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Französischer Industriekonzern : Alstom klagt gegen Siemens-Züge für Eurotunnel

  • Aktualisiert am

Reparaturarbeiten im Eurotunnel: Künftig sollen hier auch Siemens-Züge fahren Bild: dpa

Als der Eurotunnel-Betreiber Eurostar Anfang Oktober Züge bei Siemens bestellt hat, gingen beim französischen Industriekonzern Alstom alle roten Lichter an. Jetzt will Alstom sogar auf gerichtlichem Weg verhindern, dass der deutsche Rivale zum Zuge kommt.

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          Der französische Industriekonzern Alstom klagt gegen die Bestellung von Siemens-Zügen durch den Betreiber der Bahn-Verbindung unter dem Ärmelkanal. Alstom habe beim britischen Gerichtshof in London Klage gegen Eurostar eingereicht, um die Ausschreibung aufheben zu lassen, sagte ein Alstom-Sprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die deutschen Züge könnten nicht bestellt werden, so lange sie nicht den Sicherheitsanforderungen für die Züge durch den Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien entsprächen.

          Eurostar, der Betreiber der Züge durch den Eurotunnel, hatte am 7. Oktober die Bestellung von zehn Siemens-Hochgeschwindigkeitszügen angekündigt. Bei den Zügen handelt es sich um dasselbe Modell, das die Deutsche Bahn künftig als neue Generation der ICE-Züge einsetzen will.

          Bisher hatte ausschließlich der französische Alstom-Konzern, der Hersteller des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV, die Tunnel-Züge gebaut. Alstom wirft Eurostar vor, in seiner Ausschreibung veränderte Sicherheitsauflagen vorweggenommen zu haben, so dass Siemens den Zuschlag bekommen kann. Auch die französische Regierung hatte gegen die Bestellung der deutschen Züge protestiert (siehe Eurostar: Frankreich geht gegen Siemens als Zuglieferant vor). Der Eurostar-Auftrag steht noch unter Vorbehalt, bis die endgültigen Bedingungen geklärt sind.

          Eurostar hat bisher das Monopol auf den Transport von Passagieren unter dem Eurotunnel. Allerdings dringt die Deutsche Bahn seit Jahren darauf, die lukrative Strecke ebenfalls bedienen zu dürfen. Am Dienstag war die Deutsche Bahn erstmals mit einem ICE in einer Testfahrt durch den Ärmelkanal-Tunnel nach London gerollt (siehe ICE erstmals in London). Rund neun Millionen Menschen fahren jährlich mit dem Eurostar, der Großbritannien mit dem europäischen Festland verbindet. Die Mehrheit an Eurostar hält die französische Staatsbahn SNCF.

          Insgesamt will Eurostar nach eigenen Angaben rund 800 Millionen Euro investieren, um neue Züge zu kaufen und die alten überholen zu lassen. Die derzeitige Flotte von 28 Zügen hatte Eurostar vor 16 Jahren in Betrieb genommen. Die neuen Siemens-Züge fahren mit Geschwindigkeiten von bis zu 320 Stundenkilometern und können rund 900 Passagiere transportieren, rund 20 Prozent mehr als die bisher von Eurostar eingesetzten Modelle.

          Eurostar nimmt Siemens in Schutz

          Der Auftraggeber Eurostar hat derweil deutlich Stellung für Siemens bezogen. Die Alstom-Kritik habe keine Grundlage. Das Hauptargument des früheren französischen Staatskonzerns sei, dass nur seine Züge unter dem Ärmelkanal fahren könnten. Mit Kritik habe sich Alstom aber erst zu Wort gemeldet, als Siemens zum bevorzugten Bieter für den rund 600 Millionen Euro umfassenden Zugauftrag ernannt wurde, erklärte Eurostar. Alstom kristisiere die Technik der Siemens-Züge: Sie haben mehrere unterflurig verteilte Motoren. Im Gegensatz dazu ist bei den Alstom-Zügen jeweils am Anfang und Ende des Zuges ein Motor angebracht.

          Laut Eurostar hat Alstom bei seinem Gebot allerdings selbst Modelle mit mehreren verteilten Motoren angeboten. Das Thema sei von Alstom erst aufgebracht worden, als das Unternehmen den Bieterwettbewerb verloren habe, erklärte Eurostar. Der Eurotunnel-Betreiber Eursostar gehört zu 55 Prozent der französischen Staatsbahn SNCF und zu 40 Prozent der London and Continental Railways. Die restlichen 5 Prozent liegen beim belgischen Bahnbetreiber SNCB.

          Siemens trotz Klage zuversichtlich

          Siemens selbst hat sich trotz der Klage optimistisch gezeigt. Siemens habe in einem „transparenten Ausschreibungsverfahren“ ein Angebot abgegeben, das vom Kunden als das bessere bewertet worden sei, erklärte der Konzern am Mittwoch in Frankfurt. „Die zuständigen Gerichte werden nun bewerten, ob das Verfahren und die Entscheidung zu Gunsten von Siemens fehlerfrei war. Wir sind zuversichtlich, dass dies der Fall ist.“

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