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Gamescom 2017 : Stundenlang Schlange stehen für die Spielelust

Flinke Finger: Besucher der Gamescom, ins Spiel vertieft. Bild: Imago

Auf der Gamescom in Köln warten die Besucher zum Teil mehrere Stunden, um neue Konsolen-Spiele zu testen. Doch eigentlich sollte virtuelle Realität das nächste große Ding werden. Und da gibt’s noch viel zu tun.

          Wenn Alain Corre über die Gamescom läuft, erfasst den Franzosen eine geradezu diebische Freude. Denn schon morgens stauen sich auf der Computerspielmesse in Köln lange Schlangen vor Bildschirmen, über die Spiele flimmern, für die Corre als Europachef des französischen Spieleherstellers Ubisoft mitverantwortlich ist. Mehrere Stunden stehen die Besucher an, um 20 Minuten lang unveröffentlichte oder gerade erschienene Spiele auszuprobieren. Das weiß Corre, und er weiß auch, wie nervig Warten sein kann – weshalb er den Ubisoft-Stand in Halle 6 so hat bauen lassen, dass die Wartenden wenigstens eine der großen Bühnen im Blick haben.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          320 sogenannte Anspielstationen hat der französische Spielehersteller Ubisoft auf der Gamescom installiert, mehr als je zuvor auf der Computerspielmesse. „Wir schauen uns genau an, wie die Fans spielen, wie sie auf die Neuheiten reagieren, was sie gut finden und was nicht“, sagt Corre im Gespräch mit der F.A.Z. Die Gamescom ist für das Unternehmen ungemein wichtig, um Rückmeldungen von den Kunden zu bekommen und sie an bekannte Marken wie „Assassins Creed“, „Far Cry 5“ oder „Anno“ zu binden.

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          So veranstaltet Ubisoft ein E-Sports-Turnier in dem Agentenspiel „Rainbow Six“, am Samstag treten die besten Teams im Finale auf der Gamescom gegeneinander an. Mit diesem Spiel wagen sich die Franzosen in das E-Sports-Geschäft vor, in dem inzwischen sogar Bundesligaklubs wie Schalke 04 mitmischen. Kein Wunder: Nach Schätzungen der Unternehmensberatung Deloitte wird das Marktvolumen von E-Sports in weniger als drei Jahren um 25 Prozent auf 130 Millionen Euro wachsen.

          Umsatzsteigerung trotz teurer Spieleentwicklung

          Auch ohne den Sport stehen die Zeichen für Ubisoft auf Wachstum: Mehr als 9000 Entwickler arbeiten für das Unternehmen, das nun in drei neue Studios in Stockholm, Bordeaux und in Berlin investiert. Dort sollen sich 50 Entwickler vor allem um das hierzulande besonders beliebte Historienspiel „Anno“ kümmern. Der deutsche Markt ist für Corre ohnehin der wichtigste in Europa: „Der deutsche Markt wächst immer noch schneller als die anderen und wird dadurch seinen Vorsprung noch vergrößern, das gefällt uns sehr gut“, sagt Corre.

          Gut ein Drittel seines Umsatzes erzielt Ubisoft in Europa, im ersten Quartal konnte das Unternehmen seine Verkäufe global um 45 Prozent auf 202 Millionen Euro steigern. Im vorigen Geschäftsjahr erzielte Ubisoft einen Umsatz von gut 1,5 Milliarden Euro, allerdings gaben die Franzosen auch mehr als 610 Millionen Euro für Investitionen in Forschung und Entwicklung aus. Denn Spieleentwicklung ist teuer. Dreistellige Millionenbeträge sind keine Seltenheit, da stehen die Entwicklerstudios Hollywood in nichts nach. „Wir glauben, dass unsere Entwickler gute und innovative Ideen haben, dafür brauchen sie aber Freiräume“, sagt Corre. „Ich bin fast noch nie enttäuscht worden von ihnen.“

          Den größten Teil seines Umsatzes macht Ubisoft mit Spielen für die Playstation von Sony. Dazu gehören nun auch die ersten Spiele für die Playstation VR, die auf Virtuelle Realität (VR) setzt. Trotzdem tut sich diese Technik noch schwer, obwohl sie schon auf der letzten Gamescom als das nächste große Ding, auf das alle gewartet hätten, angepriesen wurde. Doch noch sind die Brillen recht teuer, und es gibt zu wenig gute Spiele, damit sich die Technik durchsetzt.

          Es ist ein Henne-Ei-Problem: Die Brillen-Hersteller fordern Inhalte, die Spieleentwickler günstige Hardware. „Virtuelle Realität steht noch ziemlich am Anfang, aber wir wollen da vorne mit dabei bleiben“, sagt Corre. Zwei neue Spiele mit dieser Technik für die VR-Datenbrillen bringt Ubisoft nun heraus und setzt darauf, dass das Interesse steigen wird. Denn die Leistung der Computer steigt, genauso wie sich die Grafik immer verbessert und auch die Gegner in den Spielen durch eine immer raffiniertere Künstliche Intelligenz schwerer zu besiegen sind. Open-World-Games, also Spiele, deren Welten nicht begrenzt sind, gehören ohnehin heute fast zum Standard.

          Auch Sony hat von seiner Playstation VR bislang weniger verkauft, als sich die Verantwortlichen das wünschen würden, auch wenn sie das natürlich so nie sagen würden. „Wir hatten einen guten Start, das Geschäft sehen wir aber nicht kurzsichtig. Wir glauben an die Innovationskraft von VR“, sagte Uwe Bassendowski, der für Sony das Computergeschäft in Deutschland leitet, im Gespräch mit Journalisten.

          Playstation hat allerdings auch eine komfortable Situation: Das Unternehmen ist mit seiner Playstation 4 mit Abstand Marktführer. Trotzdem will Bassendowski seinen Werbeetat in diesem Jahr um 50 Prozent aufstocken, um im profitablen Weihnachtsgeschäft allen potentiellen Käufern bekannt zu sein. Die Konkurrenz von Microsoft mit der X-Box beobachte man aber trotzdem genau. Nur eine Retro-Konsole, wie sie Nintendo nun kürzlich herausgebracht hat, wird es von Sony wohl eher nicht geben. „Wir sind ein Technologiekonzern, wir schauen nach vorne, nicht zurück“, sagt Bassendowski.

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