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Führungschaos bei der Bahn : Höchste Eisenbahn

  • -Aktualisiert am

Bahn-Chef Richard Lutz (rechts) und der bisherige Finanzvorstand Alexander Doll Bild: EPA

Zuletzt hatte es noch Hoffnung geben, die Bahn könnte ihre Probleme hinter sich lassen. Doch nun tobt ein Führungschaos in der Chefetage. Das erste Opfer: Finanzvorstand Alexander Doll. Aber der eigentliche Skandal liegt woanders.

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          Es ist erst wenige Wochen her, da konnte man den Eindruck gewinnen, die Bahn sei auf bestem Wege, ihre Schwierigkeiten zu überwinden. Die Sorge um das Klima schien dem Schienenkonzern ordentlich Rückenwind zu verleihen. Der Eigentümer Bund versprach, so viele Milliarden in das Gleissystem zu pumpen wie nie zuvor. Mit steuervergünstigten Tickets standen die Zeichen gut, dass sich noch mehr Menschen in die ICE locken lassen. Ein Verkauf des vermeintlich attraktiven britischen Bus- und Bahnbetreibers Arriva sollte helfen, den hohen Schuldenberg nicht weiter in die Höhe treiben.

          Diese Zeit der Zuversicht ist vorbei. Das Unternehmen steckt in einem Führungschaos, das seinesgleichen sucht. Dessen Gravitationszentrum bildet Finanzvorstand Alexander Doll, der erst vor eineinhalb Jahren in das oberste Managementgremium eingezogen ist. Der gelernte Banker sollte Arriva in diesem Jahr meistbietend losschlagen. Am Ende wurde der Verkauf abgeblasen, weil die Interessenten weit weniger zu zahlen bereit waren als die Bahn verlangte. Nun werden Schuldige für dieses Desaster gesucht.

          Erster Kandidat: Doll selbst. Er habe zu spät und unzureichend über die Verkaufsprobleme informiert, sagen seine Kritiker. Und werfen ihm noch hinterher, nichts getan zu haben, um die desolate Güterbahn wieder in die Spur zu bringen, Zweiter Kandidat: Bahnchef Richard Lutz. Er hatte Doll geholt. Nach den Arriva-Querelen wollte er dessen Aufgabenbereich auf den Güterverkehr stutzen, was Doll ablehnte. Seitdem herrscht zwischen den beiden Funkstille. Im Hintergrund aber tobt eine Schlammschlacht, die sich auf der politischen Ebene fortsetzt.

          Die Wahrheit lässt sich in diesem üblen Gemenge aus Schuldzuweisungen und Spekulationen nur schwer herausdestillieren. Jede Seite hat ihre Version. Der bisher letzte Akt des Dramas: Doll geht und erhält wohl einen goldenen Handschlag in Millionenhöhe, wenn der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Montag zustimmt. Ob dann alles wieder gut ist, bleibt fraglich. Der eigentliche Skandal liegt ohnehin woanders: Die Bahn steht vor so vielen Herausforderungen, dass ihre Kunden keinerlei Verständnis für ein Managerversagen irgendwelcher Art mehr haben.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

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