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Vonovia und Deutsche Wohnen : Eine Übernahme, die Sinn ergibt

Mit der Übernahme von Deutsche Wohnen würde Vonovia auch in Europa zum klar führenden Wohnungskonzern aufsteigen. Bild: dpa

Vonovia und Deutsche Wohnen wollen sich zusammenschließen – und einen neuen Riesen am deutschen Wohnungsmarkt bilden. Gefahr droht allerdings von Grünen, Linken und Teilen der SPD.

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          Der führende deutsche Wohnungskonzern Vonovia steht vor der Übernahme des größten Konkurrenten deutsche Wohnen. Und das ist schon sein dritter Anlauf: Im Jahr 2016 konnten sich die Vorstände und Aktionäre aber genauso wenig einigen wie im vergangenen Jahr.

          Diesmal aber stehen die Zeichen auf grün – Vorstände und Aufsichtsräte sind sich einig über den Zusammenschluss beider Unternehmen, und auch die Führung des neuen Unternehmens ist schon benannt. Vorstandsvorsitzender soll der Vonovia-Chef Rolf Buch werden, sein Stellvertreter der Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn.

          Addierter Marktwert von etwa 48 Milliarden Euro

          Somit deutet vieles darauf hin, dass ein neuer Riese am deutschen Wohnungsmarkt mit 550.000 Wohnungen und einem addierten Marktwert von etwa 48 Milliarden Euro entsteht. Damit würde Vonovia auch in Europa zum klar führenden Wohnungskonzern.

          Gleichwohl sind Einsprüche wettbewerbsrechtlicher Art eher unwahrscheinlich: Angesichts von rund 20 Millionen Mietwohnungen käme Vonovia auch nach der Übernahme nur auf einen Marktanteil von knapp 3 Prozent. Widerspruch ist am ehesten aus Berlin zu erwarten, wo Deutsche Wohnen den klaren Schwerpunkt hat. Doch auch in der Hauptstadt käme Vonovia nur auf einen einstelligen Marktanteil. Der zu erwartenden politischen Gegenwehr wollen beide Unternehmen mit dem Angebot an den Senat, 20.000 Wohnungen zu einem günstigen Preis zu verkaufen, den Wind aus den Segeln nehmen.

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          Die Transaktion ergibt auf den ersten Blick Sinn. Die Wohnungsvermietung ist ein langfristig stabiles und profitables Geschäft, dem auch die Corona-Epidemie wenig anhaben konnte, nicht zuletzt wegen staatlicher Hilfen für die Mieter. Auch die Wohnungswerte haben  in der Krise nicht gelitten.

          Die beiden Marktführer haben gemeinsam gute Chancen, durch Größenvorteile in  der Bewirtschaftung der Wohnungen Kosten zu sparen. Das befördert sicherlich die Zustimmung der Aktionäre beider Konzerne.

          Gleichwohl haben sich die Aktienkurse der beiden im Dax notierten Unternehmen seit Jahresbeginn schlechter als der Index entwickelt. Das hängt mit der größten Bedrohung ihres Geschäftsmodells zusammen, der politischen Regulierung der Mieten. Zwar hat das Bundesverfassungsgericht kürzlich den Berliner Mietendekel kassiert mit der Begründung, für derartige Eingriffe am Wohnungsmarkt sei der Bund zuständig. Doch das haben Grüne, Linke und Teile der SPD als Vorlage angenommen, um spätestens nach der Bundestagswahl die Mietenregulierung eben auf Bundesebene zu verschärfen – sei es durch einen bundesweiten Mietendeckel oder durch eine strengere Mietpreisbremse.

          In Berlin kommt erschwerend eine Enteignungs-Initiave hinzu: Konzerne mit mehr als 3000 Wohnungen sollen gezwungen werden, an den Senat zu verkaufen – zu Preisen möglichst unterhalb des Marktniveaus. Darüber werden die Hauptstädter vermutlich am Tag der Bundestagswahl, dem 26. September abstimmen.

          Umfragen zeigen, dass eine Zustimmung keineswegs ausgeschlossen ist. Auch dies dürfte dem Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn, der sich bisher entschieden gegen eine Übernahme durch Vonovia gestemmt hat, diesmal ein Ja zur Übernahme durch Vonovia erleichtert haben.

          Michael Psotta
          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

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