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Fresenius : Konzern sucht Kraftfutter

Der Schriftzug «Fresenius» prangt an einem Gebäude der Konzernzentrale der Fresenius SE & Co. in Bad Homburg. Bild: dpa

Für das Gesundheitsunternehmen Fresenius laufen die Geschäfte ganz gut. An der Börse aber ist die Entwicklung verheerend. Was tun?

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          Was ist eigentlich mit dem Dax-Konzern Fresenius los? Die Aktie hat sich seit Stephan Sturms Start als Vorstandsvorsitzender im Juli 2016 so schlecht entwickelt wie kaum eine andere im Dax: Während der Leitindex zwischenzeitlich gut 50 Prozent zulegte, verloren Fresenius-Papiere 50 Prozent an Wert. In dieser Woche war die verheerende Entwicklung auch Thema von Hauptversammlungen: Fresenius und die Tochtergesellschaft FMC luden zu Aktionärstreffen.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit mehr als einem Jahr laufen in Bad Homburg in aller Öffentlichkeit Diskussionen über die Konzernstruktur, die vorher nur an den Märkten ausgetragen wurden. Sturm sprach das Strukturthema erstmals in einer Pressekonferenz im Februar 2021 an und gab ein Jahr später einen Zwischenbericht zum Stand. Es waren und sind Überlegungen, welche Rolle die Sparten Fresenius Medical Care (FMC), Kabi, Helios und Vamed künftig im Portfolio des Gesundheits-Mischkonzerns spielen beziehungsweise spielen sollen.

          Ist die Debatte wirklich nötig?

          Kapitalmarktinsider sehen als treibende Kraft den Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Kirsch, der bis 2018 die DZ-Bank leitete. Die Diskussion „kommt nicht von Sturm. Der Druck kommt von Kirsch“, sagt ein Insider, der den Konzern wie auch Sturm kennt. Im Unternehmen ist zur Rolle Sturms anderes zu hören. Hier wird darauf verwiesen, dass der Vorstandschef selbst die Strukturdebatte angestoßen habe. Vielmehr wäre es Kirsch angeblich lieber gewesen, wenn Sturm die Konzernstruktur nicht gar so früh zu einem öffentlichen Thema gemacht hätte. Der Chef des Kontrollgremiums stehe jedoch vollumfänglich hinter der Strategie. Topmanager Sturm äußerte sich in dieser Woche in einem Interview mit der F.A.Z. zu seinem Vorgehen: „Man kann sich darüber streiten, ob es erforderlich war, in diese Debatte hineinzugehen.“ Das Thema sei aber immer wieder von Investoren an ihn herangetragen worden. Er habe sich also „einer Diskussion gestellt, die ohnehin schon lief“.

          Wohin diese Diskussion letztlich führt, ist seitdem genauso unklar wie vorher. Sparten verkaufen oder nicht? Wenn ja, welche? Ganz oder in Teilen? Direkt oder an der Börse? Diese Fragen stehen seitdem im Raum. Vorstandschef Sturm bleibt grundsätzlich eher vage: Es gehe um eine ergebnisoffene Abwägung, sagt er gerne. Und verweist darauf, dass man einen langfristig orientierten Ansatz fahre und die Konzernstruktur „über die Jahre große Dienste geleistet“ habe. Und „dass das, was von Aktieninvestoren vielleicht eher skeptisch gesehen wird, bei Patienten, Kunden, Regulatoren und Kreditgebern ausgesprochen positiv gesehen wird“. Will sagen: Konglomerate wie Fresenius kommen bei Anlegern generell nicht so gut an, bei den anderen schon.

          Keine Wachstumsgelegenheit verpassen

          Für das Management geht es aber vor allem um eines: Keine Wachstumsgelegenheit verpassen, vor allem nicht aufgrund fehlender Finanzkraft. Es gehe darum, so beschreibt man es in der Konzernzentrale in lyrischer Form, das „Kalb“ zu einem noch größeren, kräftigeren und gesunden „Stier“ heranwachsen zu lassen. „Wenn es passt, gerne mit einem Partner, der das geeignete Kraftfutter und vielleicht auch noch die passende größere Weide mitbringt, auf der sich das Kälbchen prächtig entwickeln kann.“ Man würde also keine „Verkaufsmandate“ erteilen, heißt es, es gehe stets um Wachsen und Verstärken.

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