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Rechtsabteilungen : „Für 85 Prozent der Arbeit benötigt man kein Büro“

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80 Prozent der befragten Unternehmensjuristen sind sicher, dass viele ihrer Mitarbeiter nie vollständig an den Arbeitsplatz zurückkehren werden. Bild: dpa

Die Pandemie hat die Arbeit in deutschen Rechtsabteilungen grundlegend verändert. Chefjuristen sehen darin Chancen für ihre Mitarbeiter.

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          Sie sind interner Dienstleister im Konzern, prüfen jede Unternehmensentscheidung auf rechtliche Tücken und berichten direkt an den Vorstand oder die Geschäftsführung: Konzernjuristen. Welche Denkprozesse die Corona-Krise in den bislang vielerorts zentral organisierten Abteilungen angestoßen hat, zeigt eine aktuelle Umfrage unter Chefjuristen in Deutschland. „Für 85 Prozent der Arbeit benötigt man kein Büro“, heißt es in der Erhebung der Wirtschaftskanzlei Noerr, die am Montag vorgestellt wird. Ihre Ergebnisse liegen der F.A.Z. vorab vor.

          Mobiles Arbeiten und ein noch stärkerer Einsatz von Technologie werden den Arbeitsalltag bestimmen, erklären die befragten Unternehmensjuristen. Mehr als 80 Prozent von ihnen sind davon überzeugt, dass das Gros ihrer Mitarbeiter nie wieder vollständig an den festen Büroarbeitsplatz in der Rechtsabteilung zurückkehren wird. Das Homeoffice „funktioniere tatsächlich“ und die „Art und Weise der Mitarbeiterführung“ sei entscheidend, lauten die Rückmeldungen. Dies hat zugleich Einfluss auf künftige Geschäftsreisen und die damit verbundenen Kostenbudgets der Unternehmen: Der Geschäftsreiseverkehr werde nie mehr das Niveau von vor der Pandemie erreichen, sind sich 85 Prozent der Rechtsabteilungsleiter sicher.

          Viele stellen sich auf eine andere Art der Mitarbeiterführung ein. Die Anpassungsfähigkeit in Krisensituationen und der Umgang mit Belastungen im Team gewinnen nach den Erfahrungen der letzten anderthalb Jahre rasant an Bedeutung. Folgerichtig investiert jeder dritte Chefsyndikus derzeit am meisten Kosten und Mühen in die Digitalisierung seiner Abteilung. Mit deutlichem Abstand folgen die Bewertung von Risiken und Compliance im Unternehmen, die Reduktion von Kosten durch effizientere Arbeitsprozesse sowie die rechtliche Begleitung der IT-Integration von Unternehmensteilen.

          In der juristischen Arbeit zeigt sich die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) offen für den Einsatz von unterstützender Software („Legal Tech“); jedoch hält weiterhin rund ein Drittel den Einsatz von Legal-Tech-Lösungen für „nicht wichtig“. Ihr größter Nutzwert für Unternehmen offenbarte sich in der Durchführung virtueller Gesellschafterversammlungen. Laut der Umfrage nutzten alle börsennotierten Unternehmen im vergangenen Jahr diese Möglichkeit für sich. Immerhin 88 Prozent aller Chefjuristen gaben für ihr Unternehmen an, auch in Zukunft auf virtuelle Hauptversammlungen durchführen zu wollen.

          Harald Selzner, der in der Kanzlei Noerr Partner für Gesellschaftsrecht und Unternehmenstransaktionen (M&A) ist, erkennt in den Rückmeldungen die immer stärkere Fokussierung auf ESG (Environment, Social, Governance) in der Unternehmensausrichtung. Dies wirke sich auch auf die Steuerung des Beteiligungsportfolios aus, sagt der Wirtschaftsanwalt aus Düsseldorf. „Die Antworten offenbaren erstaunliche Einblicke über den Stand der unternehmensinternen Überlegungen und Debatten. Bei vielen Unternehmen wurden langjährige Beziehungen zu Kunden und Lieferanten in Frage gestellt beziehungsweise einem Stresstest unterzogen.“

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