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Gamescom : Jetzt zockt auch die Oma

Ein „TIE Fighter“ aus Star Wars steht auf der Gamescom, weil das Spiel „Battlefront“ vorgestellt wird. Bild: Electronic Arts

Die Spielemesse Gamescom zeigt: Computerspiele sind längst nicht mehr nur etwas für junge Männer. Die Branche ist zu einer Milliardenindustrie geworden, gedaddelt wird von jung bis alt.

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          Es ist wieder einmal laut, richtig laut. Aus allen Ecken und Enden kommt Musik, die sich zu einem Lärmteppich mischt, der das eigene Wort verschlingt. Blonde Frauen als Elfen verkleidet und junge Männer in Ritterrüstung drängen sich durch die Hallen der Kölner Messe. Es ist, bis einschließlich Sonntag, Gamescom in Köln, die größte Publikumsmesse für Computer- und Videospiele der Welt. Für die großen Spielekonzerne hier ist das eine einzige Werbeveranstaltung, um ihre neuesten Blockbuster einem jungen Publikum zu präsentieren.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Größer, lauter, weiter - das scheint dabei das Motto zu sein. Schnelle Bässe hämmern aus mannshohen Boxen durch die Hallen, um nach Aufmerksamkeit zu haschen. Junge Frauen und junge Männer, viele verkleidet als Protagonisten der Computerspiele, machen Werbung für die Spiele. Um das neueste Spiel aus der „Star Wars“-Reihe zu präsentieren, hat Electronic Arts sogar einen Tie-Fighter, ein kleines Raumschiff, nachbauen lassen, der als beliebtes Fotomotiv dient. Da ragt der in schlichtem Schwarz gehaltene Stand von Sony schon wieder heraus.

          Tausende drängen sich bereits am Fachbesuchertag durch die Hallen und stellen sich stundenlang an, nur um dann für wenige Minuten ein neues Spiel auszuprobieren. Größtenteils sind hier junge Männer, aber auch auffallend viele Frauen unterwegs. Im Vorjahr besuchten 335.000 Menschen die Messe, auch dieses Jahr wird mit einem ähnlichen Andrang gerechnet. Die Tagestickets sind bereits seit Wochen komplett ausverkauft. Das dazugehörige Gamescom-Musikfestival lockt in der Kölner Innenstadt noch einmal mehr als 100.000 Menschen an. Das zeigt: Computerspiele sind längst raus aus der Nische und mitten im Leben angekommen.

          Kostümiert spielen? Kein Thema! Hier sind die schönsten Bilder von der Gamescom. Bilderstrecke

          Allein in Deutschland werden dieses Jahr wohl Videospiele und die passende Hardware im Gegenwert von rund 3,3 Milliarden Euro über die Ladentheke gehen, wie der Branchenverband Game schätzt. Zum Vergleich: Mit Filmen werden voraussichtlich etwa 3 Milliarden Euro umgesetzt, wie die Unternehmensberatung PWC schätzt. Auf der gesamten Welt wird der Umsatz mit Videospielen 76 Milliarden Euro betragen – und schon im Jahr 2018 sollen es 89 Milliarden Dollar sein.

          Keine ander Medienbranche wächst so schnell

          „Keine andere Medien-, Kultur- und Kreativbranche wächst so stark wie die Games-Branche“, heißt es vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. Einer der Treiber ist die neue Konsolen-Generation: Mit der Playstation 4, der Xbox One und der Wii U sind drei Konsolen erschienen, die einen Kaufschub an neuen Spielen, aber auch an der Hardware selbst ausgelöst haben.

          Verkauft wird übrigens immer noch größtenteils auf den klassischen Datenträgern wie DVD oder Bluray - 75 Prozent der Spiele werden immer noch so vertrieben. Der Downloadsektor stagniert. Ganz anders sieht es bei Apps für Handys und Tablets aus - dort beträgt der Downloadanteil 75 Prozent. In Europa ist Deutschland damit hinter Großbritannien die Nummer 2, global die Nummer 7.

          Spielen ist kaum mehr als ein Nischenphänomen zu betrachten, wie etwa Bitkom-Chefvolkswirt Axel Pols sagt: „Gaming hat sich fest etabliert und zählt neben Musik- oder Filmangeboten zu den beliebtesten digitalen Medien.“ Etwa 30 Millionen Menschen - rund 42 Prozent - spielen hierzulande Videospiele. Es verwundert nicht, dass mit 81 Prozent die überwiegende Mehrheit die 14- bis 29-Jährigen sind. Dieses Publikum lockt die Gamescom an, wo der Fokus auf den Multi-Millionen-Produktionen liegt.

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