter produzieren, ein großer Teil soll dann aus den neuen Feldern auf Jamal, von Shtokman und in Ostsibirien kommen. Bis dahin schätzt Gasprom das Investitionsvolumen auf bis zu 10 Billionen Rubel (etwa 270 Milliarden Euro). Etwa 30 Prozent sollen dabei in die Exploration und Förderung und rund 50 Prozent in die Entwicklung des Pipeline-Systems fließen

Trotz des Expansionskurses hält sich die Verschuldung des Unternehmens in Grenzen. Aufgrund der Investitionen in Sachalin-2 und in einen russischen Stromerzeuger erhöhte sich die Nettoverschuldung im vergangenen Jahr um knapp 58 Prozent auf 967 Milliarden Rubel (26 Milliarden Euro), das Verhältnis Schulden zu Eigenkapital betrug für das Jahr 2007 jedoch nur 23,4 Prozent.

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