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Fraport-Chef erklärt : Wie Frankfurt führendes Drehkreuz bleiben soll

Neuer Flugsteig G für 2020 geplant

Rückenwind für die angepeilte „Systempartnerschaft“ verschafft zurzeit der Umstand, dass Frankfurt – nach einer längeren Durststrecke – wieder Zuwächse an Passagieren, Flugbewegungen und Frachtaufkommen vorweisen kann. Seit Jahresbeginn stieg die Zahl der Fluggäste um 4,5 Prozent auf 42,6 Millionen. Bis Jahresende werden es laut Schulte insgesamt etwa 64 Millionen Passagiere sein. Die Entwicklung zwingt den Fraport-Konzern, der neben Frankfurt an 24 weiteren Flughäfen im Ausland beteiligt ist und rund 2,6 Milliarden Euro im Jahr umsetzt, in Ausbau und Modernisierung zu investieren, um als internationales Drehkreuz (Hub) mit Standorten wie London-Heathrow, Amsterdam oder Paris mitzuhalten.

„Unser Kerngeschäft bleibt das gehobene Hub-Segment“, stellt Schulte klar, wobei Frankfurt im Jahr mehr als die Hälfte an Umsteigepassagieren aus dem In- und Ausland zählt. Der steigende Anteil an Billigfluganbietern, den Fraport jetzt forciert, ist vor diesem Hintergrund als eine strategische sinnvolle Ergänzung zu betrachten. Im europäischen Luftverkehr erreichen Preisbrecher wie Easyjet, Ryanair oder Eurowings einen Marktanteil von insgesamt 40 Prozent.

Nachholbedarf im Billigflieger-Segment: Fraport-Chef Stefan Schulte

„Wir können uns diesem Wandel nicht entziehen und müssen im Low-Cost-Segment entsprechend aufholen“, sagt der Fraport-Chef. Die wichtigsten Wettbewerber sind bei diesem Thema viel weiter. Während die Billigfluganbieter in Frankfurt einen Marktanteil von rund 4 Prozent aufweisen, rangieren die entsprechenden Werte für die Flughäfen in Paris, Amsterdam und München zwischen 8 und 20 Prozent. In London verfügen Easyjet und Ryanair mit den stadtnahen Flughäfen Luton und Stansted seit Jahren über eigene Heimatbasen. Schulte will den Marktanteil im Billigfluggeschäft mittelfristig auf 8 Prozent verdoppeln.

Um neben Ryanair und Wizz Air weitere Preisbrecher nach Frankfurt zu locken, soll bis Anfang 2020 der neue Flugsteig G eröffnet werden, der allein bis zu 6 Millionen Fluggäste von Ryanair & Co. abfertigen kann und drei Jahre vor dem dritten Flughafen-Terminal startet. Die Erwartungen des Fraport-Chefs an das Passagierwachstum sind entsprechend groß. „Zusammen mit dem Low-Cost-Geschäft wird die Zahl der Fluggäste in Frankfurt bis zu 70 Millionen im Jahr erreichen“, ist Schulte überzeugt.

Dass das größte Drehkreuz in Deutschland vom Umstand profitiert, dass viele Touristen und Geschäftsreisende die großen Flughäfen im Nahen Osten und in Istanbul aus Sicherheitsgründen meiden, ist aus Sicht des Fraport-Chefs vorübergehender Natur: „Die Reisetätigkeit in diesen Regionen wird sich in absehbarer Zeit wieder auf ein gewohnt hohes Niveau einpendeln.“ Spätestens dann ist es umso wichtiger, dass Frankfurt im Vergleich mit diesen Standorten mithalten kann.

TUIfly spart vor allem an seinen Piloten

Die Pleite von Air Berlin hat Auswirkungen auf die Ferienfluggesellschaft TUIfly. Wegen der ungewissen Zukunft der insolventen Air Berlin arbeitet der Ferienflieger TUIfly an einem Sparpaket. Die Flug-Tochter von Europas größtem Reisekonzern sei deshalb bereits in Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften, teilte ein Konzernsprecher am Dienstag auf Anfrage mit. Wie stark TUIfly die Kosten senken will, sagte der Sprecher nicht. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hatte zuvor berichtet, dass die Gesellschaft ihre Kosten um mindestens 30 Millionen Euro senken müsse, um wettbewerbsfähig zu werden. „Die Verhandlungen laufen noch“, sagte der Sprecher. TUIfly hat 14 Maschinen an die Air-Berlin-Tochter Niki vermietet, die nun im Bieterverfahren für Air Berlin einen neuen Eigentümer bekommt. Dieser dürfte den Leasingvertrag (“Wetlease“) mit TUIfly neu aushandeln. Das Unternehmen peile nun einen Zukunftspakt an und könnte dann einige Flugzeuge und Crews aus dem „Wetlease“ wieder für TUIfly fliegen lassen, sagte der Sprecher. Dies gehe aber nur, „wenn wir wirtschaftlicher als heute werden“. Der Konzern habe wiederholt deutlich gemacht, „dass etwas auf der Kostenseite gemacht werden muss für den Fall, dass Maschinen und Crew zurückkommen“. Wie zu hören ist, stehen vor allem die Piloten im Fokus der Sparmaßnahmen. Den größten Teil der vorgesehenen Einsparungen von 20 Millionen Euro allein beim Personal wolle man bei den Piloten umsetzen. Dabei gehe es jedoch nicht um Gehaltskürzungen, sondern vor allem um mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. cag.

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