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Neues System : Verschlüsselte Mails für alle

„Wir wollen die Verschlüsselung so einfach wie möglich bereitstellen, mit so wenigen Klicks wie möglich“, so Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts. Bild: dpa

Das Fraunhofer-Insitut will zusammen mit der Deutschen Telekom eine flächendeckende Verschlüsselung von E-Mails ermöglichen. Es gibt allerdings einige Einschränkungen.

          Verschlüsselte E-Mails sind bislang vor allem etwas für Spezialisten: damit die Nachrichten komplett zwischen Sender und Empfänger so gesichert sind, dass kein Fremder mitlesen kann, muss man ein wenig Aufwand betreiben. Programme dafür sind zwar kostenlos, aber für Laien nicht einfach zu installieren - solange nur wenige Menschen ihre E-Mails verschlüsseln, gibt es auch kaum Empfänger.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Das will das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) gemeinsam mit der Telekom nun ändern und schreckt dabei nicht vor großen Versprechungen zurück: Unter dem Namen „Volksverschlüsselung“ ist es für Windows-Nutzer von diesem Mittwoch an möglich, Zertifikate für die sichere Kommunikation im Netz zu bekommen. Die Software dafür hat das Fraunhofer SIT entwickelt, die Telekom betreibt die Infrastruktur in Rechenzentren.

          „Wir wollen die Verschlüsselung so einfach wie möglich bereitstellen, mit so wenigen Klicks wie möglich“, sagt Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer SIT im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Verschlüsselung erfolgt über S/MIME, das steht für „Secure/Multipurpose Internet Mail Extensions“, einen internationalen Standard, der festlegt, wie verschlüsselte E-Mails verschickt werden.

          Die Schlüssel, um aus unlesbarem Datenwust die Nachricht zu extrahieren, liegen dann nur auf den Geräten der Sender und Empfänger. Damit sichergestellt wird, dass man nicht mit Betrügern kommuniziert, muss man sich allerdings registrieren, das geht über die Ausweisfunktion des elektronischen Personalausweises oder bei Veranstaltungen der Fraunhofer SIT. Telekom-Kunden können sich über ihr Nutzerkonto freischalten lassen, in Zukunft soll es auch in den Läden der Telekom möglich sein.

          Einige Einschränkungen

          Wer nun verschlüsseln will, muss allerdings mit einigen Einschränkungen rechnen: Zunächst gibt es die „Volksverschlüsselung“ nur für Windows, nicht für Mac-Nutzer, und noch nicht mobil. Wer bislang den Standard der sogenannten PGP-Verschlüsselung nutzt, die für „Pretty Good Privacy“ steht, braucht ebenfalls ein anderes Sicherheitszertifikat.

          Die E-Mail-Dienste Web.de und Gmx unter dem Dach von 1und1 bieten mit genau diesem Standard seit gut einem Jahr ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Mit der Einschränkung, dass die Verschlüsselung nur für die Kommunikation unter Kunden dieser E-Mail-Dienste funktioniert.

          „Flächendeckende Verschlüsselung“

          Bislang haben mehr als 500.000 Nutzer diese Verschlüsselung eingerichtet. Im europäischen Vergleich gelten die deutschen Nutzer zwar als besonders datenschutzsensibel, doch hatten im vergangenen Jahr nur 15 Prozent der deutschen Internetnutzer eine Software für E-Mail-Verschlüsselung installiert. Das hat eine Befragung des Digitalverbandes Bitkom ergeben.

          Vor den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden zur Massenüberwachung vor drei Jahren waren es allerdings deutlich weniger. Mit der Volksverschlüsselung gibt es nun die nächste Möglichkeit, sich zu schützen. „Unser Ziel ist eine flächendeckende Verschlüsselung. Und dass jeder, der E-Mails verwendet, sich dort einbringt“, sagt Waidner.

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