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Warenhauskette in der Krise : 60 Galeria-Filialen von der Schließung bedroht

  • -Aktualisiert am

Die Galeria-Filiale an der Hauptwache in Frankfurt Bild: dpa

Eine endgültige Liste, wie viele Filialen dichtmachen müssen, gibt es noch nicht. Das Management und der Betriebsrat haben aber erste Eckpunkte festgelegt.

          3 Min.

          Der letzte deutsche Kaufhauskonzern Galeria legt zum Ende des Monats den Gläubigern seinen Insolvenzplan vor. Klar ist, dass viele Häuser dichtmachen müssen, um dem Unternehmen in seiner zweiten Insolvenz binnen zwei Jahren noch eine Chance auf eine Zukunft zu geben. Doch eine endgültige Schließungsliste für die angeschlagene Warenhauskette steht noch nicht fest. Nachdem der Galeria-Chef Miguel Müllenbach gegenüber der F.A.Z. von „mindestens einem Drittel“ der verbliebenen 131 Häuser sprach, die geschlossen werden müssten, warnte der Gesamtbetriebsrat vor bis zu 90 Filialen. In dieser Woche haben sich Management und Betriebsrat auf erste Eckpunkte geeinigt, nach Informationen der F.A.Z. soll es nun um „nicht mehr als 60 Filialen“ gehen, die geschlossen werden.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Aber auch der Gesamtbetriebsrat hält sich mit genaueren Angaben zurück, selbst in einem internen Schreiben an die Galeria-Beschäftigten heißt es: „Solange noch gesprochen wird, besteht die Hoffnung, die Schließungsliste nach unten zu korrigieren.“ Auf einzelne Verhandlungspunkte geht auch der Betriebsrat nicht ein. Allerdings stellt er die rund 17.000 Mitarbeiter auf eine erneut „harte und schmerzliche Zeit“ ein, die „Grausamkeiten“ würden nun „mit aller Härte“ in den Filialen ankommen.

          An Doppelstandorten dürfte häufig ein Haus schließen

          Gleichzeitig verhandelt das Galeria-Management gemeinsam mit dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und dem Sachwalter Frank Kebekus noch mit Vermietern, was natürlich auch noch eine Auswirkung hat auf die zu schließenden Warenhäuser. Genauso wie eine mög­liche Nachnutzung von Warenhäusern, die Galeria abgeben will.

          In den Städten, wo es Doppelstandorte gibt, die noch aus der Zeit bestehen, als Karstadt und Kaufhof getrennte Unternehmen waren, dürfte häufig einer der beiden verschwinden. In manchen Städten, gerade in Mittellagen, laufen ohnehin Mietverträge aus – und manche Vermieter schauen sich nach einer Nachnutzung um. Der Eigentümergesellschaft Signa aus Österreich hingegen gehören noch 22 Warenhäuser, darunter solche in Köln, München oder Berlin. Auch Warenhäuser in Grenznähe etwa zu der Schweiz laufen besser als manch andere in eher ländlichen Gebieten, die weniger gute Chancen haben.

          Nachdem sich zu­nächst öffentlichkeitswirksam der On­line­händler Buero.de als Interessent an einzelnen Filialen gezeigt hatte, nur um später wieder abzuspringen, gibt es nun einen weiteren Unternehmer, der in die Offensive geht: Friedrich-Wilhelm Göbel, der in den vergangenen Jahren sieben Modehäuser unter dem Namen Aachener eröffnet hat, interessiert sich nach eigenen Angaben für eine „größere Anzahl“ an Galeria-Filialen. Mit Schieflagen kennt sich Göbel aus, er war mal Geschäftsführer der Modekette Sinn, be­vor ihn seine Ex-Frau Isabella Göbel im Jahr 2021 aus dem Unternehmen schmiss. Das Ehepaar hatte die Mode­kette nach zahlreichen Übernahmen und fast ebenso vielen Insolvenzen von dem Nürnberger Modehändler Wöhrl übernommen.

          Könnte schon bald eine wichtige Rolle innerhalb der Signa-Handelsbeteiligungen spielen: Günther Helm
          Könnte schon bald eine wichtige Rolle innerhalb der Signa-Handelsbeteiligungen spielen: Günther Helm : Bild: Picture Alliance

          In der Handelssparte des Immobilienkonzerns Signa hat sich jedenfalls einiges angesammelt: Neben der angeschlagenen Wa­renhauskette Galeria gehören genauso Premium-Häuser aus der Kadewe-Gruppe zum Portfolio wie auch der Online­anbieter Signa Sports, die Warenhauskette Globus oder die Einrichtungsmarken Kika/Leiner zum Imperium des Unternehmers René Benko.

          Um diese ganzen Signa-Handelsbeteiligungen besser zu strukturieren, will der österreichische Milliardär offenbar Günther Helm verpflichten, den früheren Chef der Drogeriekette Müller. Das zu­mindest hat das Branchenblatt „Lebensmittelzeitung“ berichtet, auf Anfrage kommentiert Signa das nicht. Jedoch ist aus dem Umfeld des Immobilienkonzerns zu erfahren, dass es schon seit einiger Zeit mit Helm Kontakt gebe, gleichwohl jedoch noch keinen Vertrag, geschweige denn eine Unterschrift darunter.

          Helm dürfte nach seinem plötzlichen Abschied bei Müller Zeit haben, zum Ende des vergangenen Jahres hat der Handelsfachmann auch sein Aufsichtsratsmandat bei der staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG niedergelegt. Der 1979 geborene Österreicher hat seine Karriere einst bei der Aldi-Tochtergesellschaft Hofer begonnen und sich in dem deutschen Discounter bis in die Führungsspitze hochgearbeitet. Bei dem Drogeriemarkt, wo Helm 2019 anfing, sollte er eigentlich Nachfolger des Un­ternehmensgründers Erwin Müller werden, der ihn jedoch im August vergan­genen Jahres urplötzlich vor die Tür setzte.

          Wenn Benko seinen Wunschkandidaten zu Signa locken kann, soll Helm dort eine Art Zwischenrolle bekommen – oberhalb der Signa-Handelsbeteiligungen, aber noch angesiedelt unter Dieter Berninghaus, der das Handelsgeschäft verantwortet. Der frühere Rewe-Chef Berninghaus sitzt schon seit 2016 dem Verwaltungsrat der Signa-Holding vor, unter seiner Führung wurde das Geschäft mit den Handelsbeteiligungen deutlich ausgebaut.

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