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Fußball und Wirtschaft : Entscheidend ist auf’m Platz

Die Wahrheit ist auf dem Platz Bild: dpa

Im Fußball haben die üblichen Regeln des Wirtschaftslebens nur wenig Bedeutung. Das zeigt sich nicht nur im Fall des FC Bayern-München-Präsidenten Hoeneß.

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          Im April gab es ein Novum im deutschen Fußball. Zum ersten Mal stellte ein deutscher Verein einen „Compliance Officer“ vor, einen externen Experten, der die Einhaltung einer korrekten, moralisch und rechtlich einwandfreien Klubführung überwachen soll. Allerdings ging es hier nicht um die Frage, ob etwa eine Person, die sich wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe selbst angezeigt hat, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender eines Weltklubs bleiben kann. Es ging um deutlich praktischere Fragen. Etwa die, ob man „den Schiedsrichter zum Essen einladen darf“, wie der Vereinsvorsitzende sagte. Oder ob es gestattet ist, „dem Bürgermeister zu Weihnachten einen Bocksbeutel zu schenken“.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Nein, es ist nicht der FC Bayern München, es sind die Würzburger Kickers, die hier den Vorreiter der kickenden Compliance geben. Sie spielen nicht im Finale der Champions League, sondern in der Regionalliga. Doch spätestens mit dem Fall Hoeneß hat das Thema auch die Topadressen des deutschen Fußballs erreicht. Wer als Fußballklub ein gefragter Geschäftspartner sein will, wird auf Dauer im Spiel- und Geschäftsbetrieb das Einhalten transparenter Verhaltensregeln garantieren müssen, um Sponsoren vor Konflikten mit ihren eigenen Compliance-Regeln zu bewahren; um sie nicht in eine solche Zwickmühle zu bringen wie die Chefs von VW, Audi, Telekom und Adidas im Aufsichtsrat des FC Bayern.

          Herbert Hainer ist nicht zu beneiden

          Dabei war es ursprünglich gerade die Undurchsichtigkeit der Strukturen und die Art, wie seine Spitzenorganisationen von Günstlings-Netzwerken beherrscht wurden - also die Abwesenheit von alldem, was heute Compliance heißt -, die den Sport seit den siebziger Jahren für die Wirtschaft interessant machten. Besonders der Aufstieg des Unternehmens Adidas vom fränkischen Schuhmacher zum Weltkonzern ging einher mit der Vereinnahmung der mächtigsten Sportfunktionäre durch den Gründersohn Horst Dassler, der mit Geld und anderen Gefälligkeiten arbeitete. In seiner Kartei sollen nützliche Informationen über den bevorzugten Frauentyp bestimmter Funktionäre gestanden haben.

          Dasslers früherer Partner Patrick Nally sagte über den 1986 gestorbenen Adidas-Chef: „Horst hat immer und von Anfang an Leute gekauft.“ Zum Beispiel Joao Havelange, der vor vier Wochen, 96-jährig, wegen erwiesener Korruption als Ehrenvorsitzender des Internationalen Fußball-Verbandes zurücktreten musste. Als er noch Präsident der Fifa war, soll ihn Dassler mit einer Million Dollar geschmiert haben, um an die Vermarktungsrechte für die Fußball-WM 1982 zu kommen.

          Herbert Hainer ist um solch anrüchige Details der Vorgeschichte nicht zu beneiden. Der Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns will auf dieses Thema am liebsten gar nicht erst angesprochen werden, hat es sich doch vor seinem Amtsantritt im März 2001 zugetragen. Durch die Selbstanzeige von Uli Hoeneß wegen hinterzogener Steuern tritt für ihn und den Herzogenauracher Sportartikelkonzern nun erstmals offen ein Konflikt zu Tage, in dem die heile Welt der Compliance im Unternehmen auf eine Grauzone des Fußballs stößt.

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