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Fukushima : Japanische Regierung erwägt Verstaatlichung von Tepco

Fotografen unerwünscht: Tepco-Konzernzentrale in Tokio Bild: dpa

Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima droht dem Betreiber Tepco der Verlust seiner Unabhängigkeit. Die japanische Regierung erwägt die Verstaatlichung des Energieunternehmens.

          Die japanische Regierung erwägt die Verstaatlichung des Energieunternehmens Tokyo Electric Power (Tepco). Wirtschaftsminister Koichiro Gemba sagte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Tokio, die Verstaatlichung sei eine mögliche Option in den Überlegungen, wie mit den Folgen der Krise um die schwerbeschädigten Atomreaktoren in Fukushima umgegangen werden soll.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Wegen der nuklearen Katastrophe in dem Atomkraftwerk, die von den Technikern auch nach mehr als zwei Wochen noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte, drohen dem Unternehmen Verbindlichkeiten von mehreren Milliarden Euro. Mit einer Verstaatlichung könnte die Regierung die Versorgung von Tepco mit Kapital sichern, hieß es. Analysten zufolge muss Tepco monatlich mehr als 1 Milliarde Dollar allein für alternative Energiequellen aufbringen, um den Ausfall seiner Reaktoren auszugleichen. Da zudem immer noch Radioaktivität austritt, könnten die Kosten der Krise die verfügbaren Mittel - darunter die 25 Milliarden Dollar aus einer erst vor ein paar Tagen vereinbarten Notfinanzierung von Japans großen Banken - schnell aufzehren.

          Neben den Kosten für die Sicherung der Atomreaktoren in Fukushima und Investitionen für den Bau neuer Kraftwerke kommen auf Tepco auch Schadensersatzklagen der Anwohner und der Bauern zu, die ihre Waren wegen der radioaktiven Belastung nicht mehr verkaufen können. Japanische Medien berichten über den Selbstmord eines Landwirts in der betroffenen Region, dessen Existenzgrundlage durch die radioaktive Verseuchung zerstört wurde.

          Tepco betreibt insgesamt atomare Reaktorblöcke

          Tepco ist das größte Energieunternehmen Japans und das viertgrößte der Welt. Es betreibt insgesamt 17 atomare Reaktorblöcke. Schon im Jahr 2002 gab es staatliche Sonderprüfungen bei Tepco, weil das Unternehmen Daten und Schadensberichte gefälscht hatte. Der Aktienkurs des Unternehmens sank nach Bekanntwerden einer möglichen Verstaatlichung abermals deutlich um 19 Prozent auf 566 Yen, bevor das Papier vom Handel ausgesetzt wurde. Das ist seit der Zuspitzung der Situation in Fukushima der fünfte Tag nacheinander, an dem der Kurs deutlich gesunken ist. Das Unternehmen hat damit seit dem Erdbeben und dem Beginn der atomaren Katastrophe erheblich an Wert verloren. Der Börsenwert fiel am Dienstag auf nur noch 909,5 Milliarden Yen (7,9 Milliarden Euro). Im Juni 2008 lag er bei 3,5 Billionen Yen

          In der japanischen Regierung wurde dem Vernehmen nach diskutiert, dass Tepco die finanziellen Lasten der atomaren Katastrophe allein kaum stemmen könne. Neben der Übernahme eines Mehrheitsanteils seien als Alternative aber auch Garantien des Staats für die Forderungen im Gespräch. "Weil der Staat die Nutzung der Atomenergie gefördert hat, ist es notwendig, dass er letztlich auch die Verantwortung übernimmt", sagte Gemba. Wichtig sei jetzt, dass Tepco all seine Anstrengungen in die Eindämmung der atomaren Krise lege.

          Wie die endgültige Entscheidung der Regierung aussehen wird, ist im Kabinett wohl noch umstritten. Denn Regierungssprecher Yukio Edano sagte abweichend zur Stellungnahme Gembas, das Kabinett denke noch nicht über eine Verstaatlichung nach. Jede Entscheidung über die Zukunft des Konzerns brauche Zeit. Ein Sprecher von Tepco sagte ebenfalls, dass ihm von solchen Plänen nichts bekannt sei. Die wichtigste Aufgabe sei es, eine Eskalation in Fukushima zu verhindern.

          Auch eine Abspaltung des Atomgeschäfts ist möglich

          Die Chancen, dass Tepco in seiner derzeitigen Aufstellung weiterbestehe, seien jedoch gering, hieß es in Regierungskreisen. Möglich sei zum Beispiel auch eine Abspaltung des Atomgeschäfts von Tepco, das dann anschließend verstaatlicht werden könnte. "Es gibt keine andere Möglichkeit, als Tepco zu verstaatlichen", sagte ein Fondsmanager. Das Risiko sei zu groß, dass das Unternehmen ohne Hilfe zusammenbreche. Denn Tepco versorgt etwa ein Drittel der japanischen Bevölkerung mit Strom.

          Tepco hatte zu Beginn der Woche französische Fachleute um Hilfe gebeten (siehe Fukushima: Tepco braucht dringend Geld für Reparaturen). Das Schlimmste habe man bisher verhindern können, sagte ein Tepco-Sprecher am Dienstag. Die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 sind nach Angaben der japanischen Atomaufsicht beschädigt. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Schutzhüllen nicht mehr dicht seien, teilte die Behörde am Dienstag mit. Der Stromkonzern gestand zudem ein, in mehreren Bodenproben Spuren von Plutonium gefunden zu haben.

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