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Friedensangebot : RWE schlägt Energiepakt vor

Jürgen Großmann reicht Verbrauchern und Politik die Hand Bild: ddp

Friedensangebot an die Verbraucher: Der neue RWE-Chef schlägt einen Energiepakt für Deutschland vor. Dies wird er am Mittwoch in einer Rede bei den Niedersächsischen Energietagen verkünden. Seine Ideen sind nach Informationen der F.A.Z. mit der Politik weitgehend abgestimmt.

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          Der neue Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE setzt sich für einen Neubeginn der energiepolitischen Gespräche in Deutschland ein. Die Konfrontation zwischen den Energieversorgern, Verbraucherverbänden und der Politik müsse ein Ende haben, fordert Jürgen Großmann in einer Rede, die er an diesem Mittwoch im Rahmen der Niedersächsischen Energietage in Hannover halten will. „So kann es nicht weitergehen“, sagt Großmann. Sein Vorstoß ist nach Informationen der F.A.Z. schon sehr weitgehend mit der Politik abgestimmt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          In seiner Rede schlägt Großmann erhebliche Zugeständnisse der Energiebranche vor, um den gewünschten „Energiepakt für Deutschland“ zu erreichen. Es gehe nicht um neue Energiegipfeltreffen mit rein deklamatorischen Statements für die Medien. „Mir geht es um konkrete Ergebnisse“, sagt Großmann.

          Erheblicher Ausbau der Stromnetze gefordert

          Damit Ergebnisanspruch und Zielrichtung klar würden, verpflichte man sich, solch einen Energiepakt an einem symbolträchtigen Ort zu diskutieren. Zum Beispiel auf einer Nordseeinsel wie Borkum, die den Bezug zu erneuerbaren Energien auf eine natürliche Weise herstelle. Der wichtigste Beitrag der Energiewirtschaft seien Investitionen. Investitionen in modernste und effiziente Kraftwerke. Investitionen in neue Leitungen, um gerade an den Kuppelstellen zum Ausland Hochleistungs-Energieautobahnen zu schaffen und den Europäischen Energie-Binnenmarkt zu beschleunigen. Bei den Investitionen in moderne Kraftwerke gehe es nicht nur um diese Investitionen als solche, sondern vor allem um konkrete Abschaltpläne für bestehende, weniger effiziente Kraftwerke.

          Hierbei könnten auch neue Investitionen in umweltschonende Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, in Zusammenarbeit mit der Industrie, helfen. „Gerade die Energieversorger müssen Abstand nehmen von früheren Oppositionshaltungen gegen diese neuen Formen der Energienutzung. Sie müssen ihre wirtschaftliche und technologische Kraft diesem Ausbau zuwenden. Sonst werden sie von der Marktentwicklung überrollt“, sagt Großmann. RWE werde in den kommenden Jahren Milliarden in die erneuerbaren Energien investieren.

          Zusätzlich brauche Deutschland einen erheblichen Ausbau der Stromnetze. „Und wir brauchen intelligente Netze, die es erlauben, die schwankende Stromeinspeisung so weit wie möglich zu verstetigen.“ RWE wolle sich ebenfalls aktiv in der Frage einbringen, wie mit neuen Technologien die Windenergie speicherfähig werden könne. „Ich stelle mir zum Beispiel für RWE konkret vor, dass wir unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung in fünf Jahren mindestens vervierfachen.“

          Kundenorientierung statt Abnehmerbetreuung

          Zudem solle die Energiewirtschaft nach außen erkennbar ihre Wettbewerbshaltung ändern. Das Stichwort müsse Kundenorientierung statt Abnehmerbetreuung lauten. Verstärkt werden müssten Angebote, die auf die Kundenwünsche zugeschnitten seien. Hierfür gebe es noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten im Bereich der Großkunden wie auch bei den Haushaltskunden – Stichwort Ökostromangebote und Fixpreisverträge.

          Man wolle entscheidende Beiträge dazu leisten, dass der Strom- und Gasmarkt als echter Wettbewerbsmarkt verstanden werde. Dazu gehörten maximale Transparenz, liquide Märkte sowie die Schaffung einer einheitlichen europäischen Energiebörse, vorzugsweise in Leipzig.

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