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Führungskräfte im Vorruhestand : Vorstände altern schneller

  • -Aktualisiert am

Jahrgang 1952: Vorstandsvorsitzender der RWE, Jürgen Großmann, kniet zwischen seinen Vorstandskollegen Bild: picture-alliance/ dpa

Deutschland diskutiert über die Rente mit 67 Jahren. Vorstände hören dagegen oft mit 60 Jahren auf. Beim Energieversorger RWE betrifft das in nächster Zeit vier von sechs Vorstandsmitgliedern.

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          Manchmal kommt das Ende schneller als erwartet. Zwischen Dezember 2011 und März 2013 werden vier des sechs Mitglieder zählenden Vorstandes des Energieversorgers RWE das 60. Lebensjahr vollenden – die offizielle Altersgrenze im Konzern. Den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann, selbst Jahrgang 1952, bringt das in eine knifflige Situation. Schließlich gilt es, Kontinuität in der Unternehmensführung zu wahren – was schwierig ist, wenn ständig die Suche nach einem Nachfolger für eines der Ressorts läuft. Großmann suchte deshalb nach einer anderen Lösung: Er wollte kurzerhand zwei Vorstände schon vor deren Vertragsende ersetzen.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          So soll der seit 1977 im RWE-Konzern tätige Ulrich Jobs zum Jahresende ausscheiden. Der Achtundfünfzigjährige ist für das operative Geschäft im Ausland zuständig. Ebenfalls zum Jahresende wollte Großmann für den 57 Jahre alten Finanzvorstand Rolf Pohlig einen jüngeren Nachfolger einsetzen. Aber diesen zweiten „Frührenter“ ließ der RWE-Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Schneider nicht durchgehen. Um zu verhindern, dass bei RWE wie schon im Jahr 2007 innerhalb weniger Monate der Vorstandsvorsitz und das Finanzressort neu besetzt werden müssen, will er im September den Vertrag von Pohlig verlängern. Als Bayer-Aufsichtsratsvorsitzender hat Schneider in vergleichbarer Ausgangslage bei dem Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern ähnlich entschieden. Dort ließ er Anfang des Jahres den Finanzvorstand ziehen und verlängerte den Vertrag von Bayer-Chef Werner Wenning bis Ende September 2010.

          Kollaps der gesetzlichen Rentenversicherung

          Im Berufsleben gibt es zwei verschiedene Alterungsprozesse: Vorstände altern schneller als gewöhnliche Arbeitnehmer. Für Otto Normalverbraucher schiebt die Regierung die gesetzliche Altersgrenze von 2012 an Jahr für Jahr um einen Monat auf 67 Jahre hinaus. Der wichtigste Grund für die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist die wachsende Lebenserwartung. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschiebt sich das Verhältnis von Lebensarbeitszeit und Ruhestand stetig in Richtung Rentnerdasein. Die angehobene Altersgrenze soll dem Kollaps der gesetzlichen Rentenversicherung vorbeugen.

          Ganz anders sieht die Entwicklung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft aus. Vorstände werden immer früher in den Ruhestand geschickt. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Booz & Company ist das Durchschnittsalter freiwillig oder unfreiwillig ausscheidender Vorstandsvorsitzender von knapp 59 Jahren im Jahr 2003 auf knapp 56 Jahre im vergangenen Jahr gesunken. Die für Führungskräfte jahrzehntelang bei 65 Jahren liegende Altersgrenze ist in vielen Unternehmenssatzungen auf die Regelaltersgrenze von 60 Jahren zurückgesetzt worden.

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