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Ausblick für 2022 : Fresenius und FMC kippen Geschäftsprognosen

Fresenius-Chef auf dem Absprung: Stephan Sturm Bild: dpa

Gesundheit ist ein Zukunftsmarkt, sagt Fresenius-Konzernchef Stephan Sturm. Doch in der Gegenwart sieht die Lage wenig rosig aus.

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          Die schwierige Weltwirtschaftslage macht dem Gesundheitskonzern Fresenius und seiner Dialyse-Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care (FMC) schwer zu schaffen. In Amerika leidet FMC erheblich unter einem Mangel an Arbeitskräften und damit verbunden unter stark gestiegenen Personalkosten. Generell habe sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld weiter verschlechtert und inflationsbedingte Kostensteigerungen beschleunigt, teilte der Konzern am Mittwochabend mit.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sowohl Fresenius als auch FMC, beide im Dax vertreten, senkten deshalb ihre Geschäftsprognosen für das laufende Jahr. Auch die Mittelfristziele für 2025 hat FMC gekippt. Die neue FMC-Vorstandschefin Carla Kriwet, die vom Hausgerätehersteller BSH kommt und Rice Powell ablöst, der in den Ruhestand geht, soll nun schon am 1. Oktober starten und nicht wie geplant im Januar. FMC prüft zudem, sein Sparprogramm zu beschleunigen und auszuweiten. Die Prognosen für Fresenius‘ sonstige Sparten Helios (Kliniken), Kabi (Medikamente) und Vamed (Dienstleistungen) blieben unterdessen unverändert.

          „Geschäftsmodell ist intakt“

          „Am Ende des ersten Quartals haben wir mit einem länger anhaltenden Arbeitskräftemangel gerechnet. Eine so deutliche und schnelle Verschärfung konnten wir damals aber noch nicht absehen“, sagte Helen Giza, stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Finanzvorstand von Fresenius Medical Care. Die steigende Personalknappheit, höhere Fluktuationsraten und die zunehmende Abhängigkeit von Leiharbeitskräften hätten die Kosten trotz der Unterstützung durch den U.S. Provider Relief Fund weiter erhöht. „Dies beschränkt auch unsere Kapazitäten und beeinträchtigt die für die zweite Jahreshälfte erwartete Erholung im Geschäft mit Gesundheitsdienstleistungen.“ Auch wenn die meisten der derzeitigen Belastungen voraussichtlich temporär seien, sei die weitere Entwicklung ungewiss und ein Erreichen der Ziele bis Jahresende unwahrscheinlich, sagte Giza und fügte hinzu: „Wir sind der festen Überzeugung, dass unser Geschäftsmodell und die zugrundeliegenden Wachstumstreiber intakt sind.“

          FRESENIUS

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          Fresenius-Chef Stephan Sturm verwies darauf, dass man sich als weltweit tätiger Gesundheitskonzern den teils massiven Kostensteigerungen, zunehmenden Problemen in den globalen Lieferketten und Personalengpässen nicht entziehen könne. „Im Gegensatz zu anderen Branchen können wir die damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen nicht kurzfristig über Preiserhöhungen weitergeben.“

          Das habe man im Februar und Mai in den Prognosen berücksichtigt. „Inzwischen wird jedoch deutlich, dass die patientennahen Gesundheitsdienstleistungen in den USA in besonderem Maße beeinträchtigt sind – und damit auch Fresenius Medical Care.“ Sturm zeigte sich zuversichtlich, dass die neue Chefin Kriwet FMC „in eine erfolgreiche Zukunft führen wird“. Die Voraussetzungen seien „weiterhin gut“, trotz der aktuellen Belastungen durch die globalen Krisen. Man habe frühzeitig auf richtige Trends wie die Heimdialyse gesetzt. „Gesundheit ist ein Zukunftsmarkt, den wir maßgeblich mitgestalten und in dem wir weiterhin nachhaltig profitabel wachsen wollen.“

          Konzerngewinn fällt um 5 Prozent

          Kurzfristig jedoch gibt es für Optimismus wenig Anlass. FMC rechnet für 2022 nun mit einem Umsatzwachstum am unteren Ende der bisherigen Prognosespanne und einem Rückgang des Konzernergebnisses in etwa im hohen Zehner-Prozentbereich. Bisher hatte das vor allem in Amerika aktive Unternehmen ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum und eine Steigerung des Konzernergebnisses im jeweils niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich angekündigt.

          Fresenius erwartet jetzt ein währungsbereinigtes Umsatzplus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und einen Rückgang des währungsbereinigten Konzerngewinns im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Bisher waren ein währungsbereinigter Anstieg des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich und ein Zuwachs des bereinigten Konzerngewinns im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt worden. Fresenius kippte ebenfalls seinen mittelfristigen Ausblick.

          FMC und Fresenius legten auch vorläufige Quartalszahlen vor. Die Dialysetochtergesellschaft setzte von April bis Juni 4,76 Milliarden Euro um, das ist ein Plus von 10 Prozent. Währungsbereinigt stand ein Zuwachs von einem Prozent zu Buche. Der währungsbereinigte Konzerngewinn ohne Sondereffekte fiel um 7 Prozent auf 225 Millionen Euro. Unter dem Strich brach der Gewinn um ein Drittel ein. Bei Fresenius fiel der Konzerngewinn um 5 Prozent auf 450 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich binnen Jahresfrist um 8 Prozent auf gut zehn Milliarden Euro, währungsbereinigt entspricht das einem Zuwachs von 3 Prozent.

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