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Fußball-EM der Frauen : Große Bühne, große Chance

Eifrig am trainieren: Deutschlands Fußball-Frauen am Mittwoch in London. Bild: dpa

Die Europameisterschaft in England soll der Vermarktung des Frauenfußballs weiter Auftrieb gegen. Viel Luft nach oben ist zweifellos – gerade auch in Deutschland.

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          Das Timing lag auf der Hand: Pünktlich vor dem ausverkauften Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft der Frauen – die Gastgeberinnen aus England treffen in Manchester vor rund 70.000 Fans auf Österreich – geben sechs Frauen die Übernahme des Frauenteams von Viktoria Berlin bekannt. Zu der Gruppe um die ehemalige Spielerin und zweimalige Weltmeisterin Ariane Hingst zählt die Investorin Verena Pausder und die Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin AG, Tanja Wielgoß. Hinzu kommen die ehemalige Journalistin Felicia Mutterer, die Chefin einer Berliner Craft Beer-Brauerei, Katharina Kurz, sowie Lisa Währer, Marketingfachfrau und einst unter anderem für Jung von Matt/Sports tätig. Das Ziel: Die Sichtbarkeit des Frauenfußballs erhöhen, Strukturen und Bezahlung verbessern – und den Bereich attraktiver für Sponsoren machen. Alles Themen, die selbstverständlich auch bei der EM mitschwingen.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Das größte europäische Frauensport-Event der Geschichte“, verspricht der englische Fußball-Verband FA selbstbewusst. Mehr als 500.000 der rund 700.000 Tickets sind laut Angaben der UEFA schon verkauft. Die Vorrundenpartien der Engländerinnen sowie das Finale in Wembley sind längst ausverkauft. Die betont günstigen Preise – ab zehn Pfund – für Spiele anderer Nationen wären für einen neuen Rekord kaum nötig gewesen. Zum Vergleich: Zur EM 2017 in den Niederlanden kamen rund 240.000 Fans.

          „Männer und Frauen spielen das gleiche Spiel, aber die Physis macht es zu einem anderem Sport“

          Seitdem ist einiges passiert. Die Voraussetzungen in England sind aber auch deutlich besser als anderswo. Die „Women’s Super League“ wird stets als Positivbeispiel für Professionalisierung angeführt. Der im März 2021 geschlossene TV-Vertrag soll mit rund 8 Millionen Pfund pro Saison der bestdotierte für eine Frauen-Liga sein. Für die Exklusivrechte der neu organisierten Champions League der Frauen sprachen UEFA und der Streamingdienst Dazn zwar wenig später vom „größten TV-Deal, der in der Geschichte des Frauenfußballs je abgeschlossen wurde“. Dass der Frauenfußball in England präsenter ist und die Vermarktung besser läuft als in anderen Ländern, steht freilich außer Frage. Die Bühne EM soll die Entwicklung weiter befeuern.

          Bereit für den Start: Die Österreicherinnen beim Training in Old Trafford, wo das Eröffnungsspiel stattfinden wird.
          Bereit für den Start: Die Österreicherinnen beim Training in Old Trafford, wo das Eröffnungsspiel stattfinden wird. : Bild: AFP

          Auch in Deutschland erhofft man sich einen Schub. Schließlich gehen sportliche Professionalisierung, mehr Sichtbarkeit und eine bessere Finanzierung Hand in Hand. Zur EM zeigen ARD, Sky und der Anbieter der Deutschen Telekom (Magenta TV) die Doku „Born for this – Mehr als Fußball“ für die Nationalspielerinnen begleitet wurden. Der Volkswagen -Konzern startet als Turnier-Sponsor sowie Partner des DFB eine Kampagne unter dem Motto „Frauen spielen Fußball. #KeinFrauenfußball“. Den Vergleich zwischen Frauen- und Männer-Fußball und den Sprachgebrauch hatte zuletzt auch Nationaltorhüterin Almuth Schult kritisiert.

          „Männer und Frauen spielen das gleiche Spiel, aber die Physis macht es zu einem anderem Sport, deshalb macht der Vergleich keinen Sinn“, sagte Katja Kraus kürzlich gegenüber der F.A.Z., Die ehemalige Torhüterin ist Gesellschafterin bei Jung von Matt/Sports, Mitbegründerin der Initiative „Fußball kann mehr“ und wird auch als Unterstützerin des Projekts Viktoria Berlin genannt. Ohnehin sollten Zahlen aus England oder die jüngste Weltrekordkulisse – 91 648 Zuschauer beim Champions League-Spiel Barcelona gegen Wolfsburg – stets im Kontext betrachtet werden. Ausverkaufte Arenen sind bei Partien der Männer oft Standard, bei Frauen aber (noch) die absolute Ausnahme.

          Frauen sollen auch in Bundesliga öfter in die Arenen

          Die Barça-Frauen spielen in der Liga mitunter vor 5000 Fans, in England zeigt sich ein ähnliches Bild. Die EM wird folglich nicht nur in Arenen ausgetragen, sondern auch in kleinen Liga-Spielstätten mit knapp 5000 bis 12.000 Plätzen. Kritik daran kontert der englische Verband mit dem Verweis auf die EM 2017 als Planungsgrundlage und dem nicht gerade überbordendem Interesse von größeren Austragungsorten.

          Während in England im besten Fall zu Liga-Spielen gut 20.000 Zuschauer kommen, gibt es hierzulande noch nicht einmal diese Ausreißer. Von der kommenden Saison an soll sich das ändern, wenn es nach dem Plan des DFB geht. Dann sollen nach dem Vorbild der Champions League „Highlight-Spiele“ in den Arenen der Herren-Bundesligaklubs stattfinden. Vom Engagement dieser Vereine wird sich viel versprochen. „Die Strahlkraft und die Infrastruktur der großen Männerfußball-Marken sind notwendig, um den Frauenfußball ins Bewusstsein zu rücken und angemessene Rahmenbedingungen zu bieten“, formulierte es Kraus.

          Im Hintergrund das „Etihad-“Stadion - gespielt wird bei der EM allerdings im „Academy“-Stadion (vorne im Bild) mit 4.700 Plätzen.
          Im Hintergrund das „Etihad-“Stadion - gespielt wird bei der EM allerdings im „Academy“-Stadion (vorne im Bild) mit 4.700 Plätzen. : Bild: Action Images via Reuters

          Mit Blick auf die Nationalteams sind auch die Prämien ein zentrales Thema. Immerhin 60.000 Euro bekämen die deutschen Spielerinnen im Falle des Titelgewinns vom DFB (nach 37 500 Euro in 2017). Zum Vergleich: Die Herren hätten für einen EM-Titel in 2021 pro Kopf 400.000 Euro erhalten. In den USA sind die Prämien nunmehr gleich hoch, doch sind die Bedingungen andere. „Zur Wahrheit gehört auch, dass die Vermarktungserlöse von Männern und Frauen, aus denen sich auch die Turnierprämien ergeben, bei uns in der Bundesliga und den Nationalmannschaften extrem weit auseinanderliegen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kürzlich.

          So passt auch der Vergleich zwischen Viktoria Berlin und dem Vorbild der sechs Akteurinnen, dem US-Verein Angel City FC, ins Bild. Gegründet unter anderem von Schauspielerin Natalie Portman und mehrheitlich im Besitz von Frauen hat der künftige Verein von Almuth Schult rund 15.000 Dauerkarten verkauft. Viktoria Berlin dagegen spielt derzeit in der dritten Liga der Frauen und soll nach dem Willen der sechs Gesellschafterinnen in fünf Jahren erstklassig sein.

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