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Gase / Maschinenbau : Linde läßt sich Zeit mit Gabelstapler-Verkauf

  • Aktualisiert am

Linde auf dem Weg zum reinen Gase-Konzern Bild: dpa/dpaweb

Der Wiesbadener Konzern Linde will Branchenkreisen zufolge die Abtrennung seiner Gabelstaplersparte nicht übereilen. Das Interesse von Finanzinvestoren an der Sparte scheint aber groß zu sein.

          Der Wiesbadener Industriegasekonzern Linde will Branchenkreisen zufolge die Abtrennung seiner Gabelstaplersparte trotz regen Interesses von Finanzinvestoren nicht übereilen.

          „Das Thema Material Handling wird ruhig angegangen, erst einmal will Linde den Deal mit BOC untergebracht haben“, sagte eine mit der Situation vertraute Person aus der Branche am Mittwoch. Es sei auch noch keine Bank mit dem Spartenverkauf beauftragt worden. Im Umfeld mehrerer großer Finanzinvestoren hieß es, Linde habe bislang nicht einmal erste Verkaufsprospekte an Interessenten verschickt. Vor dem Sommer sei keine Transaktion zu erwarten.

          Bei einem anderen Fonds hieß es, praktisch alle Großen der Finanzinvestoren-Branche hätten die Gabelstaplersparte unter Beobachtung. „Das dürfte die große Transaktion des laufenden Jahres werden“, sagte ein Manager. Als mögliche Interessenten wurden in Finanzkreisen Apax, BC Partners, Blackstone, Cinven, CVC und KKR genannt. Linde lehnte einen Kommentar ab. Auch die genannten Häuser wollten sich nicht äußern oder waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

          Reitzle will reinen Gase-Konzern schaffen

          Linde-Chef Wolfgang Reitzle will mit der Übernahme der britischen BOC einen reinen Industriegase-Konzern formen und sich vom Gabelstaplergeschäft trennen. Für die Sparte, die bei Linde „Material Handling“ heißt, sollen nun alle Optionen geprüft werden, hatte der Manager angekündigt. Reitzle hatte auch einen Börsengang nicht ausgeschlossen. Analysten zufolge könnte die Gabelstaplersparte bei einem Verkauf mehr als drei Milliarden Euro einbringen.

          Linde kam 2005 im Gabelstaplergeschäft auf einen Umsatz von 3,63 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von 191 Millionen Euro. Der zählte vergangenes Jahr 19.323 Beschäftigte. Mit seinen drei Gabelstaplermarken „Linde“, „Still“ und „OM Pimespo“ zählt Linde zu den weltweit führenden Herstellern der Branche.

          Bewertung der Stapeler-Sparte schwierig

          In Kreisen von Finanzinvestoren hieß es, die Bewertung der Sparte sei schwierig, da sie umfangreiches Leasing-Geschäft umfasse. „Da geistern momentan Hausnummern von 2,5 bis vier Milliarden Euro durch die Luft - wissen tut es keiner“, hieß es. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) taxierte den Buchwert der Sparte auf 2,85 Milliarden Euro. „Bei einer Veräußerung dürfte dann noch ein Aufschlag hinzukommen, so daß Linde einen Erlös von bis zu 3,4 Milliarden Euro einfahren könnte“, schätzt LRP-Analystin Silke Stegemann.

          Die Zeitung „Handelsblatt“ berichtete am Mittwoch, Apax habe bereits vergangenes Jahr mit Linde Verkaufsgespräche über den Bereich geführt. Diese seien jüngst wieder aufgenommen worden seien. Im Umfeld mehrerer Finanzinvestoren wurde diese Darstellung in Zweifel gezogen. Ein Manager wies darauf hin, daß Reitzle über eine Brückenfinanzierung verfüge und damit nicht unter Druck stehe. „Er hat alle Zeit der Welt. Er kann das geordnet ablaufen lassen und in Ruhe eine Auktion starten“, sagte er. Vor dem Sommer werde es im besten Fall vorbereitende Maßnahmen geben.

          Die Linde-Aktie lag am Mittwochnachmittag 3,15 Prozent im Minus bei 70,31 Euro. Seit der Ankündigung der Übernahme von BOC hatten Linde-Papiere rund zehn Prozent an Wert gewonnen.

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