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Fehlerhafte T-Shirts von Gap : Der nächste Kniefall vor China

Wie kann man nur Taiwan weglassen? - Der Inselstaat wäre ein Krümel unten rechts. Bild: Screenshot/Gapfactory.com

Die Modekette Gap entschuldigt sich nun für „fehlerhafte“ chinesische Landkarten auf ihren T-Shirts. Der Hersteller hatte das Land Taiwan sowie einige andere Gebiete, die als Teil des Landes gelten, vergessen.

          Die amerikanische Modekette Gap wird zum jüngsten Beispiel für einen internationalen Konzern, der sich wegen vermeintlich unsensiblen Verhaltens zu einem Kniefall in China gezwungen sieht. Gap entschuldigte sich jetzt für den Verkauf von T-Shirts, auf denen chinesische Landkarten abgedruckt waren, allerdings ohne Taiwan und einige andere Gebiete, die von der chinesischen Regierung als Teil ihres Landes beansprucht werden. Gap sprach von einem „unbeabsichtigten Fehler“ und teilte mit, das T-Shirt habe nicht die „korrekte Landkarte“ Chinas gezeigt. Das Unternehmen respektiere die „Souveränität und territoriale Integrität Chinas“ und werde künftig „strengere Überprüfungen“ durchführen, um ähnliche Vorkommnisse zu vermeiden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Aufregung hatte ihren Ausgangspunkt offenbar an einem anderen Teil der Welt. Sie begann, als ein Foto von dem T-Shirt im Internet erschien, das in einem Laden in Kanada aufgenommen wurde. Es ist nicht ganz klar, ob die T-Shirts überhaupt jemals in China verkauft wurden. Gap teilte jetzt zwar mit, die T-Shirts seien aus chinesischen Regalen entfernt und zerstört worden. Die chinesische Parteizeitung „Global Times“ schrieb allerdings unter Berufung auf Angaben aus der chinesischen Gap-Zentrale in Schanghai, die T-Shirts seien in dem Land gar nicht angeboten worden.

          Die Deutschen entschuldigten sich gleich mehrfach

          Die chinesische Regierung sieht Taiwan gemäß ihrer „Ein-China-Politik“ als abtrünnige Provinz an, und sie fordert in jüngster Zeit mit zunehmender Aggressivität ausländische Unternehmen auf, diese Haltung in ihren Geschäften zu reflektieren. Im April sandte das chinesische Luftfahrtamt Civil Aviation Administration of China (CAAC) einen Brief an Dutzende internationale Fluglinien und drohte ihnen mit schweren Strafen, wenn sie auf ihren Internetseiten Taiwan nicht als Teil von China darstellen. Mehrere Unternehmen wie die Fluggesellschaft Delta Air Lines und auch die spanische Modekette Zara entschuldigten sich unlängst bei der chinesischen Regierung dafür, auf ihren Internetseiten Taiwan als eigenes Land aufgeführt zu haben. Schon im vergangenen Jahr hatte sich der deutsche Autohersteller Audi entschuldigt, nachdem er auf seiner Jahrespressekonferenz auf einer Landkarte von China Taiwan und andere von dem Land beanspruchte Regionen weggelassen hatte.

          Aus einem etwas anderen Grund sah sich vor wenigen Monaten der deutsche Autohersteller Daimler zu einem Kniefall vor Peking gezwungen. Der Konzern hatte auf dem Instagram-Konto seiner Marke Mercedes-Benz eine Weisheit des von der chinesischen Regierung als Staatsfeind angesehenen Dalai Lama veröffentlicht und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Deutschen, für die China der wichtigste Absatzmarkt ist, entschuldigten sich gleich mehrfach, wofür sie hierzulande kritisiert wurden.

          Britta Seeger aus dem Daimler-Vorstand rechtfertigte das Vorgehen ihres Unternehmens mit den Worten: „Wenn ich jemanden mit meiner Botschaft verletze, muss ich mich entschuldigen. Das gehört sich so.“ Die amerikanische Regierung hat Chinas Umgang mit ausländischen Unternehmen scharf kritisiert. Der Brief an die Fluglinien im April wurde in einer Mitteilung aus dem Weißen Haus als „Orwellscher Nonsens“ bezeichnet. „Gegen Chinas Anstrengungen, seine Zensur und politische Korrektheit nach Amerika und dem Rest der freien Welt zu exportieren, wird Widerstand geleistet werden.“ In den vergangenen Tagen ist der amerikanische Präsident Donald Trump freilich von seinem Konfrontationskurs mit China abgerückt, als er in Aussicht stellte, Sanktionen gegen den chinesischen Telekommunikationskonzern ZTE zu lockern.

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