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Geplante Fusion mit Tata : Thyssenkrupp einigt sich mit Betriebsrat

  • Aktualisiert am

Protest auch in den Niederlanden: Beschäftigte von Tata Steel in Velsen Noord Bild: DE WAAL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Thyssenkrupp und Tata wollen zusammen einen der größten Stahlkonzerne der Welt schmieden – gegen den erbitterten Widerstand der Beschäftigten. Jetzt kommen die Verhandlungen einen entscheidenden Schritt voran.

          Arbeitnehmer und Thyssenkrupp haben ihren Streit um die geplante Stahlfusion mit Tata Steel entschärft. Konzernchef Heinrich Hiesinger kommt mit der Vereinbarung einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu dem Zusammenschluss voran. Dieser soll Anfang 2018 besiegelt werden.

          Die Einigung zwischen Arbeitnehmern und Management enthält der IG Metall zufolge weitgehende Zugeständnisse an die Arbeitnehmer. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen sollen der Gewerkschaft zufolge über neun Jahre ausgeschlossen werden, wenn Thyssenkrupp und Tata Steel ihre Stahlsparte zusammenlegen. „Das hat es auch im Stahl so noch nie gegeben“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel, am Donnerstag. Thyssenkrupp gebe den Beschäftigten „eine gute Zukunftsperspektive und sichert Arbeitsplätze“, erklärte Hiesinger. „Mit dieser Einigung wird eine Beschäftigungssicherung bis zum 30.09.2026 vereinbart“, bestätigte er.

          Die Gewerkschaft lasse Thyssenkrupp als Eigentümer nicht aus der Verantwortung, betonte Wetzel: „Thyssenkrupp wird seinen 50-Prozent-Anteil mindestens sechs Jahre halten müssen. Damit ist das Thyssenkrupp-Management mit verantwortlich für Erfolg oder Scheitern eines möglichen Joint-Ventures.“ Die IG Metall hatte dem Vorstand ein Ultimatum für den Abschluss der Verhandlungen mit den Arbeitnehmern bis zum 22. Dezember gestellt. Nun einigten sich beide Seiten auf die Eckpunkte.

          Thyssenkrupp soll sechs Jahre lang 50 Prozent halten

          Die Stahlkocher von Thyssenkrupp hatten seit Monaten gegen die Fusionspläne von Konzernchef Hiesinger protestiert. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich zehn Jahre Sicherheit für die Arbeitsplätze, Standorte, Anlagen und Investitionen verlangt. „Ein Jahrzehnt Sicherheit haben wir gefordert – neun Jahre haben wir erreicht“, sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler. „Die Tarifkommission hat deshalb heute Abend beschlossen, dass wir den Mitgliedern die Zustimmung zum Ergebnis empfehlen werden“, betonte er. Die Gewerkschaft will im Januar das Ergebnis an den Stahlstandorten zur Abstimmung stellen.

          Die mit Thyssenkrupp vereinbarten Eckpunkte für einen Tarifvertrag sehen der Gewerkschaft zufolge weiter vor, dass Thyssenkrupp mindestens acht Jahre gemeinsam mit Tata das Gemeinschaftsunternehmen führen muss. Davon müsse Thyssenkrupp über mindestens sechs Jahre ein Anteil von 50 Prozent halten. Thyssenkrupp erklärte, „eine Veränderung der Anteilseignerstruktur, gegebenenfalls durch einen Börsengang“, sei während dieser sechs Jahre nicht ausgeschlossen. Dies könnte durch eine Kapitalerhöhung möglich werden, sagte ein Vertreter der IG Metall.

          Thyssenkrupp verpflichtete sich darüber hinaus, mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr in die Standorte zu investieren. Der entsprechende Tarifvertrag soll mit Start des Gemeinschaftsunternehmens in Kraft treten und bis zum 30. September 2026 gelten. „Wir haben diese Lösung gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite erarbeitet. Das entspricht unserer Unternehmenskultur“, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard.

          Hiesinger will mit der Fusion den zweitgrößten Stahlkonzern Europas nach ArcelorMittal schmieden. Er strebt die Unterzeichnung eines Vertrags für das Gemeinschaftsunternehmen für Anfang 2018 an, nach Freigabe durch die Kartellbehörden könnte der Zusammenschluss dann Ende des kommenden Jahres vollzogen werden. Hiesinger will den Konzern auf das weniger konjunkturanfällige Geschäft mit Aufzügen, Autoteilen, Anlagen und U-Booten ausrichten. Thyssenkrupp beschäftigt in der Stahlsparte rund 27.000 Mitarbeiter. Das neue Unternehmen würde einen Pro-forma-Umsatz von etwa 15 Milliarden Euro erzielen und etwa 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Bis zu 4000 Stellen könnten aber gestrichen werden.

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