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Führungsstreit : VW hält Ergebnis des Krisentreffens vorerst geheim

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Noch schweigt der Volkswagen-Konzern über die Zukunft von Martin Winterkorn Bild: dpa

Für VW-Chef Martin Winterkorn waren es entscheidende Stunden: Das Präsidium des Aufsichtsrats kam zusammen, um zu entscheiden, ob er an der Spitze des Unternehmens bleiben darf. Winterkorn war selbst vor Ort, um sich zu verteidigen.

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          Der Führungsstreit bei Volkswagen hat an diesem Donnerstagnachmittag einen Höhepunkt erlebt. Das Präsidium des Aufsichtsrats kam gegen 16 Uhr in Salzburg zusammen, um zu entscheiden, wie es an der Vorstandsspitze des Konzerns weitergehen soll. Zweieinhalb Stunden später ist das Treffen beendet – und noch ist völlig unklar, wie es ausgegangen ist. Fest steht derzeit lediglich, dass VW-Chef Martin Winterkorn bei dem Treffen dabei war und alle Aufsichtsräte wieder auf dem Weg nach Hause sind. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur will das Unternehmen erst am (morgigen) Freitag eine Erklärung abgeben. Sie werde „im Laufe des Tages“ herausgegeben, zum Inhalt wurde nichts bekannt.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hatte die Mitglieder des Präsidiums zu der außerordentlichen Sitzung in seine Heimat gebeten. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, wollte sich der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn nicht geschlagen geben und einem von Piëch heraufbeschworenen Rücktritt nicht zustimmen. Im Gegenteil: Wie aus Kreisen verlautete, wollte er die Forderung einer Vertragsverlängerung aufstellen.

          Dass sich Piëch auf diese wohl als Geste der Wiedergutmachung für einen verbalen Ausrutscher gedachte Verlängerung einlassen würde, durfte im Vorfeld mehr als bezweifelt werden. Ferdinand Piëch macht in der Öffentlichkeit nie unbedachte Äußerungen, die Attacke auf Winterkorn und ihre Folgen wird er sich genau überlegt haben.

          Winterkorn hat einen Vertrag bis 2016 und könnte sich mit seinem Wunsch nach Verlängerung, zumindest offiziell, der Rückendeckung des Betriebsrats sicher sein, der auch schon gesagt hatte, von ihm aus könne Winterkorn gern noch länger bleiben als bislang geplant. Es ist jedoch nicht absehbar, wie lang die Unterstützung für Winterkorn hält und ob sie überhaupt den heutigen Tag überdauert. In der Vergangenheit hat Piëch stets seine Anliegen durchgebracht, auch wenn sie zuvor aussichtslos erschienen – man erinnere sich nur zuletzt an den Übernahmekampf mit Porsche.

          Teilnahme an der Klausurtagung abgesagt

          Am Vormittag hatte der attackierte Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn noch kurzfristig seine Teilnahme an der Klausurtagung der Fraktionsspitzen von Union und SPD abgesagt. Das teilte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann mit. Winterkorn habe das damit begründet, dass er an Gremiensitzungen des Volkswagen-Konzerns teilnehmen müsse. Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer nannte als Grund eine Sondersitzung des Präsidiums des VW-Aufsichtsrats. Ein VW-Sprecher bestätigte die abgesagte Teilnahme an der Fraktionsklausur, nannte aber keine Gründe. Der Entwicklungsvorstand der Kernmarke VW-Pkw, Heinz-Jakob Neußer, werde Winterkorn vertreten.

          Wie entscheiden die Arbeitnehmer?

          Der Führungsstreit in Europas größtem Automobilkonzern brach vor wenigen Tagen aus. VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch rückte öffentlich überraschend von Winterkorn ab. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, sagte er in einem Zeitungsinterview. Seitdem tobt ein Machtkampf. Bislang hat Piëch solche Auseinandersetzungen für sich entschieden, zum Beispiel als der den früheren VW-Chef Bernd Bernd Pischetsrieder abservierte.

          Diesmal haben sich aber sowohl die Arbeitnehmervertreter als auch die niedersächsische Landesregierung in ersten Reaktionen deutlich hinter Winterkorn gestellt und gegen den Porsche-Enkel positioniert. Der mächtige Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Bernd Osterloh sagte sogar: „Wenn es nach uns geht, wird sein (Winterkorns) Vertrag über 2016 hinaus verlängert.“

          Die Arbeitnehmerseite verfügt im Aufsichtsrat, der über Winterkorns Zukunft entscheidet, immerhin über zehn von zwanzig Stimmen; die Familien Piëch und Porsche kommen zusammen nur auf halb so viele. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil  - das Land ist ein substantieller Anteilseigner des Konzerns - zeigte sich irritiert über Piëch. Auf der Hannover Messe sagte der SPD-Politiker am Rande eines Rundgang: „VW ist enorm wichtig für Niedersachsen, VW ist aber auch enorm wichtig für Deutschland.“ Das Unternehmen sei einer der großen Arbeitgeber: „Das muss durch geschäftliche Erfolge Schlagzeilen produzieren.“ Seinen Messe-Rundgang kürzte er ab und ließ einen Besuch am Volkswagen-Stand aus.

          Falls Winterkorn gestürzt werden sollte, wäre eine Alternative klar: Porsche-Chef Matthias Müller. Der hat immerhin schon einmal zu Protokoll gegeben, dass er zu einem Wechsel von Stuttgart nach Wolfsburg bereit wäre.

          Treffen mit Merkel : Diskussionen um VW-Vorstandschef Winterkorn

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