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Führungspositionen : Konzerne tun sich noch immer mit Frauen schwer

„Die Dynamik könnte noch größer sein“

Der Tenor der Wirtschaft ist eindeutig: Habt Geduld, es dauert nun mal rund zehn Jahre, bis Frauen sich vom Nachwuchstalent zur Führungskraft hochgearbeitet haben. „Wir arbeiten sehr intensiv daran, dass mehr Frauen mit den entsprechenden Qualifikationen zur Verfügung stehen“, betont Milagros Caiña-Andree, Personalvorstand des Autoherstellers BMW und Koordinatorin des aktuellen Berichts. „Nur: Das geht nicht von heute auf morgen.“ Ihr Amtskollege Werner Zedelius von der Allianz ergänzt: „Ausschlaggebend für das Weiterkommen im Unternehmen muss die eigene Leistung sein. Diese liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, ob Mann oder Frau.“

Diesen Satz hört man auch von Personalberatern immer wieder, und doch sehen sie die jüngsten Entwicklungen kritischer. Mit Spannung hat Christine Stimpel, die Deutschland-Chefin der Beratungsgesellschaft Heidrick & Struggles, die gerade zu Ende gegangene Hauptversammlungssaison und die damit verbundenen Aufsichtsratswahlen verfolgt, galten diese doch als Nagelprobe, wie ernst es der Deutschland AG mit der Frauenförderung ist. Jetzt hat Stimpel die Ergebnisse ausgewertet und konstatiert: „Die Dynamik könnte noch größer sein.“ Von den 36 neuen Kontrolleuren auf der Kapitalseite der Dax-Konzerne sind nur zehn Frauen. Das entspricht einem Anteil von 28 Prozent. 2013 waren noch 33 Prozent der Nachrücker weiblich, davor sogar 37 Prozent.

Insgesamt sind nun 20,5 Prozent der Kontrolleure in den Dax-Konzernen Frauen. Der Politik dürfte das kaum genügen. Zum neuen Statusbericht wollte sich Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf Anfrage nicht äußern, doch erst kürzlich sagte sie: „Die freiwilligen Vereinbarungen in der Vergangenheit haben nichts bewirkt.“ Gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas will sie ein Gesetz auf den Weg bringen, dessen Kern eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte großer Aktiengesellschaften ist – und zwar sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Kapitalseite. Dies würde von 2016 an mehr als hundert Unternehmen betreffen. Weitere 3500 sollen vom kommenden Jahr an verbindliche, nachprüfbare Ziele zur Steigerung des Frauenanteils im Vorstand und in den zwei Ebenen darunter festlegen.

„Ich habe den Eindruck, dass sich die Entscheidungsträger in den Unternehmen weitgehend gewiss sind, im Falle einer gesetzlichen Regelung die jeweilige Anzahl an weiblichen Kontrolleurinnen auch kurzfristig auf die Beine stellen zu können“, sagt Personalberaterin Stimpel. Rein rechnerisch fehlten zum Erfüllen der Quote auf der Kapitalseite noch 25 Mandatsträgerinnen. Am größten ist der Handlungsbedarf bei Fresenius und Fresenius Medical Care. Die Führungsgremien der beiden Unternehmen sind seit Jahren fest in Männerhand.

Andere Unternehmen können die Berliner Pläne dagegen gelassen sehen, weil sie die Vorgaben bereits erfüllen. Dazu zählen unter anderem Allianz und Henkel, zwei Konzerne, die auch im neuen Statusbericht eine gute Figur machen. So stieg bei der Allianz der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland von 24,7 auf 28,1 Prozent und damit in greifbare Nähe zu den 30 Prozent, die es 2015 sein sollen. Henkel wiederum führt das Feld mit schon jetzt 33 Prozent an. Genug ist dem Konzern das nicht: Jedes Jahr sollen weitere ein bis zwei Prozentpunkte hinzukommen.

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