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Banker-Boni : Hoher Frauenanteil, hoher Bonus

  • -Aktualisiert am

Noch immer sind Frauen in den Führungspositionen der Banken wenig vertreten. Bild: dpa

Führungsriegen britischer Banken sollen weiblicher werden. Je mehr Frauen eine Bank beschäftigt, desto eher sollen Boni ausbezahlt werden, schlägt jetzt eine Regierungskommission vor.

          Es ist ziemlich genau dreißig Jahre her, als sich Filmemacher zum ersten Mal der Rolle der Frau im Londoner Bankenviertel annahmen. Damals waren unter den 4000 Händlern an der Börse gerade mal 52 Frauen – die sich so manchen anzüglichen Spruch anhören mussten. Den Frauenanteil in Führungspositionen erhob man besser gar nicht erst. Doch hat sich seit der Erstausstrahlung von „A Woman’s Place: The City“ im Jahr 1985 wirklich so viel geändert? Als die Dokumentation kürzlich noch mal gezeigt wurde, äußerte manche Managerin so ihre Zweifel.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nun schlägt in Großbritannien eine Regierungskommission vor, die Boni der Führungskräfte in der City davon abhängig zu machen, wie viele Frauen eine Bank in Führungspositionen befördert. „Man muss das Thema auf eine Weise angehen, die in der City wahrgenommen wird“, sagt Jayne-Anne Gadhia, die sich das im Auftrag des Finanzministeriums ausgedacht hat. Allein mit Appellen geht nach Meinung der Vorstandsvorsitzenden der Bank Virgin Money zu wenig voran. Nun sollen finanzielle Anreize es richten: Hoher Frauenanteil, hoher Bonus – das soll die Männer zum Umdenken veranlassen.

          Gadhia stellte ihren Vorschlag auf einer Veranstaltung im Finanzministerium vor, an der auch Managerinnen von Banken wie Goldman Sachs und HSBC teilnahmen. Harriett Baldwin, die zuständige Staatssekretärin, begrüßte die Empfehlungen. „Ich weiß, dass es da draußen viele talentierte Frauen gibt, deren Können eine Bereicherung für jedes Unternehmen wäre.“ Das endgültige Empfehlungswerk soll im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden.

          Zu den jetzt vorgestellten Vorschlägen zählt auch, dass jede Bank einen Diversity-Verantwortlichen ernennen und den Frauenanteil auf den einzelnen Hierarchieebenen offenlegen soll. Kommissionsleiterin Gadhia ist überzeugt: „Wenn etwas veröffentlicht wird, dann wird es auch gemacht.“ Sie stützt sich in ihrer Argumentation auf Studien etwa von der Unternehmensberatung McKinsey und der Universität von Lancaster, wonach Unternehmen mit überdurchschnittlich vielen Frauen an der Spitze überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

          Frauen kontrollieren mehr und entscheiden weniger

          Nach einer Auswertung der „Financial Times“ sind bislang nur 16 Prozent der Führungspositionen in der Londoner City in weiblicher Hand. Anders als zunächst angenommen, ist der Frauenanteil nach der Finanzkrise nicht spürbar gestiegen; stattdessen kehrte so manche Bankerin der Branche lieber den Rücken. Im Kreis der im FTSE 100 gelisteten Unternehmen sind dagegen mittlerweile mehr als 25 Prozent der Top-Manager Frauen, wenn auch – ähnlich wie in Deutschland – vor allem in kontrollierender und seltener in entscheidender Position. Dieser Anteil soll bis zum Jahr 2020 auf mindestens ein Drittel steigen, ohne eine verbindliche Quote. Einige Finanzinstitute sind angesichts des wachsenden Drucks schon vorgeprescht und haben zumindest ihre Zahlen veröffentlicht.

          Demnach liegt zum Beispiel bei der Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle der Frauenanteil auf der obersten Führungsebene bei 22 Prozent, in der Gesamtbelegschaft bei 37 Prozent. CIO Mark Burgess ist damit nicht zufrieden. „In einer Zeit, in der in Großbritannien so viele Frauen arbeiten wie nie zuvor, fallen wir hinter andere Berufe zurück. Wo sind all die weiblichen Fondsmanager?“ Roxanne Hobbs, Gründerin der gleichnamigen Unternehmensberatung, bezeichnete es als deprimierend, dass es offenbar finanzieller Anreize bedürfe, damit sich etwas ändere.

          In Deutschland ist es schon seit einiger Zeit üblich, dass Boni von Führungskräften nicht nur an Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn und Aktienkurs geknüpft werden, sondern auch an sogenannte weiche Kriterien, etwa die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit. Inwieweit auch der Frauenanteil in Führungspositionen eine Rolle spielt, blieb auch auf Nachfrage unklar. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, ihm sei nichts dergleichen bekannt. Die Commerzbank teilte einerseits mit: „Die Förderung von Frauen findet sich seit mehreren Jahren auch in den Zielvereinbarungen der 1. und 2. Führungsebene.“ Zur Bonusrelevanz aber könne man leider nichts sagen.

          Selbst die Telekom, die im Jahr 2010 mit der Einführung ihrer 30-Prozent-Quote für Schlagzeilen sorgte, hat den Frauenanteil in Führungspositionen nicht konzernweit als Maßstab für die variablen Bezüge aufgenommen. Laut einem Sprecher gab es aber „hin und wieder Organisationseinheiten, die sich selbst und ihren Führungskräften eine entsprechende Zielsetzung gegeben haben“.

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