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Fukushima : Tepco-Chef tritt zurück

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Erstmals sind Bilder veröffentlich worden, die zeigen, wie der Tsunami auf das Kraftwerk trifft Bild: dpa

Der Chef des Atomkraftwerkbetreibers Tepco zieht die Konsequenzen aus dem missglückten Krisenmanagement. Zudem sind neue Bilder veröffentlicht worden, die zeigen, wie der Tsunami auf das Atomkraftwerk Fukushima trifft.

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          Mehr als zwei Monate nach dem Atomunglück im japanischen Kraftwerk Fukushima tritt der Chef des Betreibers Tepco zurück. Präsident Masataka Shimizu werde durch den derzeitigen Geschäftsführenden Direktor Toshio Nishizawa ersetzt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Tepco-Führung war für ihr mangelhaftes Krisenmanagement gerügt worden. Ein schweres Erdbeben gefolgt von einem Tsunami hatte zur größten Reaktorkatastrophe seit der in Tschernobyl vor 25 Jahren geführt. Bislang ist es nicht gelungen, die havarierten Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen.

          Tepco teilte weiter mit, wegen des Unglücks einen Rekordverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr in Höhe von umgerechnet 10,69 Milliarden Euro (1,25 Billionen Yen) verzeichnet zu haben. Es ist der höchste Verlust, der jemals von einem japanischen Unternehmen außerhalb der Finanzbranche verzeichnet wurde.

          Die Belastung durch die Atom-Krise beziffert Tepco mit 1 Billion Yen (8,5 Milliarden Euro). Das Abschalten der vier zerstörten Fukushima-Blöcke schlage mit 207 Milliarden Yen (176 Millionen Euro) zu Buche. Tepco werde außerdem bekanntgeben, zwei geplante Atomkraftwerke nicht mehr bauen zu wollen, berichtete Kyodo.

          Der Tsunami schwappt über die viel zu kleinen Schutzmauern

          Radioaktive Strahlung auch außerhalb der Sperrzone

          Die radioaktive Belastung rund um die Atomruine von Fukushima weitet sich immer mehr aus. Erstmals fanden die Behörden in der nordöstlichen Präfektur Miyagi weit außerhalb der Sperrzone deutlich überhöhte Strahlenwerte in Weidegras, wie sie am Donnerstag mitteilten.

          Die Experten fanden rund 60 Kilometer nördlich des zerstörten Atomkraftwerks eine Belastung des Grases, die das Fünffache des erlaubten Grenzwertes überschritt. Ein Kilogramm der Probe war mit 1530 Becquerel Cäsium belastet, wie Behördensprecher Inao Yamada sagte. Gesetzlich erlaubt seien in Japan für die Fütterung von Milchkühen maximal 300 Becquerel.

          Der Fundort liegt deutlich außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um das Atomkraftwerk Fukushima, die um den Unglücksort eingerichtet wurde. Diese Zone darf nur mit staatlicher Sondergenehmigung und unter Sicherheitsauflagen betreten werden. Auch einige Orte außerhalb dieser Zone wurden bereits gesperrt.

          Die Auswirkungen der Katastrophe auf die Gesundheit der Menschen in der weiteren Umgebung Japans sind erneut deutlich geworden. Kyodo berichtete unter Berufung auf eine Bürgerinitiative, dass bei fünf von 41 untersuchten Frauen in Tokio und zwei weiteren Präfekturen radioaktive Substanzen in der Muttermilch gefunden wurde. Bei einer Frau seien minimale Mengen an radioaktivem Jod 131 und bei vier weiteren Frauen Cäsium-Isotope festgestellt worden. Die gemessenen Werte hätten aber alle unter den Grenzwerten gelegen, die bei Trinkwasser für Kinder unter einem Jahr gelten.

          Nach der Atomkatastrophe waren große Mengen radioaktiven Materials in die Atmosphäre und ins Meer gelangt. Kurze Zeit später waren Spinat und Milch aus der Umgebung der Atomruine in Fukushima radioaktiv verstrahlt. Auch im Trinkwasser der etwa 240 Kilometer entfernten Millionenstadt Tokio tauchte radioaktives Jod auf.

          Techniker erstmals in Reaktor 3

          Am Mittwochabend (Ortszeit) betraten Arbeiter auch den havarierten Reaktor 3. Ziel sei die Einschätzung der Schäden nach der Wasserstoff- Explosion wenige Tage nach Erdbeben und Tsunami am 11. März. Der Betreiber des Atomkraftwerks Tepco wurde in diesem Zusammenhang erneut wegen seiner Informationspolitik kritisiert. Die Atomaufsichtsbehörde sei erst am Donnerstag über das Betreten von Reaktor 3 unterrichtet worden. Tepco habe sich entschuldigt, hieß es. Beim Betreten von Reaktor 2 hätten die Arbeiter am Mittwochmorgen keine größeren Schäden an der Technik gefunden.

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