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Künftiger TUI-Chef  Joussen : Der flinke Fritz

Fritz Joussen: „Ich bin Stratege.“ Bild: Oliver Tjaden/laif

Der Mann traut sich alles zu: Ein Branchenneuling aus Duisburg soll Europas größten Reisekonzern retten. Bisher hat er Handys verkauft.

          5 Min.

          Weimar im Oktober 2007: jene Brandnacht, die eines der höchsten deutschen Kulturgüter, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, zerstört hat, liegt drei Jahre zurück. Nun wird die Wiedereröffnung gefeiert, 13Millionen Euro hat die Restaurierung gekostet. Der Bundespräsident ist da, Unternehmer, Bürger. Alle haben sie gespendet.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Ein Funke sei in der Brandnacht „übergesprungen auf das deutsche Volk“, so ruft es in das Festzelt, in dem noch einmal die Bilder aus der Brandnacht auf der Leinwand laufen. Die Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau der Bibliothek habe „unsere Kultur, unser Wertesystem, unsere christlich-abendländische Kultur bekräftigt“.

          Die Bürgergesellschaft ist überrascht - und applaudiert. Doch nicht Horst Köhler: Fritz Joussen ist es, der dort spricht, laut Programmheft Vorsitzender der Geschäftsführung der Vodafone D2 GmbH, eine Landesabteilung des britischen Vodafone-Konzerns. Fünf Millionen Euro hat Vodafone für den Wiederaufbau der Bibliothek gegeben. „Gelebtes Engagement“, sagt Joussen.

          Da ist klar: Hier spricht nicht nur ein Handymann. Hier hat einer noch was vor. Da liegt ein „Jäger“ auf der Lauer, wie Joussen sich selbst bezeichnet. Ein „Angriffskrieger“. Einer, der so ist, wie Joussen seine Freunde nennt: ein cooler Typ.

          Die Seiten gewechselt

          Diesen Mittwoch, nach der Hauptversammlung von Europas größtem Reisekonzern TUI, ist Friedrich Peter Joussen, genannt Fritz, knapp 50 Jahre alt. Und schon am Ziel: Chef eines Konzerns. Aus der ersten Börsenliga der 30 größten notierten Unternehmen ist TUI zwar längst abgestiegen. Doch auch TUI kann ein Aufstieg sein. Da mag das Vodafone-Geschäft in Deutschland noch so bedeutend sein für den Weltkonzern aus London und Joussen noch so erfolgreich, bis hin zum Sieg über den mächtigen Konkurrenten Telekom: ob der Vodafone-Manager Joussen investieren durfte oder nicht, bestimmte England. Und England sagte zuletzt nein. Den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland durfte Joussen nicht kaufen. Also ging er.

          Der Zweimetermann aus Duisburg, Porsche-Fahrer und Hobby-Kicker, beschreibt sich als freien Geist. Als ihm der Vater, Justitiar bei Thyssen, die Juristerei ans Herz legte, so wie es der Familientradition entsprach, hat Joussen rebelliert - er studierte Elektrotechnik in Aachen.

          Als Joussen seinen ersten Arbeitsplatz in Amerika antrat und ihn die Firma im verregneten Nordweststaat Portland wieder vor die Tür setzte - da studierte er in Aachen einfach weiter.

          Als Joussen, längst bei Mannesmann, in den Monaten der Jahrtausendwende im Verteidigungsteam von Mannesmann-Matador Klaus Esser die Abwehrschlacht gegen Vodafone schlug und klar verlor - da trank Joussen im Fünf-Sterne-Hotel des schottischen Nobel-Golfclubs Gleneagles mit den anderen Mannesmann-Verlierern einfach fünfzehn Flaschen extrem teuren Rotwein. Auf Vodafones Rechnung.

          Und als Vodafone-Chef Chris Gent danach die Mannesmänner am Tisch umkreiste und einzeln mit Namen ansprach, da nahm Joussen Gents Angebot, die Seiten zu wechseln, einfach an.

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