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Führungswechsel bei Roland Berger : Trio mit zwei Aufgaben

Weggefährten loben ihn als ausgesprochen integer. Schwenker war es, der vor rund zehn Jahren das Geschäft einfädelte, mit dem die Partner die einst an die Deutsche Bank veräußerten Unternehmensanteile wieder zurückkauften. Sein Büro mit Blick auf den Hamburger Hafen – ein kleiner Schlauch, wie ihn auch Nachwuchsberater haben – ist meistens verwaist. Schwenker ist viel unterwegs. Es gilt als sein Verdienst, dass die einst so auf Deutschland fokussierte Unternehmensberatung inzwischen auch in anderen Ländern Europas einen Namen hat. Man sieht Schwenker an, dass er in den vergangenen sieben Jahren wenig Rücksicht auf sich genommen hat. Das viele Rauchen und Reisen lassen ihn älter aussehen, als er ist. Das ist wohl auch der Grund, warum Roland Berger ihn nun aus dem Tagesgeschäft abzieht.

Der Beraterpatriarch selbst nimmt sich auch zurück, was ihm sicherlich sehr schwerfällt. Roland Berger steht in Deutschland für Unternehmensberatung wie kein anderer. 1967, fünf Jahre nach seinem Studienabschluss, gründete der gebürtige Berliner die Beratungsgesellschaft als Ein-Mann-Büro in München. Bis heute trägt sie seinen Namen.

Doch zuletzt lief es nicht mehr so rund. Vom durchschnittlichen Umsatzwachstum der zurückliegenden drei Jahrzehnte von jährlich gut 18 Prozent und Gewinnsteigerungen im Durchschnitt von fast 25 Prozent ist nichts mehr geblieben. Die Erlöse sanken, zuletzt betrugen sie noch 615 Millionen Euro, auch weil Roland Berger stark in den Krisenländern Spanien, England und Russland engagiert ist. Außerdem muss das Unternehmen investieren, muss sich geographisch noch stärker auf die Wachstumsregionen Indien und China einstellen. Das bindet Kapazitäten der rund 180 Partner.

Der Namensgeber - weiter in den Talkshows

Roland Berger selbst kann seine frei werdenden Kapazitäten dagegen den sonstigen Aktivitäten widmen. Er hat eine Stiftung gegründet und sitzt in einigen internationalen Aufsichtsräten, darunter Blackstone und Fiat. Bei einer Handvoll mittelständischer Unternehmen ist er auch noch involviert. Auch unpopuläre Engagements gehören dazu: Mit dem umstrittenen, ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, zum Beispiel, hat der Mann mit dem Dauerlächeln eine Investmentgesellschaft gegründet.

Ohnehin waren viele zuletzt nicht immer glücklich über Bergers mediale Auftritte. Vor einem Jahr etwa beriet Berger persönlich Fiat-Chef Sergio Marchionne bei dessen Versuch, Opel zu übernehmen. Gleichzeitig arbeitete ein Beraterteam an der Sanierung von Opel. Bei General Motors kamen die Fernsehbilder nicht sonderlich gut an, die zeigten, wie Berger gemeinsam mit Marchionne aus einem Maserati Quattroporte ausstieg, um mit dem Bundeswirtschaftsminister über die Opel-Rettung zu sprechen. Wie kann jemand zur selben Zeit für zwei Wettbewerber arbeiten, noch dazu, wenn der eine den anderen kaufen will?

Solche Fragen dürften sich künftig nicht mehr stellen. Roland Berger wird gewiss weiter in den Talkshows sitzen, er wird weiter um die Welt jetten. Aber er ist nicht mehr eingebunden in die Unternehmensberatung. Genau darin liegt die Chance für Schwenker und Wittig.

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