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Kion : Gabelstaplerkonzern plant Großübernahme

Sollen bald für Kion fahren: Stapler aus dem Hause Unicarriers, zu dem auch die Marke Nissan gehört Bild: Unicarriers

Der Gabelstaplerkonzern Kion hat eine Offerte für den Rivalen Unicarriers abgegeben. Gelingt eine Übernahme, überholt Kion den Weltmarktführer Toyota – oder schließt zumindest auf.

          Kion will mit Hilfe eines Großzukaufs den Sprung an die Weltspitze schaffen. Nach Informationen der F.A.Z. gab das M-Dax-Unternehmen Ende April eine endgültige Offerte für die japanische Unicarriers mit umgerechnet 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz ab. Kion habe dafür die Investmentbank Goldman Sachs mandatiert, heißt es in Finanzkreisen. Der Unicarriers-Eigentümer ziehe bei dem Verkaufsprozess den Rat der Investmentbank Citi hinzu. Kion ist aus dem Mischkonzern Linde hervorgegangen und zweitgrößter Gabelstaplerhersteller der Welt. In Unicarriers sind unter anderem die Stapler der Marke Nissan aufgegangen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kion hat ein „finales Gebot“ eingereicht, wie es in Übernahmeprozessen nach Abschluss der zweiten Bieterrunde üblich ist. Das beweist, dass das Unternehmen sehr konkretes Interesse hat und die Gespräche fortgeschritten sind. Es soll noch mindestens ein Mitbieter im Rennen sein, vermutet wird Mitsubishi Nichiyu. Die Gebotshöhe ist unklar: Es könnte sich um einen hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag handeln. Die Beteiligten lehnten eine Stellungnahme ab.

          Ehrgeizige Ziele verfehlt

          Kion war 2006 aus dem Linde-Konzern abgespalten worden, weil der damalige Linde-Chef Wolfgang Reitzle das Konglomerat zum reinen Gasekonzern umbaute. Bei einer internen Führungskräftetagung gleich zu Beginn, Anfang 2007, rief das Management einen Etappenplan zur Weltmarktführerschaft aus: Binnen drei Jahren solle Kion zur Nummer eins mit 5 Milliarden Euro Umsatz werden, berichteten Teilnehmer des Treffens damals. Ein etwas vorsichtigerer formeller Managementplan sah das für den Zeitraum 2009 bis 2011 vor.

          Diese – ehrgeizigen – Ziele hat Kion verfehlt. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen 4,7 Milliarden Euro Umsatz, der erhoffte Großzukauf ist noch nicht gelungen. Vor Jahren schon hatte das Wiesbadener Unternehmen Interesse an Nissan gezeigt, aber die Eigner wollten nicht verkaufen. 2012 wurde vereinbart, Nissan und den Gabelstapler-Konkurrenten Hitachi Construction Machinery zu Unicarriers zu fusionieren, unter der Ägide von INCJ. Das ist ein japanischer Staatsfonds, zu dem einige Konzerne der Privatwirtschaft einen kleineren Kapitalanteil beisteuern. INCJ entschied sich schließlich dazu, Unicarriers zu versteigern – die Chance für Kion war nun gekommen.

          Nummer zwei hinter Toyota

          Weltmarktführer bei Gabelstaplern ist Toyota, mit einigem Abstand folgen zwei deutsche Anbieter: Kion mit den Hauptmarken Linde und Still sowie Jungheinrich aus Hamburg mit den gleichnamigen Fahrzeugen. Unicarriers belegt Platz acht, wenn man die Rangliste der Fachpublikation DHF-Magazin zugrundelegt, die in der Branche als führende unabhängige Liste gilt.

          Demnach würde Kion mit dem Erwerb von Unicarriers den Rivalen Toyota überholen oder zumindest ganz knapp aufschließen. Nichiyu und Unicarriers zusammengenommen würden nahe an Jungheinrich rücken oder das Unternehmen als globale Nummer drei überholen.

          Dass Kion seit Jahren schon an Nissan interessiert ist, hat vor allem zwei strategische Gründe. Erstens ergänzen sich die Regionen: Kion ist in Europa führender Anbieter – im Westen des Kontinents hält er gut ein Drittel Marktanteil, in Osteuropa ein Viertel. Recht gut ist Kion als drittgrößter Anbieter in China vertreten und leidlich gut in Lateinamerika, namentlich in Brasilien, wo jeder vierte Gabelstapler von Kion kommt. Schwach präsent ist der Konzern hingegen in den Vereinigten Staaten, und Japan ist ein gänzlich weißes Feld. Das würde sich mit dem Nissan-Zukauf ändern.

          Konjunkturabhängiger Markt

          Zweitens würden sich die Produkttypen ergänzen. Mit Linde und Still bietet Kion Fahrzeuge der gehobenen Klasse an, mit der vor ein paar Jahren zugekauften Marke Baoli in China das untere Segment. Unicarriers (Marken: Nissan, TCM, Atlet) würde die Lücke dazwischen füllen, den mittleren Massenmarkt. Insider berichten, dass Kion daher wahrscheinlich zu einem strategischen Aufschlag bereit ist, also zu einem hohen Preis, der sich daraus ergibt, dass eine Gelegenheit wie Unicarriers so schnell wohl nicht wiederkommt.

          Der Markt mit Gabelstaplern und Lagerfahrzeugen hängt stark an der Konjunktur, entsprechend brach er in den Jahren 2008 und 2009 ein. In einigen Ländern – zum Beispiel Frankreich, Spanien und Italien – hat der Auftragseingang das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. Daraus leitet Kion Nachholbedarf ab. Das große Wachstum ist aber in China zu sehen: Das Plus bei den Auftragseingängen seit 2004 kommt zu mehr als der Hälfte aus der global zweitgrößten Volkswirtschaft.

          Als Linde Kion verkaufte, bekam ein Investorenduo aus Goldman Sachs und KKR den Zuschlag. Die brachten das Unternehmen 2013 an die Börse und haben inzwischen alle Anteile veräußert. Als Großaktionär hat sich inzwischen die chinesische Weichai Power eingekauft.

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