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Französischer Elektro-Pionier : Jean-Michel Jarre verkauft Autorenrechte an BMG

Jean-Michel Jarre 2018 auf dem Coachella Bild: dpa

Die Musiksparte des Bertelsmann-Konzerns verkündet den zweiten Katalogdeal innerhalb einer Woche. Auch die Autorenrechte des Elektro-Pioniers Jean-Michel Jarre gehören künftig zum Portfolio von BMG.

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          In Sachen (bekannt gemachter) Katalogübernahmen ist es in den vergangenen Monaten eher ruhig zugegangen – zumindest verglichen mit den Zeiten, in denen fast wöchentlich ein Abschluss vermeldet wurde. Die Bertelsmann-Musiksparte BMG hat nun allerdings gleich den zweiten Abschluss innerhalb einer Woche verkündet.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das hinter Universal, Sony und Warner Music mit einigem Abstand viertgrößte Musikunternehmen der Welt übernimmt die Autorenrechte des französischen Elektro-Pioniers Jean-Michel Jarre, nachdem BMG am Dienstag eine Vereinbarung mit den beiden Gründungsmitgliedern der schottischen Rock-Band Simple Minds bekannt gegeben hatte. Über finanzielle Details wie auch über den Zeitpunkt der Einigung wurde in beiden Fällen nichts öffentlich. Künftige Werke von Jarre sind nicht Teil des Deals.

          Durch die 2012 getätigte Übernahme des Indie-Labels Francis Dreyfus Music halte BMG auch die Rechte an den ersten drei Alben des heute 73 Jahre alten Künstlers, teilte die Bertelsmann-Sparte am Donnerstag weiter mit. Die Rechte an den Aufnahmen sind separat zu jenen an den zugrundeliegenden Texten und Kompositionen zu betrachten – wie folglich auch die damit einhergehenden Tantiemen-Ausschüttungen für die Nutzung der Werke im Streaming, in Filmen, der Werbung oder in Video-Spielen. Der Großteil der mehr als 20 Alben des Künstlers wird von Sony Music vermarktet.

          Mann der Rekorde

          Jarre hat nach Angaben von BMG bislang mehr als 85 Millionen Alben verkauft. Sein bekanntestes Werk ist das 1976 veröffentlichte „Oxygène“. Jarre gilt als einer der Wegbereiter der elektronischen Musik und ist zudem bekannt für opulente Live-Shows. 1979 spielte er beispielsweise vor einer Million Menschen am Pariser Place de la Concorde, 1997 vor 3,5 Millionen Fans in Moskau. Bei einem Livestream-Konzert zu Silvester 2020 vor einem virtuellen Abbild von Notre Dame sahen 75 Millionen Menschen zu. Im Juni vergangenen Jahres wurde er von Frankreichs Präsident zum Kommandeur der Ehrenlegion gemacht.

          Diverse Künstler haben in den vergangenen Monaten Rechte an ihrem Schaffen gegen eine stattliche Einmalzahlung abgetreten. Zu den größten Verkäufen zählten unter anderem Bob Dylans Deal mit der Verlagssparte von Universal Music (die Rechte an seinen Aufnahmen trat er später an Sony Music ab), Neil Youngs Verkauf an den Fonds Hipgnosis oder Bruce Springsteens Vereinbarung mit Sony Music.

          Dylan, Springsteen oder Tina Turner als Vorbilder

          Für die Rechte an seinen Aufnahmen, Texten und Kompositionen soll Springsteen rund 550 Millionen Dollar erhalten haben, wobei sich Sonys Verlag im Falle der Autorenrechte mit der US-Holding Eldridge Industries zusammengetan hatte. Springsteens Deal gilt als der bislang teuerste Katalogverkauf eines einzelnen Künstlers. Auch Sting, Neil Diamond, Tina Turner, Stevie Nicks, David Bowies Erben, aber auch jüngere Künstler wie David Guetta, John Legend oder kürzlich Justin Timberlake haben einzelne Rechtepakete verkauft.

          Die Käufer – ob Musikunternehmen oder Finanzinvestor wie KKR, Blackstone, Pimco oder Blackrock – setzen darauf, aus der Auswertung der Rechte langfristig stabile Einnahmen zu generieren, die sich durch weiteres Marktwachstum und neue Vermarktungsmöglichkeiten potentiell noch steigern lassen. Die steigenden Zinsen dürften zwar die Preise für Kataloge drücken, aber an dem grundsätzlichen Reiz von Rechten an Hits wenig ändern.

          BMG hatte zuletzt unter anderem Rechtepakete von Tina Turner, Mötley Crüe und ZZ Top erworben. Im Falle von ZZ Top handelte es sich um das bislang erste öffentlich gemachte Geschäft der im März 2021 zum gemeinsamen Erwerb von Musikrechten geschlossenen Allianz von BMG und dem Finanzinvestor KKR. Insgesamt kündigten die Partner im vergangenen Jahr an, rund eine Milliarde Dollar in Musikrechte investieren zu wollen.

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