https://www.faz.net/-gqe-97yp3

Fusion auf dem Energiemarkt : Eon will RWE-Tochter Innogy kaufen

  • Aktualisiert am

Die Unternehmenszentrale des Energieversorgungsunternehmens Innogy in Essen Bild: dpa

Die Gremien beider Konzerne müssen der Vereinbarung noch zustimmen. Ein Abschluss des Deals würde die Gewichte am deutschen Energiemarkt erheblich verschieben.

          2 Min.

          Eon  will die RWE-Ökostromtochter Innogy kaufen. Dazu haben beide Energiekonzerne eine Grundsatzeinigung erzielt, wie Eon und RWE in der Nacht auf am Sonntag mitteilten. Eon übernehme den gesamten RWE-Anteil von knapp 77 Prozent im Rahmen einer Barzahlung von 1,5 Milliarden Euro und eines weitreichenden Tauschs von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen. Der Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung bedürfe noch der Zustimmung der Gremien beider Konzerne.

          Nach der Grundsatzeinigung soll RWE zunächst eine Beteiligung an Eon von 16,67 Prozent erhalten. Die Aktien würden von Eon im Rahmen einer 20-prozentigen Sachkapitalerhöhung ausgegeben. Zudem solle RWE den weitgehenden Teil von Eons Erneuerbaren Energien-Geschäft erhalten, außerdem das gesamte Erneuerbare-Energien-Geschäft von Innogy sowie das Innogy-Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag. Auch solle RWE die von der Eon-Tochter PreussenElektra gehaltenen Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten. Eon wolle den Innogy-Minderheitsaktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot in bar von 40 Euro je Aktie vorlegen.

          Mit einem solchen Deal entstünde in Deutschland ein Platzhirsch im Segment erneuerbarer Energien, während Europas größte Volkswirtschaft das Ziel verfolgt, von fossilen Brennstoffen loszukommen. Der Kauf von Innogy, die eine Marktkapitalisierung von rund 19 Milliarden Euro aufweist, könnte bereits am Montag bekannt gegeben werden, hieß es aus Unternehmenskreisen. Innogy habe auch Interesse von anderen europäischen Versorgern auf sich gezogen, darunter Engie SE, Enel SpA und Iberdrola SA, hieß es weiter. Macquarie Group Ltd. könnte kleinere Teile des Geschäfts von dem fusionierten Konzern erwerben, unter anderem in Osteuropa.

          Deutliche Gewichtverschiebung am deutschen Energiemarkt

          Den größten Teil von Innogy zu kaufen, würde die Gewichte am deutschen Energiemarkt erheblich verschieben. Eon und RWE sind beide in Nordrhein-Westfalens ansässig und haben bei der europaweiten Abkehr von fossilen Energieträgern ähnliche Wege beschritten: Beide Konzerne vollzogen die Abspaltungen 2016. Eon lagerte die Sparten mit fossilen Brennstoffen in Uniper aus, RWE spaltete die entsprechenden Assets in Innogy ab. Uniper und Innogy sind seit 2016 börsennotiert. Das sich verändernde regulatorische Umfeld hat auch zu einer Vielzahl von Transaktionen in der Branche geführt. Eon ist im Begriff, 47 Prozent der Anteile am konventionellen Energieversorger Uniper SE an Finnlands Fortum Oyj zu verkaufen.

          Eon ist Deutschlands größter Investor im Bereich erneuerbare Energien mit mehr als 10 Milliarden Euro Assets in Windkraft-, Solar- und Speicheranlagen. RWE ist Deutschlands größter Stromerzeuger, allerdings mit einer starken Ausrichtung auf konventionelle Energieträger. Innogy hat versucht, seine globale Präsenz mit Windkraft- und Solaranlagen auszubauen, unter anderem in den Vereinigten Staatenund in Australien. Eine Vereinbarung mit Eon würde zu einer Zeit zustande kommen, in der Innogy interimistisch geführt wird. CEO Peter Terium hatte das Unternehmen im Dezember nach einer Gewinnwarnung und Schwierigkeiten im britischen Geschäft verlassen. Vorstandsmitglied Uwe Tigges übernahm vorübergehend die Rolle des CEO. Finanzvorstand Bernhard Günther wurde am vergangenen Sonntag Opfer eines Säureanschlags und mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert.

          Seit Jahresbeginn ist die Innogy-Aktie rund 6 Prozent gestiegen. RWE hält noch rund 76,7 Prozent an Innogy, die am Montag ihre Zahlen für 2017 vorlegen wird.

          Weitere Themen

          Jahr der Megatrends

          FAZ Plus Artikel: Davos : Jahr der Megatrends

          In Deutschland besteht eine verhängnisvolle Neigung zu glauben, wer die Welt verändern wolle, müsse in erster Linie moralisieren. Die Wirtschaft ist aber nicht der natürliche Feind der Klimapolitik. Das zeigte sich gerade in Davos.

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin

          Industriellenfamilie : Die Reimanns stiften 250 Millionen Euro gegen Hass

          Die Industriellenfamilie Reimann stellt in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro für Initiativen bereit, die sich mit Ursachen und Folgen des Holocausts auseinandersetzen. Dahinter verbirgt sich eine kaum fassbare Geschichte.
          Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links)

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.