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Führungswechsel : Die Chaostage von Siemens

Siemens-Baustellen: Offshore-Anbindung, ICE-Produktion und Solartechnik zehren an Ruf und Bilanz des Konzerns. Bild: laif, dapd, Matthias Lüdecke

Der Technikkonzern ist in einer prekären Lage. Vor allem, weil mit Peter Löscher 2007 ein Vorstandsvorsitzender an die Spitze kam, der überfordert scheint. Die Zeit rennt, weshalb nur intern die Nachfolge zu regeln ist - und Joe Kaeser einspringen dürfte.

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          Die Lage von Siemens an der Börse hat sich beruhigt. Am Freitag sind weitere Schockwellen, wie sie die Aktie des Dax-Konzerns am Vortag erschüttert hatten, ausgeblieben. Im Gegenteil: Der Kurs hat sich wieder erholt. Ruhe scheint eingetreten zu sein - zumindest an den Aktienmärkten.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Münchner Technologiekonzern erlebt indes derzeit seine Chaostage. Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, dass der Aufsichtsrat des Konzerns am nächsten Mittwoch personell die Reißleine zieht. Peter Löscher müsste dann nach sechs Jahren seinen Posten als Vorstandsvorsitzender aufgeben. Möglicherweise könnte der 55 Jahre alte Österreicher, dessen Vertrag bis März 2017 läuft, schon vorher seinen Hut nehmen und damit der Entwicklung zuvor kommen. Denn derzeit laufen die Drähte im Aufsichtsrat unter Vorsitz von Gerhard Cromme heiß. Am Wochenende wird sich das Präsidium mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden sowie IG-Metall-Chef Berthold Huber über die Veränderungen im Vorstand des Dax-Konzerns verständigen.

          Wobei: die Optionen sind mangels geeigneten Angebots äußerst limitiert. Eine Art Notfallplan muss entwickelt werden, da das Unternehmen derzeit „völlig in Unordnung geraten ist“, wie ein hochrangiger Konzernmanager es formuliert hat. Man mag es drehen und wenden, wie man will: Am Ende läuft es allein schon aus zahlreichen pragmatischen Gründen darauf hinaus, dass Finanzvorstand Joe Kaeser, 56 Jahre, die Geschicke übernimmt. Zwar hat er sich zusammen mit Löscher im November 2012 zu den nun kassierten Zielen bekannt und diese - damals - auch mit seiner Person verbunden. Doch es geht um Schadensbegrenzung und die Rückkehr zu einer Unternehmenskultur, die in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden ist. Siemens wurde seiner einstigen Dynamik beraubt. Ertragsorientierte Ziele wurden aus dem Auge verloren; nicht zuletzt aus einem gewissen Gefühl der Überheblichkeit heraus, dass Siemens einer der führenden und innovativsten Konzerne gewesen ist.

          Peter Löscher

          Die Stimmung wird derzeit als „desaströs“ bezeichnet, wofür das Unternehmensprogamm „Siemens 2014“ maßgeblich verantwortlich gemacht wird. Es hat eine selten dagewesene Unruhe ausgelöst. Die Effizienzmaßnahmen - bislang 20000 Einzelmaßnahmen - kamen offensichtlich unstrukturiert daher. Am Donnerstagmittag teilte der Konzern schließlich mit, dass er die für das Geschäftsjahr 2013/2014 (30. September) gesteckten Ertragsziele gekippt hat, und die anvisierte operative Umsatzrendite von mindestens 12 Prozent nach zuletzt 9,5 Prozent nicht zu erreichen sei. Strukturen sollten effizienter und schlagkräftiger, 6 Milliarden Euro eingespart und Tausende von Arbeitsplätzen allein im Inland abgebaut werden. Doch ist das bisherige Geschäftsjahr 2012/2013 hinter den Erwartungen zurückgeblieben - auch wegen des fehlenden konjunkturellen Rückenwindes. „Siemens 2014“ ist somit vorerst gescheitert, mit dem Löscher und Kaeser im November an die Öffentlichkeit gegangen sind.

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