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Bücher für Blinde : Leser mit Fingerspitzengefühl

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Das bayerische Beratungs-, Informations- und Textservice-Zentrum, kurz BIT-Zentrum, wurde 1986 gegründet und bearbeitet hauptsächlich individuelle Aufträge. „Je nach Kundenbedarf setzt das BIT-Zentrum die gewünschten Inhalte als strukturiertes Hörbuch, in Blindenschrift, Großdruck, barrierefreie Dateien oder tastbare Abbildungen um. Dieser Service ist deutschlandweit einzigartig“, sagt der Leiter des Zentrums, Robert Müller.

Zentralbücherei in Leipzig

Außerdem berät man blinde und sehbehinderte Menschen. Während der Beratung können Hilfsmittel wie Lese-Sprech-Geräte und Helfer wie sprechende und tastbare Uhren und Hilfen zur Münz- und Geldscheinerkennung getestet werden. Gestiegen ist in den vergangenen Jahren das Interesse an PCs, Smartphones und Tablets. „Das BIT-Zentrum übernimmt hier als Berater und Dienstleister bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen eine wichtige Rolle“, erklärt Müller.

Erhebliche Zuschüsse zum laufenden Betrieb gewährten die bayerischen Bezirke in Höhe von 185000 Euro und die Landeshauptstadt München mit 36.000 Euro. „Die öffentlichen Zuschüsse sind eine sehr wichtige Unterstützung. Sie reichen aber nicht, um die Kosten des laufenden Betriebs zu decken. Ein verbleibendes Defizit gleicht der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund aus“, erklärt Müller.

In Leipzig versorgt die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) sehbehinderte Menschen mit einem vielfältigen Informations- und Literaturangebot. Der staatliche Betrieb verleiht hauptsächlich Literatur kostenlos an seine Nutzer. Man werde maßgeblich durch den Freistaat Sachsen mit rund vier Millionen Euro im Jahr finanziert, berichtet Ronald Krause, PR-Referent der DZB.

Fortsetzungsromane

Der Umsatz durch Verkauf und Auftragsleistungen betrug 2017 rund 278.000 Euro. „Aufträge – Produktionen für andere Institutionen wie Museen und Behörden – machen dabei den Großteil aus.“ Die DZB gibt zwölf selbstproduzierte Zeitschriften heraus. In Brailleschrift stellen sie unter anderem „GEOlino“ und „Stern/Zeit“ her. GEOlino hat etwa 120 Abonnenten.

Außerdem kommt wöchentlich die Zeitschrift „Literaturtreff“ heraus. Diese enthält Fortsetzungsromane, zum Beispiel „Das Lied von Eis und Feuer“, die Saga von George R. R. Martin, die als Game of Thrones bekannt ist. Der Fortsetzungsroman hat etwa 35 Abonnenten. Die DZB rechnet damit, dass die Fantasy-Saga etwa 72 Braille-Bände ergeben wird. „Wir haben rund 40.000 Hörbuchtitel und etwa 17.000 Braillebuchtitel im Verleih“, sagt Krause. Das meistverkaufte Buch ist das „Lehrheft zum Erlernen der Vollschrift für Blinde“.

Im Zeichen der Inklusion steht „Klapperlapapp“, eine neue Kinderbuchreihe, die als Klappbücher für sehende und blinde Kinder konzipiert ist. Im ersten Klappbuch gibt es Formen und Oberflächen. Die Formen sind aus unterschiedlichen Materialien und kontrastreich auf den farbigen Seiten. Das Buch hat zwei Seiten zum Klappen, und es soll jeweils der zweite Teil der Form gefunden werden, so dass auch sehende Kinder ihren Tastsinn trainieren können.

Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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