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Gasprom : Führende Stellung auf allen Kontinenten angestrebt

  • -Aktualisiert am

Noch ist der Export attraktiver: Während nach Europa nur etwa ein Drittel der Gasprom-Produktion ausgeführt wird, werden dort mehr als die Hälfte der Einnahmen von Gasprom generiert. In drei bis vier Jahren soll der russische Markt umsatzmäßig doppelt so groß sein wie der europäische.

Asien und Nordamerika als Exportländer

Die Ambitionen von Gasprom sind nicht auf Russland beschränkt. Der Konzern will zu einem internationalen, vertikal integrierten Energieunternehmen werden, das die gesamte Wertschöpfungskette vom Bohrloch bis zum Endkunden abdeckt. So will der Konzern seine Erdöl- und Strom-Aktivitäten verstärken, Asien und Nordamerika als Exportländer ins Auge fassen und neue Exportwege per Pipeline oder per Lieferung in der Form von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas; LNG) anstreben.

Gaspromneft, die Erdöl-Gesellschaft von Gasprom, wird immer mehr auch zu einem internationalen Akteur aufgebaut. Gaspromneft ist derzeit der fünftgrößte russische Erdölproduzent und soll die Produktion von derzeit 34 Millionen Tonnen auf 100 Millionen Tonnen bis ins Jahr 2020 ausweiten.

Obwohl es von Gasprom bestritten wird, könnte am Ende der Querelen zwischen den Aktionären des britisch-russischen Erdölunternehmens TNK-BP Gaspromneft als Käufer eines Anteils auftreten. Dieses Jahr wurde eine Vereinbarung über den Erwerb von 52 Prozent am serbischen Erdölunternehmen NIS unterzeichnet, im vergangenen Jahr übernahm Gaspromneft im Rahmen eines Tauschs von Vermögenswerten einen Anteil von 49 Prozent an zwei libyschen Erdöl-Konzessionen der deutschen BASF.

Als Stromproduzent im Ausland

Im Stromgeschäft nutzt Gasprom die Liberalisierung des russischen Marktes und kaufte Mehrheitspakete und Anteile an den neu geschaffenen Stromgesellschaften. Eine geplante Großfusion mit dem russischen Kohleproduzenten Suek platzte jedoch. Das Gemeinschaftsunternehmen hätte eine dominante Rolle am Strommarkt eingenommen; Auflagen der Wettbewerbsbehörde, Uneinigkeit zwischen den beiden Parteien und möglicherweise ein Umdenken im Kreml hätten für die Absage der Fusion gesorgt, heißt es. Gasprom will aber auch als Stromproduzent im Ausland auftreten, so wird beispielsweise der Bau von Kraftwerken in Deutschland geplant.

Das bisherige Modell von Gasprom baut auf Pipelines auf. Spätestens ab Anfang 2009 will jedoch der russische Konzern ins LNG-Geschäft einsteigen. Von Sachalin-2 aus soll verflüssigtes Erdgas verschickt werden. Der Projektname Sachalin-2 bedeutet aber nicht nur Aufbruch, sondern wurde auch zum Syn-onym für die ruppigen Methoden von Gasprom: Nach monatelangem Druck verschiedener russischer Behörden hatten der damalige Konsortialführer Royal Dutch Shell und seine japanischen Partner Mitsui und Mitsubishi im Jahr 2006 eingewilligt, die Mehrheit am Projekt an Gasprom abzutreten.

Das Flüssiggas soll zunächst nach Asien verschifft werden. Verflüssigtes Erdgas vom Shtokman-Feld in der Barentssee könnte von 2014 an den kanadischen LNG-Terminal Rabaska geliefert werden, an dem sich Gasprom beteiligt hat. Gasprom will in den kommenden Jahren einen Anteil von bis zu 25 Prozent am Flüssiggas-Weltmarkt erreichen.

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