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Fusion von EADS und BAE Systems : Spekulation über deutschen Aktienkauf

Eine Einigung wurde von EADS nicht bestätigt Bild: AFP

Berlin will seine Interessen bei einer Rüstungsfusion aus EADS und BAE Systems wahren: Die Bundesregierung arbeitet mit Frankreich an einer Beteiligung zu gleichen Teilen. Der fusionierte Konzern wäre das größte Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen der Welt.

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          Deutschland und Frankreich arbeiten an einem für beide Regierungen gleich starken Einfluss auf den geplanten neuen Luftfahrt- und Verteidigungskonzern aus EADS und BAE Systems. „Möglicherweise muss auch Deutschland über eine Übernahme von Anteilen nachdenken, um seine Interessen zu wahren“, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Bisher vertritt der Daimler-Konzern deutsche Interessen in der EADS-Holding. „Dabei wäre die 9+9-Beteiligung eine denkbare Variante“, hieß es in Berlin auf Nachfrage. Danach würde sich der deutsche wie der französische Staat mit 9 Prozent am neuen Konzern beteiligen. Spezielle Rechte über ein Vetorecht gegen unerwünschte Übernahmen („goldene Aktie“) hinaus sind demnach nicht geplant. Der fusionierte Konzern wäre das größte Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen der Welt, deutlich größer als der amerikanische Konkurrent Boeing. EADS-Chef Tom Enders hat versprochen, alle 50.000 Arbeitsplätze und 29 Standorte in Deutschland zu erhalten.

          EADS-Kreise bestätigen Einigung nicht

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In London hieß es am Sonntag, eine staatliche Beteiligung von Deutschland und Frankreich von zusammen mehr als 20 Prozent an dem geplanten neuen Konzern wäre für BAE Systems nicht akzeptabel. Einem Bericht der Zeitung „Financial Times“ zufolge soll die Schmerzgrenze für das Unternehmen und die britische Regierung bei jeweils 9 Prozent für die beiden Staatsaktionäre liegen. Die Briten lehnen außerdem bisher einen Sonderstatus der staatlichen Aktionäre wie bei EADS strikt ab. Dort haben die französische und die deutsche Regierungen im Rahmen eines Aktionärspakts weitgehende Eingriffsrechte bei Personalentscheidungen und strategischen Weichenstellungen, was BAE Systems zu weit geht. Spekulationen, wonach der britische Fusionspartner die Führungsspitze der Rüstungssparte des neuen Konzerns nur mit britischen und amerikanischen Managern besetzen wolle, wurden in London zurückgewiesen. „Angestrebt wird ein international gemischtes Führungsteam im Verteidigungsgeschäft“, hieß es.

          In EADS-Kreisen wurde eine deutsch-französische Einigung nicht bestätigt. Sie ginge auch in die falsche Richtung, hieß es am Wochenende, denn der Konzern möchte neben Frankreich einen weiteren Staatsaktionär verhindern. EADS befürchtet, dass dies in Großbritannien sowie in den Vereinigten Staaten auf Widerstand stoßen würde. Es sei fraglich, ob die Briten jeweils 9 Prozent für Deutschland und Frankreich akzeptierten und sich selbst mit einer goldenen Aktie begnügten, die lediglich ein Vetorecht gegen feindliche Übernahmen vorsieht. Wie London ließ die Regierung in Washington erkennen, dass sie den staatlichen Einfluss eng begrenzt sehen will. Amerika hat BAE Systems etliche große Militäraufträge gegeben. Die Vereinigten Staaten wollen sicherstellen, dass ihre der Geheimhaltung unterliegenden Technologien nicht unter den Zugriff anderer Staaten geraten.

          Ob Frankreich und Deutschland wirklich an einem Strang ziehen, ist ungewiss. Teile der französischen Regierung sehen Deutschland nicht unbedingt als gleichberechtigten Partner an, denn auf deutscher Seite gehört der Daimler-Konzern zum EADS-Aktionärspakt, nicht die Bundesregierung. Wichtig sei es jetzt, dass die drei Regierung endlich Gespräche begännen, anstatt über die Presse zu kommunizieren, heißt es in EADS-Kreisen.

          Keine Sonderrechte in der Satzung

          Für den Fortschritt der Verhandlungen kommt es jetzt auf die Rechte an, die mit dem Aktienbesitz verbunden sind. Nach den Vorstellungen von EADS sollen die Regierungen lediglich eine goldene Aktie halten, die keine wirkliche Aktienbeteiligung darstellt, aber ein Vetorecht gegen feindliche Übernahmen einräumt. EADS wäre bereit, auf deutsche Bedenken durch Arbeitsplatz-Garantien in der Verteidigungssparte Cassidian einzugehen. Der Konzern möchte jedoch keine Sonderrechte in der Satzung verankern, besonders keinen Einfluss auf Strategie- und Personalentscheidungen. Auch staatliche Vertreter im Verwaltungsrat lehnt das Unternehmen ab.

          In Berlin herrscht die Befürchtung, dass Deutschland im Zuge der Fusion zu einem zweitrangigen Akteur absteige, wenn der EADS-Konzernsitz nach Toulouse und der Sitz des Verteidigungsgeschäftes nach London wandern. Großbritannien und Frankreich werden auch auf Sonderrechte hinsichtlich der bei EADS und BAE Systems hergestellten Atomwaffen bestehen.

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