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Frauen im Aufsichtsrat : Wichtige Ausschüsse sind noch von Männern dominiert

Monika Schulz-Strelow (r.), Präsidentin der Initiative „Frauen in Aufsichtsräte“, zusammen mit Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in Berlin im Juli 2014 Bild: dpa

Insgesamt sitzen mittlerweile deutlich mehr Frauen in Aufsichtsräten. Doch ist ihre Präsenz in den wichtigen Ausschüssen noch sehr gering, wie jüngste Zahlen zeigen. Dort fallen aber die relevanten Entscheidungen.

          Der Frauenanteil in Aufsichtsräten von Dax-Konzernen ist dank des seit Jahresanfang wirksamen Quotengesetzes deutlich gestiegen und liegt jetzt im Schnitt bei den geforderten 30 Prozent. Doch diese Quote dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer noch zu wenig Frauen dort seien, wo die wichtigsten Entscheidungen fallen, warnte Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar), auf einer Veranstaltung zur Umsetzung des Quotengesetzes in Stuttgart.

          Ina Lockhart

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          „Der hohe Frauenanteil im Aufsichtsrat bedeutet nicht, dass Frauen auch über die Aufsichtsratsausschüsse Einfluss auf strategische Fragen und auf die Personalpolitik des Unternehmens haben“, mahnte Schulz-Strelow. Wie Fidar für die Unternehmen im Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax ermittelt hat, hat der Präsidialausschuss als machtvollster Ausschuss mit 13,4 Prozent den geringsten Frauenanteil und seit 2011 auch den kleinsten Zuwachs mit fünf Prozentpunkten. Der Präsidialausschuss hält den ständigen Kontakt zum Vorstand und bereitet die Aufsichtsratsarbeit vor. Im Prüfungsausschuss, der die Rechnungslegung und das Risikomanagement kontrolliert, sieht es mit einer Quote von 17 Prozent am besten aus. In dem für Personalfragen relevanten Nominierungsausschuss liegt der Frauenanteil bei 14,8 Prozent.

          Das neue „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ habe die Unternehmen bei der Frauenförderung beschleunigt, bilanziert Schulz-Strelow das laufende Jahr. „Alle Firmen, die unter der Quote von 30 Prozent waren, haben entsprechend Frauen nominiert.“ Allerdings hätten auch Unternehmen, deren interne Frauenquote deutlich über 30 Prozent lag, ihre Zielgröße abgesenkt. „So ein Gesetz ist bei uns in Deutschland schon verbindlich“, kommentierte die Fidar-Präsidentin ironisch.

          Auf einer Podiumsdiskussion rieten amtierende Aufsichtsräte - zwei Frauen, zwei Männer -, wie Frauen selbst die Vielfalt in Unternehmen fördern könnten: Generell gelte immer noch, dass man sich kennen und dass man angesprochen werden müsse, um in einen Aufsichtsrat berufen zu werden. Was aber auch nicht bedeute, dass Frauen geduldig abwarten sollten. Sie müssten sich vielmehr geschickt in Netzwerken positionieren, um als Kandidatin wahrgenommen zu werden. Außerdem sei ein klares Profil, was Kenntnisse und Erfahrung angeht, viel hilfreicher als eine Zertifizierung, die viele Frauen als Türöffner für den Aufsichtsrat missverstehen würden.

          Unabhängig vom Geschlecht sei immer noch eine besorgniserregende Ahnungslosigkeit zu beobachten, mit der Aufsichtsräte ihre Aufgabe wahrnähmen. Rechtsfragen und persönliche Haftungsrisiken seien ihnen nicht nur unbekannt. Oft hätten sie noch nicht einmal eine ungefähre Vorstellung davon, welche weitreichenden Konsequenzen ihr Handeln haben könnte.

          Seit dem 1. Januar 2016 gilt das neue Gesetz, wonach in Deutschland voll mitbestimmungspflichtige und börsennotierte Unternehmen - derzeit 105 Firmen - eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent im Aufsichtsrat vorweisen müssen.

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